Zweiter Rundgang in der Neustadt

10 Haltepunkte

»Dieser Gang durch die vordere Neustadt dauert ca. zwei Stunden«

Dieser alternetive antifaschistische Stadtrundgang wird auch von der Vereinigten der Verfolgten des Naziregimes, Bund der Antifaschisten (VVN BdA) in Bremen angeboten.

ASammelstelle für Zwangsarbeiter

1.900 männliche und 116 weibliche Zwangsarbeiter forderte der Senator für das Bauwesen aus Konzentrations- und Kriegsgefangenenlagern zur Trümmerbeseitigung und für Aufräumarbeiten nach den schweren Bombardierungen an. Nahezu alle Bremer Betriebe beschäftigten Zwangsarbeiter, vor allem aus der Sowjetunion und Frankreich. Es gab 16 Baukompanien, 6 Dachdecker- und 7 Glaserkompanien. Sammelstelle war Anfang 1945 der Grünenkamp.

BHingerichtet wegen Kritik am Krieg

Am Pfingstsonntag warfen 125 Bomber 771 Spreng- und 170 Brandbomben auf die Stadt. Es gab schwere Schäden, u.a. an: Polizeipräsidium, Schule Woltmershauser Allee, Kapitän-König-Schule, St. Pauli Kirche, St. Marien Kirche, Diakonissenhaus, Jutespinnerei, Atlas-Werke. Getroffen werden auch der Verkehrsbunker Hermannstraße (Erdbunker), allein dort wurden 143 Personen verschüttet, davon 82 starben, (15 vermisst), 43 wurden verwundet, 18 blieben unversehrt. Gesamtverluste in Bremen: 238 Tote, 112 Schwer- und 220 Leichtverletzte.

Unter dem Eindruck dieses schweren Bombenangriffs sprach sich der Arbeiter Johann Bischops gegen den Krieg aus. Er wurde deswegen im Juni 1944 in Brandenburg mit dem Fallbeil hingerichtet. Er lebte in der Großen Johannisstraße 207.

CSelma Zwienicki

In der Hohentorstraße 49/53, heute Fasslager von Becks, befand sich die Fahrradhandlung der Familie Zwienicki. Am 9. November 1938 drangen abends SA-Männer in das Haus ein. Selma Zwienicki wurde von Joseph Heike, SA-Obersturmführer, vormals Verkäufer und Dekorateur, in ihrem Schlafzimmer erschossen. Vermutlich suchten sie ihren Mann. Er konnte mit den vier Kindern fliehen. Ihrer gedenkt Bremen mit einem Stolperstein. Zur Einweihung sprach ihr Sohn Rabbi Jacob.

DBücherverbrennung auf dem Hohentorsplatz

Bei der Einweihung des „Johann-Gossel-Hauses“ im Buntentorsteinweg wurden am 22.04.1933 „marxistisch-kommunistische Symbole“ verbrannt und „damit der Bolschewismus symbolisch vernichtet“. Das „Gossel-Haus“ war ursprünglich das „Rote Haus“ und beherbergte die Kommunistische Partei.

Nach der Besetzung und Übergabe an die SA wurden kiloweise Broschüren und Zeitungen, Symbole und Fahnen der KPD und der Sozialdemokraten bei Dunkelheit am Hohentorsplatz und in der Bürgermeister-Deichmann-Straße verbrannt.

ELangemarckstrasse

1 Langemarck, ein Ort in Belgien, der im Ersten Weltkrieg zu einiger Bedeutung gelang, in dem vor allem aber auf beiden Seiten viele Soldaten fielen. Langemarck erhielt damals für Deutschland eine  mythologische Bedeutung, weil sein Name mit den angeblichen patriotischen Gefühlen junger Deutschen im Kampf verbunden wurde.
Da die Nationalsozialisten eine „Erziehung im Geist von Langemarck“ verfolgten und ihnen diese Erziehung in der Phase der unmittelbaren Kriegsvorbereitungen besonders wichtig war, griff der Bürgermeister Bremens die Initiative des Reichsstudentenführers auf, auch in Bremen einen „würdigen und entsprechend bedeutungsvollen, schönen Straßenzug“ am damaligen Technikum der „Langemarck-Idee“ zu widmen. Am 4.2.1934 hatte bereits der damalige Bildungssenator, Richard von Hoff, ein Denkmal zu Ehren der 200 gefallenen Bremer in der Schlacht bei Langemarck eingeweiht. Nun sollte die ganze Straße nach dem Ort benannt werden.

Ein kürzerer Straßenabschnitt würde zwar Umstellungsprobleme verringern, wäre aber der Sache nicht angemessen. Daher sollten Große Allee, Kleine Allee und Meterstraße den Namen „Langemarck-Straße“ erhalten. Wegen der Dringlichkeit sei es außerdem vertretbar, die zuständigen Behörden nicht zu beteiligen.

Zum Langemarcktag (seit 11.11.1937) gab das Bremische Staatsamt die Umbenennung bekannt. Am Tage der Veröffentlichung wurden bereits die neuen Straßenschilder angebracht. Abends hielt der Bürgermeister die Hauptansprache bei der Langemarckfeier der Gaustudentenführung. Er verpflichtete die Studenten auf den „Geist von Langemarck“, indem er u.a. sagte:

„Sie (die heutige Jugend) muss wissen, dass ihr Leben nicht leicht sein soll, sondern dass sie ebenfalls stets bereit sein muss, dem großen Vorbild gemäß einzustehen für Deutschland bis zum letzten. Der Nationalsozialismus Adolf Hitlers hat dem Sterben der Tausende vor Langemarck den rechten Wert gegeben …. Ein Volk, dessen Jugend so zu sterben wisse, hätte nicht zum Untergang verdammt sein können. So seien uns die Tat der jungen toten Helden von Langemarck flammendes Beispiel für die ewige deutsche Jugend.“

Am 5.1.1988 wurde das Denkmal an der Langemarckstraße, direkt vor der Hochschule Bremen, von Unbekannten umgestürzt. In der Öffentlichkeit gab es seit dem viele Diskussionen über die Sinnhaftigkeit einer Umbenennung der Langemarckstraße.

Fußnoten

  1. Zit n. W. Hundertmark; bearbeitet von Redaktionsgruppe SPURENSUCHE

FBlitz-Aktionen

1Laut Bericht eines Zeitzeugen fanden in der Pappelstraße im Zeitraum März/April 1935 sogenannte Blitz-Demonstrationen statt. Etwa fünf Antifaschisten erschienen dabei plötzlich auf der Straße, riefen einige aufklärende antifaschistische Parolen und waren sofort wieder verschwunden. Diese Aktionsform wurde auch von Fahrrädern aus durchgeführt. Noch bevor Polizei oder SA zuschlagen konnten, hatten sich die Teilnehmer in verschiedenen Richtungen abgesetzt, bzw. unter die Passanten gemischt.

Fußnoten

  1. Zit n. W. Hundertmark; bearbeitet von Redaktionsgruppe SPURENSUCHE

GZeuge Jehovas, Alfred Bostelmann hingerichtet

Vor der Kantstraße 42 erinnert ein Stolperstein an den Elektroschweißer Alfred Bostelmann1.

Alfreds Vater war wegen seines Glaubens als Zeuge Jehova von den Nazis bereits ins Gefängnis gekommen. Der Sohn Alfred war dadurch schon früh ein Gegner des Naziregimes geworden. Er nahm in dieser Zeit auch den Glauben seiner Eltern an. Offensichtlich hat er in seinem Betrieb, den Atlas-Werken, aus seiner Einstellung kein Geheimnis gemacht. Das wurde der Gestapo gemeldet.

Daraufhin wurde seine Freistellung vom Wehrdienst – bis dahin vom Betrieb erwirkt – aufgehoben und er erhielt den Einberufungsbefehl. Getreu dem Gebot seines Glaubens: “Du sollst nicht töten”, verweigert er den Kriegsdienst. Im Oktober 1942 wurde er verhaftet, vor ein Kriegsgericht gestellt, zum Tode verurteilt und am 26. März 1943 in Brandenburg mit dem Fallbeil hingerichtet.

Fußnoten

  1. “ANTIFASCHISTISCHER WIDERSTAND 1927-1935 IN BREMEN” der VVN und Dokumente des Staatsarchivs

HKriegsfolgen aus der Sicht eines Zeitzeugen

Der ehemalige Senator Stefan Seifritz (SPD) berichtet über Luftangriffe, die er in der Neustadt erlebte, Folgen der Bombardierung des Bremer Westens, an seine Kriegs- und Gefangenschaftserinnerungen und die politischen Erkenntnisse, die daraus gewonnen wurden.

Dieses Video wurde freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom Landesfilmarchiv, Bremen.

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IFlugschriftverteilung “Kleine Arbeiterzeitung”

1 Die „Arbeiter-Zeitung“ war bis zur Errichtung des faschistischen Terrorregimes das Organ der KPD im Bezirk Nordwest. Einer ihrer bekanntesten Redakteure war der Niederländer Anton Pannekoek. Die Zeitung wurde gedruckt im sog. “Roten Haus” am Buntentorsteinweg 95, was gleichzeitig Sitz der Parteizentrale war.
Im Juni 1933 gelangte eine Ausgabe der illegalen Flugschrift „Kleine Arbeiterzeitung“ in die Hände der Gestapo. Die erste illegale Ausgabe der „Kleinen Arbeiterzeitung“ erschien am 1. März 1933, sofort nachdem am gleichen Tag die KPD-Zentrale im “Roten Haus” besetzt wurde.

Auf der hier dokumentierten Flugschrift findet man die Gestapo-Notiz: „Rasingstr., Ottostr. Gastfeldstr. stehen ständig 15-20 Mann und belästigen Passanten.“

Diese Straßenzüge waren ausgesprochene Arbeiterwohnbereiche. Die Gestapo-Notiz lässt vermuten, dass es sich um Antifaschisten handelte, die Gesprächskontakte aufnahmen. Die anschließende Bemerkung „das Weitere wird vom Distr. veranlasst“ macht deutlich, dass hier eine genauere Überwachung geplant war. Zudem enthalten die Bemerkungen Angaben darüber, wo genau die illegale Flugschrift gefunden wurde, wer das gemeldet hat und welcher Verdächtige in Frage käme.

Fußnoten

  1. Zit n. W. Hundertmark; bearbeitet von Redaktionsgruppe SPURENSUCHE

JWaffenverstecke in der Oderstraße

In der Oderstraße 109 konnte der Bezirksleiter des Reichsbanners, Theophil Jadziewski, bis September 1933 geheime Waffenverstecke anlegen.