Von Findorff bis zum Bahnhof

10 Haltepunkte

»Von Findorff durch den Bürgerpark zum Bahnhof«

Dieser Weg ist gut zufuß durchführbar und dauert ungefähr 3 Stunden.

AKZ Mißler eingerichtet

Das Lager Mißler war das erste, zuerst noch provisorische  Konzentrationslager in Bremen. Es wurde bereits am 31. März 1933 von der Polizeidirektion in den ehem. Auswanderungshallen auf dem Gelände der Firma Mißler an der Walsroder Straße in Findorff errichtet.

Die etwa 170 Häftlinge waren vorwiegend Sozialdemokraten und Kommunisten. Die Insassen, darunter z. B. Alfred Faust wurden durch die Lageraufsicht, eine von der SS gestellte Hilfspolizei, schwer misshandelt. Ihr Anführer war Otto Löblich, der Mörder von Johann Lücke. Nach einem Hungerstreik der Häftlinge, aber auch nachProtesten innerhalb der Polizei und des Senats übernahmen statt der SS SA-Mitglieder die Bewachung. An die schlimmen Zustände änderte sich jedoch dadurch nicht viel.

Am 18.8.1933 besichtigte der NSDAP-Reichstatthalter Bremen/Oldenburg Röver das KZ Mißler in Findorff. Im September 1933 wurden die Häftlinge auf ein Schiff ins Lager Ochtum Sand und zum Fort Lang Lütjen II in der Wesermündung verlegt. Diese geschah auf Veranlassung der bremischen Polizeidirektion, da das KZ Mißler mitten in einem Wohngebiet lag und den Anwohnern die Misshandlungen der Inhaftierten nicht verborgen blieben. Außerdem sollten die Häftlinge in der neuen Lagern Zwangsarbeit verrichten. Beide Lager existierten noch bis Sommer 1934, dann wurden die Häftlinge in andere Lager außerhalb von Bremen überführt.

Video freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom Zentrum für Medien, Bremen:

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In einem Ausschnitt eines Video-Interviews mit dem USC Shoah Foundation Institute schildert der Zeitzeuge Willy Hundertmark seine Eindrücke aus dem KZ Mißler

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Mehr dazu unter “Relikte in Niedersachsen und Bremen” sowie “Die Entnazifizierung und die Gestapo

BIn Findorff entsteht erster Hochbunker

Über 130 Bunker wurden ab Herbst 1940 auf Bremens öffentlichen Flächen errichtet. Der erste war der Hochbunker an der Zwickauer Straße in Findorff. Das “Sofortprogramm” wurde mit diesem Bunker begonnen, er ist damit das älteste Bauwerk seiner Art in Bremen. In dieser frühen Phase waren die Standardwerte für Wandstärke 1,10 m und Deckenstärke 1,40 m.

CVerfolgung der Sinti und Roma

Im August 1933 trat ein Gesetz für Bremen in Kraft, das laut damaligem Polizeisenator Theodor Laue dazu führte, „Zigeuner und Landfahrer, die für die bremische Bevölkerung oft eine starke Belästigung bedeuteten und Anlass zu vielfachen Klagen gaben, aus dem bremerischen Stadtgebiet durchweg zu entfernen oder fernzuhalten.“

Ihnen wurde durch das Gesetz die Niederlassung praktisch unmöglich gemacht. Bezeichnenderweise wurden in den rassistisch geprägten Gesetzen Zigeuner (die damals und auch heute noch gängige Bezeichnung für Sinti und Roma) mit Landfahrern und „arbeitsscheuen Elementen“ über einen Kamm geschoren.

Das Gesetz bereitete außerdem den Genozid an den Sinti und Roma1 während des NS-Regimes vor. Ihre Rassenideologen sprachen von vererbbaren „angeborenem Schwachsinn“, „hochgradiger Minderwertigkeit, Asozialität, mangelnder Gemeinschaftsfähigkeit oder Analphabetentum“.

Bei der Kriminalpolizei in Bremen wird bereits Ende der dreißiger Jahre ein sog. Zigeunerdezernat unter der Leitung von Franz Gails eingerichtet. Letzterer ist wahrscheinlich auch verantwortlich für die ersten Deportationen von Sinti und Roma in Mai 1940.

Eine zweite Welle der Deportation findet in März 1943 statt. Die Sammelstelle für den Abtransport der Sinti und Roma wurde auf dem Areal des damaligen Schlachthofs, direkt hinter dem Bahnhof gelegen, eingerichtet. Von dort werden sie nach Auschwitz, Birkenau und Minsk transportiert, wo die meisten von ihnen umgebracht wurden.

Ihre genaue Zahl ist nicht bekannt, Schätzungen gehen von mehr als 300 Personen allein aus Bremen aus. Andere, die  nicht deportiert wurden, wurden jedoch auf Grund des sog. „Auschwitz-Erlasses“ Himmlers, zwangssterilisiert. Über 8 Fälle sind jedoch in Bremen aktenkundig.
Am jetzigen Kulturzentrum Schlachthof erinnert eine von Arbeitern der Bremer Stahlwerke erstellte Gedenkplatte an die Deportationen. Mehr Infos2.

Auf Anfrage des Bremer Bürgermeisters Johann Heinrich Böhmcker erklärte die Kripoleitstelle im Juni 1938, dass „in der Stadt Bremen 116 Asoziale bzw. Arbeitsscheue und 13 Juden festgenommen wurden“. Im Mai 1940 wurden die ersten Sinti und Roma aus der Hansestadt deportiert.

Mit Himmlers “Auschwitz-Erlass” vom 16. Dezember 1942 begann die Endphase des Völkermordes unter anderen an den Sinti und Roma. Allein im Bereich der Bremer Kripoleitstelle wurden mindestens 275 Sinti und Roma verhaftet. Von den Sammelpunkten in den örtlichen Polizeiwachen wurden sie in eine Halle des Schlachthofes gebracht. Der erste Transport nach Auschwitz verließ Bremen am 9. März 1943. Dort kamen binnen kürzester Zeit 157 der aus Bremen deportierten Sinti und Roma um.

Verschont blieben vorerst sogenannte “reinrassige Zigeuner oder auch Personen, die für die Rüstungsindustrie unabkömmlich waren”. Sie sollten allerdings sterilisiert werden, die genaue Zahl ist nicht bekannt.

Fußnoten

  1. Bremer Sinti-Verein, Herdentorsteinweg 41 tel: 541914
  2. Manfred Bannow-Lindtke per mail: m.bannow@t-online.de zu erreichen – bei ihm gibt es auch eine Broschüre “Bruder Sinti, Schwester Roma”

DStadt und Land: Hand in Hand

Reichspropagandaminister Goebbels eröffnete am 10.06.34 im Weserstadion die „Braune Hansa-Messe“, die anschließend 14 Tage lang auf der Bürgerweide stattfand. Mit ihr sollte der Kampf um die Wiederbelebung der Bremer Wirtschaft entwickelt werden. Eine dazu ausgegebene Losung lautete: Deutsche kaufen deutsche Waren! Jedes Haus in Bremen hatte die Hakenkreuzflagge zu hissen.

Das Hissen von Hausfahnen an den Nationalfeiertagen oder bei sonstigen Anlässen war zwar nicht verpflichtend. Wenn dies jedoch unterblieb, wurde es als Akt demonstrativer Verweigerung gewertet. Der Blockwart vermerkte dies in seiner Hauskartei. Es gab zur Ermahnung überdies ein Formschreiben, in das nur noch Name und Datum einzutragen waren.

EBürgermeister Duckwitz befürwortet Kapitulation

Britische Panzerverbände stießen April 1945 vom Süden auf das Stadtgebiet vor. Mit Flugblättern forderten sie Bremen am 20.4. zur Kapitulation auf, aber für Gauleiter Wegener kam das nicht in Frage – und setzt sich dann nach Schleswig Holstein ab.

10.00 Uhr morgens erreichen am 26.04.1945 die ersten schottischen Soldaten den Marktplatz. Bürgermeister Duckwitz, selbst Befürworter einer Kapitulation, wurde des Amtes enthoben.

Letzte Kämpfe fanden in der Nachtr vom 26. zum 27.4. um die Bunker an der Parkallee mit den dort verschanzten Deutschen statt, darunter viele jungen Angehörige der Hitler Jugend. Allein in diesen letzten Tagen fanden bei den Kriegshandlungen nochmal 540 Zivilisten und 220 Soldaten den Tod.

Weiterführende Literatur: “Kriegsende in Bremen” von Hartmut Müller und Günther Rohdenburg und “Bremen kaputt, Bilder vom Krieg 1939 bis 1945″ von Christoph U. Schminck-Gustavus. Beide Bücher sind erschienen im Verlag Edition Temmen, Bremen.

Dieses Video wurde freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom Landesfilmarchiv, Bremen.

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FDie SA in Bremen (Sturmabteilung)

Die erste nationalsozialistische Gruppe in Bremen war die SA. Sie trat 1926 zum ersten Mal in Erscheinung und besaß am Ende des Jahres knapp 40 Mitglieder. Geführt wurde sie bis 1927 von Friedrich Gravemann, der dann zur KPD wechselte. Sein Nachfolger wurde Hans Haltermann aus Berlin. Unter seiner Führung wuchs die SA im Jahr 1927 auf 60 Mann an.

Hauptaufgaben waren der so genannte Saal- und Demonstrationsschutz, den sie oftmals auch mit Gewalt durchsetzte. Ende 1930 übernahm Werner Wegener die Führung der Gruppe, die im Februar des gleichen Jahres um eine 44-köpfige Reservetruppe aufgestockt worden war. Die Mitgliederzahl verdoppelte sich in den folgenden Monaten, und im Jahre 1931 zählte die Organisation in Bremen schon 700 Mitglieder.

Dem Zuwachs tat auch das Verbot der SA vom 18. April bis zum 18. Juni 1930 keinen Abbruch. Im Gegenteil: Wenige Wochen nach Aufhebung des Verbotes zählte man 1500 Mitglieder. Die Gruppe war jetzt zahlreich genug, um einen Ableger, die Standarte 73 einrichten zu können.

Die Bremer SA unterstand der SA-Gruppe „Nordsee“ unter Leitung von Wilhelm Freiherr von Schorlemer, die ihren Sitz ursprünglich in Hannover und seit Anfang 1933 in Bremen (Rembertistraße 32), später in der Hollerallee 75 (heutiger Geschäftsstellensitz des ev. Bildungswerks) hatte. Nur zwei Häuser weiter befand sich der Sitz der SA-Brigade 62 “Unterweser” (Holler Allee 81). Im Haus dazwischen, das jetzige Standesamt (Holler Allee 79),war übrigens Hauptsitz der Kreisverwaltung der NSDAP.

An die belastende Hausgeschichte (1934 bis 1945 Sitz der SA-Gruppe “Nordsee”) erinnert das ev. Bildungswerk mit dem Grundsatz von Theodor W. Adorno, durch Bildungsarbeit einen Beitrag dazu zu leisten, dass »Auschwitz nie mehr sein werde«.

In den Jahren nach dem Röhm-Putsch 1934 verlor die SA in Bremen zusehends ihre Macht gegenüber der SS. Sie blieb zwar eine starke und große Gruppe, hatte sich aber der SS unterzuordnen.

G(Anti-) Kolonialdenkmal

Der “Elefant” wurde als Reichskolonialehrendenkmal 1931 errichtet, im Juli 1932 eingeweiht und am 19.09.1989 in Antikolonialdenkmal umbenannt. Zweck des Denkmals war die Erinnerung an die ehem. deutschen Kolonien in Afrika, zu derer Eroberung einige Bremer einen zweifelhaften Beitrag erbracht haben. Hier gilt es insbesondere Adolf Lüderitz zu erwähnen, der für das deutsche Kaiserreich Südwest-Afrika als Kolonie erwarb, das hiesige Namibia. Aber auch Hauptmann Paul von Lettow-Vorbeck, der verantwortlich war für das Massaker an die Herreros im Aufstand in Deutsch Südwest, erhielt großen Zuspruch in Bremen, wo man sogar eine Kaserne nach ihm benannte.

In der NS-Zeit stand dieses Denkmal im Mittelpunkt von Bestrebungen der Bremer NS, „Stadt der Kolonien“ zu werden.

Eduard Achelis sprach in seiner Funktion als Vorsitzender der Abteilung Bremen der Deutschen Kolonialgesellschaft  am 6. Juli 1932 bei der Einweihung des “Reichskolonialehrendenkmals” . Der Elefant Bremen

Friedrich Achelis (1840–1917), deutscher Kaufmann, Aufsichtsratsvorsitzender des Norddeutschen Lloyd in Bremen; Johannes Achelis (1836–1913), deutscher Kaufmann und Bremer Senator

HHermann Böse – Musiklehrer und Widerstandskämpfer

1Am heutigen Gymnasium an der Hermann-Böse-Straße hat Hermann Böse von 1907 bis 1933 als Musiklehrer gearbeitet. Bereits 1894 war er in die SPD eingetreten. Als 1904 der Parteitag der SPD in Bremen stattfand, trat ein Männerchor mit Arbeiterliedern auf, dessen musikalische Leitung in seinen Händen lag. Dieser Chor entwickelte sich zu dem bedeutenden und anerkannten Arbeitergesangverein in Bremen.

Am 22. Februar 1910 schickten sozialdemokratische Bremer Lehrer (daran waren u.a. beteiligt: E. Sonnemann und G. Luttmann von der Schule Elsflether Straße, G. Döring von der Schule Sternstraße, H. Rumpf von der Schule Habenhausen, D. Alfken von der Schule Kantstraße, H. Ostersehlte von der Michaelisschule) ein Glückwunschtelegramm an August Bebel anlässlich seines siebzigsten Geburtstags. H. Böse war auch einer dieser Lehrer; an der Abfassung waren zudem die bekannten Arbeiterführer Wilhelm Pieck und Johann Knief beteiligt. Dieses Telegramm führte zu heftigen Pressekampagnen in der regionalen und überregionalen Tagespresse.

Im Zusammenhang mit den revolutionären Veränderungen und der Bremer Raterepublik wurde H. Böse im Januar 1919 Mitglied der KPD und im gleichen Monat Leiter des Kommissariats für Schul- und Bildungsfragen im Rat der Volksbeauftragten.

Unter Anwendung der „Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat“ wurde er Ende März 1933 aus dem Schuldienst entlassen. Als in den Jahren 1940 bis 1942 die Bästlein-Jacob-Abshagen-Organisation ihre illegale Widerstandsarbeit entfaltete, wurde sie von Hermann Böse in Bremen unterstützt. Nach seiner Verhaftung im November 1942 durch die „Geheime Staatspolizei“ wurde Böse im Ostertorgefängnis und später im KZ Hamburg-Fuhlsbüttel inhaftiert. Am 17. Juli 1943, drei Tage nach seiner Entlassung, verstarb er an einer schweren Krankheit. Sein Grab ist auf dem Osterholzer Friedhof zu finden. Die Hermann-Böse-Straße trägt ihren Namen seit 1947. Erst 2005, also 58 Jahre später, wurde auch das Gymnasium offiziell nach Böse benannt. Vor seinem ehem. Wohnhaus in der Besselstraße 6 befindet sich im Gedenken Hermann Böses Wirken ein Stolperstein

Fußnoten

  1. Zit n. W. Hundertmark; bearbeitet von Redaktionsgruppe SPURENSUCHE

IKinderlandverschickung von Bremer Hauptbahnhof

Schwere britische Luftangriffe waren Anlass, Kinder zukünftig durch Verschickung davor zu schützten. Die ersten führten nach Salzburg und Oberbayern. Baldur von Schirach war Schirmherr dieser Maßnahmen.

Reichspropagandaminister Göbbels beschwor Mütter, ihre Kinder daran teilnehmen zu lassen, dennoch nahmen in Bremen statt der vorgesehenen 10 000 nur 4500 Kinder daran teil.

Auch die Bremer HJ sträubte sich gegen die KLV, da sie ihren Einfluss auf die Kinder schwinden sah, aber ein Führererlass vom 28. September 1940 drängte zum Handeln. Er sah vor, dass möglichst ganze Klassen verschickt werden sollten, wobei die Sechs- bis Zehnjährigen Pflegefamilien zugeteilt werden und ältere Kinder an HJ-Lagern teilnehmen sollten.

Ein wichtiger Hintergedanke der Maßnahme war auch, dass die Mütter ihre Kinder nicht mehr selbst betreuen sollten sondern zur Fabrikarbeit eingesetzt werden konnten. Am 29. Januar 1941 verließ der erste Sonderzug mit etwa 500 Kindern Bremen. Die jeweiligen Verschickungen sollten sechs Monate dauern.

Ab August 1943 wurden auch ganze Schulen verschickt, mit Ausnahme der sechsten bis achten Klassen, deren Schüler als Flakhelfer verpflichtet wurden. Bis März 1945 waren die meisten Kinder der bremischen Familien wieder in der Hansestadt.

JDeportation ins Ghetto Minsk

Am 18. November 1941 mussten 440 Bremer Juden vor der Schule Am Barkhof antreten. Gemeinsam mit Gefangenen aus dem Regierungsbezirk Stade marschierten sie anschließend zum Lloydbahnhof (besonderes Empfangsgebäude für den Auswandererverkehr nach Bremerhaven östlich der Bahnhofshalle, von diesem Lloydbahnhof führte der vierte Tunnel zu den Bahnsteigen). Von dort wurden sie mit Zügen ins Ghetto Minsk deportiert, wo sie 8 Monate lang Zwangsarbeit verrichten mussten, bevor sie am 28. oder 29. Juli 1942 umgebracht wurden; nur sechs dieser aus Bremen deportierten Juden überlebten.

Seit 1991 erinnert eine Tafel am Hauptbahnhof links des Haupteingangs an den Überfall auf die Sowjetunion und die danach erfolgte Deportation Bremer Juden in die Todeslager von Minsk.