Ernst Grohne, Direktor des Focke-Museums

Das Bild zeigt das Haus Riensberg (Focke-Museum)
1. April 1933
Fockemuseum, Bremen
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In seinen Aufzeichnungen unterstreicht der damalige Direktor des Focke-Museums Ernst Grohne die Seltenheit von systematischen archäologischen Grabungen in Bremen: „ein vor- und frühgeschichtliches Fundmaterial von unermesslichem Umfang und kaum abzuschätzendem wissenschaftlichen Wert ist so durch Achtlosigkeit verloren gegangen“, schreibt er.

Im Jahr 1939 beendete eine Ausgrabungsgruppe ihre Arbeit in Bremen Mahndorf und brachte viele Objekte ins Museum. Unter den Nazis drohten archäologische Fundstücke jedoch zu Propagandazwecken missbraucht zu werden, für den Ursprungsmythos der nordisch-germanischen Rasse, als Beleg für ihre frühe Hochkultur und Überlegenheit. Viele Archäologen jener Zeit interpretierten historische Funde im Sinne des politisch Erwünschten, nur wenige pochten auf die Einhaltung wissenschaftlicher Neutralität und politischer Unabhängigkeit.

Doch welche Rolle spielte Ernst Grohne damals unter den Nazis? Welche Bedeutung hatten die Mahndorfer Funde für die politische Propaganda der NS-Machthaber? Fragen, die bislang nicht untersucht wurden. Fest steht nur, dass er 1933 zum Bodendenkmalpfleger für Bremen ernannt wurde und seine Ausgrabungen handschriftlich, fotografisch, zeichnerisch sowie in zahlreichen Presseartikeln und Publikationen der NS-Zeit dokumentierte.

Unklar ist, ob der Museumsdirektor ihre Ideologie unterstützte oder ob er ein um Neutralität bemühter Wissenschaftler war, dem kaum etwas wichtiger war, als bedeutende Zeugnisse der Geschichte zu bergen und zu bewahren. Uta Halle und ihr wissenschaftlicher Mitarbeiter Dirk Mahsarski gehen dieser Frage in einem Forschungsprojekt nach. Dafür sollen bisher nicht ausgewertete Unterlagen Grohnes und weitere Zeitdokumente gesichtet sowie eventuell noch lebende Zeitzeugen befragt werden. Das Projekt soll rund drei Jahre dauern.

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