Sammelstelle für jüdische Bürger/innen zum Abtransport nach Minsk

19. November 1941
Leibnizplatz, Bremen-Neustadt
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Neben dem Zentaurenbrunnen (errichtet 1958) in den vorderen Neustadtswallanlagen befindet sich ein Gedenkstein, der daran erinnert, dass sich an diesem Ort im Herbst 1941 eine Sammelstelle für jüdische Männer, Frauen und Kinder, meist Bewohner/innen der Neustadt befunden hat. Von hier aus wurden sie nach Minsk in Weißrussland in Arbeits- und Vernichtungslager deportiert. Etwa 570 Menschen mit jüdischem Glauben wurden in der Zeit der Nazidiktatur aus Bremen nach Minsk verschleppt von denen nur wenige überlebt haben.
Fragt man sich, warum Minsk, stößt man auf folgende Hintergründe:
Am 22. Juni 1941 Überfiel die deutsche Wehrmacht die Sowjetunion, um “Lebensraum für das deutsche Volk” zu erobern und zugleich den “Bolschewismus und das Judentum”, wie es die Naziführer formulierten, “auszurotten”. Im Windschatten der vorrückenden deutschen Wehrmacht wurden durch die SA (Sturmabteilungen) und SS (Schutzstaffel) auf sowjetischem Boden hunderte Lager und Gefängnisse eingerichtet, um die Diktatur der deutschen Eroberer durchzusetzen. Offener Terror gegen die örtliche Bevölkerung und Massenerschiessungen waren an der Tagesordnung. Von besonderer Bedeutung in diesem Kontext ist der Vernichtungsort Malyj Trostenez, einem Vorort von Minsk. Ab Mai 1942 wurden hier auf Beschluss der Naziführer systematisch sowjetische Bürger/innen, zum Beispiel Partisanen, die sich gegen die deutschen Besatzer wehrten, ermordet. Ebenso wurden an diesem Ort die deportierten Juden in den Tod geführt. Spätestens zwei Tage nach Ankunft im Lager wurden sie im nahegelegenen Wald von Blagowschtschina erschossen und in Massengräbern verscharrt. Nach der Befreiung des Lagers durch die Rote Armee nahm im August 1945 die Außerordentliche Kommission zur Untersuchung nationalsozialistischer Verbrechen ihre Arbeit auf. In ihrer Dokumentation des Verbrechens kommt sie auf etwa 206.500 Opfer – vor allem belorussische, österreichische, deutsche und tschechische Juden, Zivilisten, Partisanen, Widerstandskämpfer und sowjetische Kriegsgefangene. Das Ausmaß der Verbrechen verweist darauf, dass der Vernichtungsort Malyj Trostenez mit Stätten des Holocaust wie Auschwitz, Maydanek und Treblinka vergleichbar ist.

Im Oktober 2017 konnten die Bremer Bürger/innen sich näher mit den aktuellen Forschungsergebnissen um Maliyj Trostenez vertraut machen. Unter dem Titel: “Vernichtungsort Malyj Trostenez. Geschichte und Erinnerung” wurde eine deutsch-belorussische Wanderausstellung in den Unteren Rathaushallen vorgestellt, die detailliert über die barbarischen Exzesse rund um Minsk berichtet. Der sorgfältig bearbeitete Katalog zur Ausstellung dokumentiert auch Einzelschicksale von Gefangenen. Hier zeigt sich die Grausamkeit des Terrors in besonders unmenschlicher Weise: Hemmungslose Unterdrückung und Gewalt, Nahrungsmittelentzug, Verweigerung wärmender Kleidung und ärztlicher Betreuung sowie Arbeitseinsätze bis zur absoluten Erschöpfung gehörten zum Repertoire der “Herrenmenschen” am Vernichtungsort Malyj Trostenez.

Am 09.08.2005 wurde die erste, recht verwitterte Gedenktafel durch eine würdigere Gedenktafel für die deportierten jüdischen Bürger/innen ersetzt. Bei der Gedenkfeier sprachen der Ortsamtsleiter, Herr Fischer, und Frau Elvira Noah vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde in Bremen. Auch diese Tafel war, wie die für die Opfer des Bombenangriffs auf den Bunker in den gleichen Grünanlagen, immer wieder Ziel von Zerstörung oder Diebstahl.

Von besonderer Bedeutung ist der Neustädter Leibnizplatz auch im Bezug auf den Widerstand gegen die Errichtung der Nazidiktatur. In unmittelbarer Nähe zum jetzigen Zentaurenbrunnen, trafen sich 1931/32 Mitglieder der “Antifaschistischen Kampfgemeinschaft” und des “Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold”, Kommunisten und Sozialdemokraten, um ein Eindringen der SA-Stürme in die Arbeiterquartiere auf der linken Weserseite zu verhindern.

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