Dokumentarfilm und Zeitzeugengespräch über das Schicksal der Korbmacherfamilie Franz

Am Dienstag, d. 13.3.2018, 18.00 Uhr, wird im Wallsaal der Stadtbibliothek Bremen ein Film über die von den Nazis verfolgte und ermordete Familie Franz aus Magdeburg gezeigt.

Etwa eine halbe Million Sinti und Roma wurden in der Zeit des Nationalsozialismus ermordet. Von 27 Angehörigen der Korbmacherfamilie Franz, deren Heimat bis zum Beginn des Völkermordes Magdeburg und der Fläming waren, überlebten lediglich vier Personen. Ende Juli 1938 wurde die heute in Osnabrück lebende Wald-Frieda Weiss, geborene Franz, mit ihren Eltern und den Geschwistern Rosa, Emil, Erich und Johann nahe Stade verhaftet. Die zwölfjährige Rosa kam in ein Heim nahe Hannover, alle anderen kurze Zeit ins Gerichtsgefängnis Stade und von dort in das Gefängnis Hamburg-Hütten. Ende 1938 erfolgte die Überstellung in Konzentrationslager. Die Orte, an denen Familienmitglieder litten und starben, stehen für unvorstellbares Leid: Magdeburg-Holzweg, Sachsenhausen, Lichtenburg, Ravensbrück, Mauthausen, Dachau, Neuengamme, Bernburg, Buchenwald, Auschwitz-Birkenau, Mittelbau-Dora, Bergen-Belsen. Wald-Frieda Weiss, die über sieben Jahre KZ-Haft überstand, erinnert sich in der Dokumentation „Nicht wiedergekommen“, die vom Alternativen Jugendzentrum e.V. Dessau, erarbeitet wurde, schmerzlich an den Verlust ihrer Mutter, mit der sie gemeinsam viele Jahre in den Konzentrationslagern Lichtenburg und Ravensbrück litt, bis Franziska Franz in der Bernburger Gaskammer ermordet wurde, sowie an den geliebten Vater Gustav Franz, der im Konzentrationslager Mauthausen an den Folgen von Misshandlungen starb. Mario Franz ist der Sohn von Johann Franz, einem der wenigen Überlebenden der Familie, deren Geschichte der Film „Nicht wiedergekommen“ im Kontext des nationalsozialistischen Völkermordes erzählt. Er gehört der „Zweiten Generation“ an. Seine Eltern, Geschwister und er sahen sich in der Bundesrepublik fortgesetzter Diskriminierung und Benachteiligung ausgesetzt. Davon und von seinem Engagement für den Erhalt der Kultur und Sprache der deutschen Sinti sowie der Bildungsarbeit mit Jugendlichen der Minderheit und der Mehrheitsgesellschaft berichtet Mario Franz als Zeitzeuge.

Das Gespräch führt die Filmproduzentin Jana Müller vom Alternativen Jugendzentrum e.V. Dessau. Im Rahmen des Programms zum „27. Januar – Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“. Kooperationspartner: Heinrich-Böll-Stiftung.

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