Außenkommando “Schützenhof”

Bild über Inschrift der Denkmaltafel am Schützenhof
Bild vom Zeitzeugen René Thirion
8. April 1944
Bromberger Straße 117, Bremen
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Nach einer zwangsverfügten Übereignung des Geländes der Bremer Schützengilde an der Brombergerstraße in Gröpelingen wurden dort mit Kriegsbeginn indische Seeleute interniert. Februar 1940 folgten ihnen 7 Sinti-Familien aus Nordwestdeutschland (132 Menschen). Im Mai wurden sie nach Belzec ins besetzte Polen gebracht, wo sie das Vernichtungslager aufbauen mussten. Weitere Sinti und Roma folgten im August 1940.

Ab Weihnachten 1944 wurden etwa 600-700 KZ-Häftlinge aus dem Außenlager Bahrs Plate (Blumenthal), die bis dahin täglich mit dem Schiff zu ihrer Arbeit auf der DESCHIMAG (A.G. Weser) befördert wurden, in den vier Baracken untergebracht, 30 Männer auf 5 mal 5 Metern. Auf der AG Weser mussten sie Bleche stanzen, Teile für Schiffsmotoren fertigen oder Granatenrohlinge drehen.

1.054 Neuengamme-Häftlinge aus 17 Nationen durchliefen dieses Außenlager in Blumenthal, darunter 464 Juden aus Ungarn, Polen oder staatenlos, 265 Sowjetbürger, 144 Belgier, 55 Franzosen. 257 von ihnen starben in etwas mehr als drei Monaten am Mangelernährung, Entkräftung oder Misshandlungen bei einem zehnstündigen Arbeitstag.

Am 7. und 8. April 1945 begann für die 582 verbliebenen KZ-Häftlinge der zehntägige Todesmarsch nach Neuengamme, bzw. nach Bergen-Belsen (letzteres betraf die jüdischen Häftlinge). Viele fanden bei der Bombardierung der KZ-Schiffe Kap Arcona oder Thielbeck in der Nacht vom 3. Auf den 4. Mai in der Ostsee den Tod, auf die sie mit tausenden weiterer Neuengamme-Häftlinge getrieben worden waren.

Eine erste Gedenktafel wurde am 29. April 2002 an der Mauer neben dem heutigen Schützenhof eingeweiht (siehe Bild). Eine zweite folgte am 29. August 2004. In drei Sprachen erinnert sie an die Toten aus dem belgischen 900 Seelen-Dorf Meensel-Kiezegem, 40 km von Brüssel. Bei zwei Razzien flämischer SS unter deutschem Kommando wurden 98 Bewohner listenmäßig selektiert und zu Verhören durch den Sicherheitsdienst nach Löwen und Brüssel gebracht. 68 von ihnen wurden Ende August 1944 ins KZ Neuengamme deportiert, fünf überlebten. Zweiundzwanzig Dorfbewohner kamen in die Außenkommandos Blumenthal und Schützenhof.

Mehr über die KZ-Haeftlinge auf der Werft findet man in einem Originaldokument der Geschichtswerkstatt Gröpelingen. Außerdem eine undatierte Rede von René Thirion (siehe Bild), ehem. belgischer Häftling des Lagers “Schützenhof”.

Quelle: u.a. Hans Hesse und Jens Schreiber “Vom Schlachthof nach Auschwitz”, Tectum Verlag Marburg 1999 S. 90/92

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