Ausstellung „Vergiss die Photos nicht, das ist sehr wichtig“

Am 4. Februar um 19 Uhr wird im Wall-Saal der Stadtbibliothek Bremen eine Ausstellung zur  Verfolgung von Sinti und Roma im Nationalsozialismus eröffnet. Dies geschieht am Beispiel fotographisch dokumentierter Familiengeschichten aus Mitteldeutschland. Hintergrund der Ausstellung ist eine ungewöhnliche Kooperation zwischen der Universität Liverpool und dem Alternativen Jugendzentrum Dessau. Im Archiv der Universität Liverpool fand die dort lehrende Historikerin Eve Rosenhaft ca. 200 Fotografien, die das Leben der Sinti und Roma in den 1930-er Jahren in Dessau-Roßlau dokumentieren. Sie gehen auf den damals in Roßlau lebenden Fotojournalisten Hanns Weltzel zurück. Weltzel hatte ab 1931 intensive Kontakte zu den Familien, die auf ihren Handelswegen nach Dessau-Roßlau kamen. Die Fotos und erhalten gebliebenen Briefe zeugen von einer freundschaftlichen Atmosphäre, die von gegenseitigem Vertrauen und Respekt geprägt war. Darin liegt die Besonderheit dieses Fotobestandes; insbesondere wenn man ihn mit Propagandafotos im Nationalsozialismus vergleicht. Die Beschriftungen der Fotos geben nur bedingt Auskünfte, um wen es sich jeweils handelt. Die namentliche Identifizierung ist jedoch die Grundvoraussetzung, um die Verfolgungswege der Menschen und ihrer Familien zu erforschen. Dieser Aufgabe widmet sich Professor Eve Rosenhaft gemeinsam mit  Jana Müller vom Alternativen Jugendzentrum e.V. Dessau, die mit Dessauer Jugendlichen regelmäßig Zeitzeug*innen- und Rechercheprojekte initiiert. Nach voneinander unabhängigen Forschungen und (Jugend-)Projekten führten sie ihre Arbeitsergebnisse zusammen.

Die Ausstellung, deren Titel einem Brief von Josef Steinbach an Hanns Weltzel aus dem Jahr 1948 entnommen ist, nimmt die Verfolgungsschicksale ganzer Familien in den Blick, häufig über vier Generationen hinweg. Am Abend der Ausstellungs-Eröffnung, bei der Jana Müller und Eve Rosenhaft von ihren Forschungen berichten, wird auch der vom AJZ Dessau produzierte Kurzfilm „Was mit Unku geschah – Das kurze Leben der Erna Lauenburger“ gezeigt, der in einem Jugendforschungsprojekt entstand. Unku gehörte mit ihrer Familie zu den aus Dessau-Roßlau Ausgewiesenen und wurde mehrfach von Hanns Weltzel fotografiert.

Die Ausstellung findet im Rahmen des  „27. Januar – Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ statt, dessen Schwerpunkt in diesem Jahr bei der Verfolgung der Sinti und Roma liegt. Veranstaltet wird sie von der Heinrich Böll-Stiftung Bremen.

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