Wanderausstellung „Tragödie von Lidice“ in der Jugendbildungsstätte LidiceHaus

Vom 15. Mai bis zum 15. August wird in der Jugendbildungsstätte LidiceHaus (Weg zum Krähenberg 33 a, Stadtwerder) die Wanderausstellung „Tragödie von Lidice“ zu sehen sein. Sie wurde konzipiert von der Gedenkstätte Lidice in Tschechien. Die Wanderausstellung „Tragödie von Lidice“ wird im ersten Stock des Haupthauses unserer Bildungsstätte zu sehen sein und kann von Montag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr kostenlos besichtigt werden.

Die Ausstellung zeigt die Umstände der Auslöschung des Dorfes Lidice in Mittelböhmen. Am 10. Juni 1942 wurden insgesamt 340 Männer, Frauen und Kinder aus Lidice ermordet und das Dorf vollkommen zerstört. Grund dafür war eine Vergeltungsmaßnahme für den Widerstand der tschechischen Bevölkerung gegen die nationalsozialistische Besetzung. Die Ausstellung behandelt das Leben der Bewohner*innen von Lidice vor der deutschen Okkupation, die Umstände des Massakers sowie die Geschichte des Wiederaufbaus des Dorfes und die Errichtung der Gedenkstätte.

Zudem möchte die Jugendbildungsstätte ein neues Denkmal, das an die Geschichte von Lidice erinnert, errichten. Dazu wurden in den vergangenen Monaten Modelle von Jugendlichen und jungen Erwachsenen angefertigt, die ebenfalls ausgestellt werden. Wir möchten die Besucher*innen der Ausstellung dazu einladen, an einer kleinen Abstimmung teilzunehmen, welches der Denkmal-Modelle tatsächlich realisiert werden soll.

Zu den Hintergründen:

Lidice war bis zum Frühjahr 1942 ein Dorf, nur 22 km von Prag entfernt. 493 Menschen lebten dort in 102 Familienhäusern. Die Männer arbeiteten meistens in den Stahlwerken und Kohle-bergwerken im 7 km entfernten Kladno. Seit März 1939 war Tschechien, wie andere Regionen Europas durch das nationalsozial-istische Deutschland besetzt, die Gebiete quasi zu Kolonien degradiert. Im Mai 1942 wurde in Prag ein Attentat auf den Reichsprotektor Böhmen und Mähren, Reinhard Heydrich, verübt. Heydrich starb am 04. Juni 1942. Am 03. Juni entdeckte die Gestapo eine Spur – ein falsch gedeuteter Liebesbrief – die nach Lidice führte. Die Nachforschungen vor Ort ergaben keine Bestätigung des Verdachts, dass die Bewohner*innen von Lidice an dem Attentat beteiligt gewesen wären. Dennoch sollte ein Exempel statuiert werden. Am 09. Juni, am Tag der Beisetzung Heydrichs in Berlin, wurde das Schicksal Lidices in einer Führerbesprechung besiegelt:

Betrifft Ortschaft Liditz, Bezirk Kladno. Am 09.06.1942, um 19:45 Uhr, teilt SS-Gruppenführer K. H. Frank aus Berlin telefonisch mit, dass auf Grund einer Führerbesprechung die Ortschaft Liditz folgendermaßen zu behandeln ist:

  1. Alle männlichen Erwachsenen sind zu erschießen.
  2. alle Frauen sind in ein Konzentrationslager zu überstellen.
  3. die Kinder sind zu sammeln und, soweit eindeutschungsfähig, an SS-Familien ins Reich zu geben. Der Rest wird einer anderen Erziehung zugeführt.
  4. die Ortschaft ist niederzubrennen und dem Erdboden gleich zu machen. Die Feuerwehr ist hierbei einzuschalten (…)

 

Böhme, Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD, 12. Juni 1942

Der mörderische Plan wurde umgesetzt. 173 wurden vor Ort erschossen, die Frauen wurden ins Konzentrationslager Ravensbrück gebracht, einige wenige Kinder wurden in deutsche Familien zur Umerziehung gegeben, über 80 wurden jedoch im Vernichtungslager Chelmno in Polen getötet. Lidice wurde vollkommen zerstört, als hätte es das Dorf niemals gegeben.

Schon wenige Wochen nach der Befreiung vom Hitlerfaschismus beschloss die tschecho-slowakische Regierung, ein neues Lidice aufzubauen. Viele haben zu diesem Aufbau beigetragen, vor allem Jugendliche aus der Tschechoslowakei und anderen Ländern der Welt. Eine neue Siedlung entstand und in ihr leben die Bewohner*innen noch heute. Im Tal von Lidice liegt heute eine Gedenkstätte, die von einem großen Rosengarten umgeben ist, in dem Rosenstöcke aus 25 Ländern der Welt wachsen. 1955 wurde in Lidice ein „Rosengarten der Freundschaft” mit Rosen aus aller Welt angepflanzt. So wurde die Rose zum Zeichen von Lidice – ein Zeichen der Liebe, die stärker ist als die Gewalt.

Für weitere Informationen und Nachfragen steht zur Verfügung:

Olan Scott Pinto: Tel. (0421) 69272-14 und E-Mail: scott.pinto@lidicehaus.de

 

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