Bremer Südosten

10 Haltepunkte

Historischer Ausflug in den Bremer Südosten

ASynagoge der jüdischen Gemeinde

1In der Pogromnacht, im November 1938, wurde die Synagoge der jüdischen Gemeinde in Bremen niedergebrannt, das ebenfalls dort befindliche Rosenak-Haus blieb unversehrt.

Diese ist heute eine kleine Stätte zum Gedenken an Bremens jüdische Vergangenheit. Der Katholische Gemeindeverband hat das Gebäude an den Caritasverband verkauft und den Umbau fertiggestellt.

Die Immobilie wird als Beratungszentrum und Kleiderkammer genutzt. Auf dem benachbarten Grundstück wurde eine Gedenkstätte eingerichtet.Das Kellergewölbe ist erhalten geblieben und von einem neuen Appartementhaus überbaut worden.

In Kooperation mit einigen Schulen finden im Rosenak-Haus Veranstaltungen zur Geschichte der jüdischen Gemeinde statt.

Am 30.08.1961 wurde an der Schwachhauser Heer Straße eine neue Synagoge eingeweiht. Im Laufe der Zeit wuchs die bis dahin kleine jüdische Gemeinde wieder zu beachtlicher Größe, insbesondere durch den Zuzug jüdischer Bürger aus der ehem. Sowjet Union.

Fußnoten

  1. Zit. n. W. Hundertmark; bearbeitet von Redaktionsgruppe SPURENSUCHE

BAufnahmesperre bei der NSDAP

Ab dem 01. Mai 1933 verfügte die Reichsleitung der NSDAP, dass diese Partei keine weiteren Mitglieder aufnimmt, damit so sichergestellt werden kann, dass “nur die Auslese des Volkes” Parteimitglied würde.

CDas Bremer Theater während des Nationalsozialismus

Anfang der dreißiger Jahre stand das Bremer Schauspielhaus unter der Leitung des gelernten Journalisten und Autors Johannes Wiegand (* 1874; † 1940) und des Theaterwissenschaftlers Eduard Ichon (* 1879; † 1943). Beide waren 1910 die Gründer des privat geführten Theaters, zuerst in der Bremer Neustadt, ab 1913 am Wall. 1943 erhielt man erst das heutige Gebäude am Goetheplatz.
Nach außen versuchten sie im Spielplan immer mehr das Deutsche, insbesondere durch Klassikeraufführungen, zu betonen, wohl auch als Reflex auf die gesellschaftlichen und politischen Auseinandersetzungen. Gleichzeitig beschäftigte das Schauspielhaus bis 1933 den jüdischen Regisseur Wilhelm Chmelnitzky als Oberspielleiter. Allerdings blieb er noch eine Weile als künstlerischer Berater weiterhin tätig.
Nach der Machtübernahme der Nazis wurden in ganz Deutschland sämtliche Kulturinstitutionen verstaatlicht und der Reichskulturkammer unterstellt. Nicht jedoch die privat geführte Bremer Schauspielhaus GmbH, obwohl Wiegand und Ichon nie der NSDAP beigetreten sind. Das Theater wurde erst nach dem Tod Ichons im Jahre 1943 zum Bremer Staatstheater.

Das Theater war zwischen 1933 und 1945 allen Schichten und Kreisen der Bevölkerung zugänglich in dem im Spielplan eher unpolitische Aufführungen aufgenommen wurden. Mit Hilfe organisierter Besuche und Abonnements, auch von „Kraft durch Freude“, entstand eine feste Besuchergemeinde, deren Geld das privatgeführte Theater sicherte und stützte.
Am 18.08.1944 wurde das Theater bei einem Luftangriff schwer beschädigt und am 06.10. des gleichen Jahres brannte es völlig aus. Auch dessen von den Nazis eingesetzten Intendanten, Curt Gerdes, kam bei einem Luftangriff am 26.09.1944 ums Leben.
Am 08.05.1945 gründeten ehemalige Mitglieder des Bremer Schauspielhauses die „Arbeitsgemeinschaft Bremer Bühnenkünstler“ um so schnell wie möglich in Bremen wieder Theateraufführungen anbieten zu können. Die erste fand am 19.09.1945 im früheren Tanzsaal der Concordia Gaststätte an der Schwachhauser Heer Straße statt.

Quelle: „Bremer Theater – 1913 – 2007“ von Frank Schümann im Verlag Carl Ed. Schünemann KG Bremen

DJohann Reiners

Johann Reiners wurde am 30.4.1907 in Bremen geboren. Viele Jahre zog er als Wanderarbeiter durch Europa und lernte dabei u.a. den Mussolini Faschismus in Italien kennen.

Der Malermeister und aktiver Gewerkschafter trat 1931 der KPD bei, die er jedoch nach 1945 aus ideologischen Gründen wieder verließ. Damals war er frei gewählter Betriebsrat bei den Atlas-Werken (Schiffsbau) in Bremen. Gemeinsam mit Gesinnungsgenossen betrieb er aktive Sabotage gegen die Kriegsindustrie in seinem Betrieb. Außerdem unterstützte er illegal “Fremdarbeiter” (Zwangsarbeiter aus unterschiedlichen von den Nazis besetzten Ländern).

Johann Reiners gehörte zu den Gründungsmitgliedern der “Kampfgemeinschaft gegen den Faschismus”, einem überparteilichen Bündnis, das sich aktiv an den Wiederaufbau der Bundesrepublik Deutschland beteiligte und eine konsequente Beseitigung der Wurzeln des Faschismus forderte.
Am 18.02 1932 wird Johann Reiners festgenommen

Literaturhinweis:
Zündstoff aus der nicht ganz freien Hansestadt Bremen

ENS-Kriegsverbrecher in Bremen

Max Josef Milde wurde am 20. 11. 1922 in Niederhermsdorf geboren, er war Unteroffizier der Wehrmacht , Mitglied im Musikkorps und später der Feldgendarmerie der Fallschirm-Panzer-Division Hermann Göring, einer Elitedivision der Luftwaffe.

Er wurde am 10. Oktober 2006 in Abwesenheit vom Militärgericht La Spezia wegen der Beteiligung an einem Massaker an insgesamt 207 ZivilistInnen in und um das italienische Dorf Civitella (bei Arezzo/ Toskana) am 29. Juni 1944 schuldig gesprochen und zu lebenslanger Haft verurteilt. Außerdem soll er gesamtschuldnerisch mit der BRD mindestens 780000 Euro an die neun Nebenkläger, Angehörige der Opfer, zahlen. Max J. Milde hat gegen dieses Urteil Berufung eingelegt.

Die unbewaffneten und sämtlich zivilen Bewohner der Dörfer Civitella, Cornia und San Pancrazio hatten sich zum Gebet in der Kirche versammelt. Die meisten sind durch Genickschuß getötet worden, darunter viele Frauen und Kinder, Väter vor den Augen ihrer Kinder, sowie der Priester des Ortes.

In Deutschland ermittelt die Dortmunder Staatsanwaltschaft (Zentralstelle im Lande NRW für die Bearbeitung von NS-Massenverbrechen), die im Okt. 2006 eine Hausdurchsung bei M. J. Milde durchführte.

Seit 1956 und bis zu seiner Pensionierung war Max Josef Milde bei der Polizei Bremen. Er leitete das Musikkorps der Bremer Schutzpolizei und war Polizeioberkommissar. Er lebt im Bremer Steintorviertel.

FFilm über Olympische Spiele 1936

Der Regisseur Kaspar Heidelbach hat den Film „Berlin 36“ gedreht, darin wird die wahre Geschichte der jüdischen Hochspringerin Gretel Bergmann erzählt, deren Teilnahme durch die Nazis verhindert wurde.

Gretel Bergmann war nach England emigriert, weil die Nazis sie aus ihrem Sportverein ausgeschlossen hatten. In London gewann sie 1934 die britischen Meisterschaften im Hochsprung. Als die Amerikaner mit dem Boykott der Olympischen Spiele in Berlin drohten, falls dem deutschen Kader keine Juden angehören, holten die Nazis Gretel Bergmann zurück.

Weil Bergmann nicht zu schlagen war, nominierten sie einen Jungen, der als Mädchen verkleidet in das Trainingslager eingeschleust wurde: Der gebürtige Bremer Horst Ratjen trat als Dora bei der Olympiade in Berlin an. Um Gretel Bergmann endgültig von den Spielen  (1. bis 16. August 1936) auszuschließen hieß es offiziell, sie habe sich im Trainingslager verletzt und könne deshalb nicht teilnehmen.

Dieser unglaubliche Fall bringt die ganze Dummheit und Bosheit der NS Rassenpolitik auf den Punkt.

GWerder und das Weserstadion

Werder Bremens erste überregionale Erfolge fielen in die Zeit der nationalsozialistischen Diktatur, als das Weserstadion oft für politische Propagandaveranstaltungen wie etwa den Tag der Wehrmacht benutzt wurde. Im Juni 1934 übernahm die Stadt das Weserstadion vom Verein und änderte den Namen in Bremer Kampfbahn. Von da an spielte Sport dort nur noch eine untergeordnete Rolle. Auch fanden hier ab Sommer 1934 Luftschutzübungen statt.

Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges musste der Spielbetrieb eingestellt werden. Am 10. November 1945 wurde der Sportverein Werder Bremen von 1899 aufgelöst und nach einer Fusion mit den 1933 durch die Nazis verbotenen Vereinen TV Vorwärts Bremen und Freie Schwimmer 1910 Bremen der Turn- und Sportverein TuS Werder 1945 Bremen wiedergegründet.

HHermine Berthold

Hermine Berthold, die unehelich geborene Dienstmädchentochter wurde mit 16 Jahren Fabrikarbeiterin bei der Bremer Jutespinnerei.

Früh engagierte sie sich in der Sozialistischen Arbeiterjugend, im Arbeiterturnverein und in der Textilarbeitergewerkschaft. 1919 trat sie der USPD, nach 1922 der SPD bei. Die Mutter von drei Kindern baute in Bremen maßgeblich die Konsumgenossenschaft „Vorwärts“ mit auf.

1930 bis 1933 war sie Abgeordnete in der Bremischen Bürgerschaft. 1934 wurde sie das erste mal verhaftet und in der Ostertorwache wegen angeblicher „Vorbereitung des Hochverrats“ eingekerkert und schließich zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt, die sie bis November 1938 im Lübecker Frauenzuchthaus absitzen musste. Dort freundete sie sich mit der Bremer KPD-Abgeordneten Käthe Popall an. Am 1. September 1939 erneute Schutzhaft (für vier Monate).

Von 1946 bis 1959 wieder Abgeordnete in der Bremischen Bürgerschaft.

IAntisemitische Parolen neben jüdischem Friedhof

Unter der Überschrift „Juden raus" in Hastedt berichtete die taz Bremen,dass bereits am 24.09.2003 nur einen Steinwurf entfernt vom Jüdischen Friedhof Hakenkreuze und antisemitische Sprüche gesprüht wurden
In der Nacht vom 2./3. August 2010 wurden erneut "Auf dem jüdischen Friedhof in Bremen-Hastedt
12 Grabsteine beschädigt." (aus dem Polizeibericht)

Der Israelitische Friedhof in Hastedt wurde 1796 mit der Bestattung von Lewis Simeon, dessen Grabstein heute noch zu sehen ist, angelegt. Bis 1803 gehörte er zur Synagogengemeinde Achim und seit 1803 zur Israelitischen Gemeinde in Bremen. 1893 wurde eine Friedhofskapelle gebaut und in den nächsten Jahren der Friedhof ständig vergrößert.

Am Nachmittag des 10.November 1938 legten junge SA-Angehörige Feuer in der Kapelle und verwüsteten die Grabanlage. Am 20. April 1945, beim letzten Luftangriff auf Bremen, wurde  der Friedhof teilweise zerstört, 1947 begannen Instandsetzungsarbeiten.

Die neue Friedhofskapelle wurde 1952 eingeweiht. Da die Israelitische Gemeinde heute sehr klein ist und viele Hinterbliebene verstorben sind, wird der Friedhof durch Einsatz des Gartenbauamtes und gelegentlicher Grabpflege durch Schulklassen in einem guten Zustand gehalten.

JCarl-Friedrich Wilhelm Borgward

In Bremen Sebaldsbrück wurde am 23.09.1938, also ein Jahr vor Beginn des 2. Weltkrieges, das Borgward Werk eingeweiht, das wegen seiner militärischen Bedeutung, insbesondere die LKW Produktion, durch Bombardierung im Kriegsverlauf schwer beschädigt wurde.

Im Werk arbeiteten ungefähr 3.000 Zwangsarbeiter. Damit stellten sie fast die Hälfte aller Arbeiter.

Dieses Video wurde freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom Landesfilmarchiv, Bremen.

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Die Firma besaß auch ein eigenes Arbeits- und Konzentrationslager. Errichtet wurde es am 25. August 1944 von der SS  für 1.000 sowjetische und polnische männliche Gefangene, die vom KZ Auschwitz überstellt wurden.

Die Häftlinge waren in den oberen Etagen eines alten Fabrikgebäudes auf dem Gelände von Borgward in Sebaldsbrück untergebracht und mussten im alten Hauptwerk und im neuen Werk am Stadtrand für die Kraftfahrzeugproduktion arbeiten. Nach nur knapp zwei Monaten – bis zum Luftangriff am 12. Oktober 1944 – ließ die SS das KZ räumen und die Häftlinge wurden in das KZ Farge oder ins Stammlager KZ-Neuengamme gebracht.