Hans Helwes bewirbt sich als Polizeichef in Bremen

Hans Helwes
1. Juni 1940
Lürmannstr. 32, Schwachhausen-Bremen
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Hans Helwes wurde am 12.1.1898 in Wunstorf/Kreis Neustadt geboren und verstarb am 30.5.1984 in Bremen. Er war verheiratet und hatte drei Kinder. Mit seiner Familie lebte er u.a. in der Lürmanstr. 32 in Bremen-Schwachhausen.

Im April 1925 wurde Helwes bei der Schutzpolizei in Bremen eingestellt. Am 1. Mai 1937 trat er in die NSDAP ein. Kurz danach wurde er zum Major der Schutzpolizei befördert. Von Juni 1940 bis Mai 1944 war er Kommandeur des Bremer Polizeibataillons 105, das u. a. in Norwegen, in der Sowjetunion und in den Niederlanden eingesetzt wurde. Nach seiner Ablösung als Kommandeur und Beförderung zum Oberstleutant war Helwes auch noch in Ungarn als Kommandeur des SS-Polizeiregiments I tätig.
In Litauen, Estland und Lettland war seine Einheit, das Polizeibataillon 105, u. a. bei der Partisanenbekämpfung eingesetzt. In den Niederlanden beteiligte sich Helwes Einheit an Razzien gegen die jüdische Bevölkerung und als Bewachungspersonal bei den Deportationszügen vom Durchgangslager Westerbork zu den Vernichtungslagern in Ost-Europa.

Auf Grund einer Anzeige von Hans Hespe, einem ehem. Angehörigen des Polizeibataillons 105, wird Helwes im September 1945 verhaftet und im früheren KZ Dachau interniert. Von dort wird er 1947 von den Amerikanern in die Niederlande überstellt. Die niederländische Justiz konnte jedoch keine belastenden Beweise gegen Helwes vorlegen. Aus dem niederländischen Lager Vught, ebenfalls ein ehemaliges KZ, wurde er Juni 1947 zurück nach Dachau geschickt.

Im Entnazifizierungsverfahren wird Helwes lediglich als Mitläufer eingestuft. Daraufhin beantragt er Mai 1948 die Wiedereinstellung als Polizist im öffentlichen Dienst. 1950 bewirbt sich Helwes sogar für die Stelle des Polizeipräsidenten in Bremen. Er kommt sogar in die engere Auswahl, aber der Senat entscheidet sich für den ehem. Wehrmachts-Generalstab Erich von Bock und Pollach aus Hamburg.

Gegen Hans Helwes u. a. im Polizeibataillon 105 ermittelte die Staatsanwaltschaft Bremen von 1964 bis 1968 wegen Mordes (Nationalsozialistische Gewaltverbrechen). Das Verfahren wurde eingestellt (Staatsarchiv Bremen: 4,89/3-952).

Quelle: „Auswärts eingesetzt – Bremer Polizeibataillone und der Holocaust“ von Karl Schneider (ISBN 978-3-8375-0527-6), Klartext-Verlag

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