Schule als Zwangsarbeiterlager

1. Januar 1941
Kantstr. 63, Bremen-Neustadt
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In der Grundschule an der Kantstraße wurden ab August 1941 Zwangsarbeiter untergebracht, die vom Senator für Bauwesen zum Bau von Bunkern eingesetzt wurden. Ab Januar 1943 waren es hauptsächlich belgische (flämische) und niederländische Männer, die in der Schule lebten. Das Lager wurde verwaltet von der DAF (Deutsche Arbeiter Front). Akten belegen jedoch, dass sie nicht nur für die Senatsverwaltung tätig waren, sondern auch bei privaten Firmen (siehe u.a. im Staatsarchiv die Akte STAB 4, 26/1-1351, 1395). Möglicherweise wurden in den ersten Jahren die Zwangsarbeiter parallel zum Unterricht im Gebäude untergebracht. Ab 1943 wurden die Kinder entweder an anderen Schulen unterrichtet oder sie lebten im Rahmen der Kinderlandverschickung in ländlichen Gegenden, meist weitab von Bremen im süddeutschen Raum. Manche Zwangsarbeiter, die im Lager Kantstraße lebten, sind während ihres Aufenthalts in Bremen gestorben, wobei die Todesumstände nicht verifiziert sind. Im Standesamt wurde z. B. am 28.08.1942 der Tod vom belgischen Staatsbürger Joseph de Beule aus Lokeren von einer Krankenschwester des nahen Roten Kreuz Krankenhaus angezeigt. Im gleichen Krankenhaus war de Beule gestorben. Als Todesursache hat die Krankenschwester eine “Pneumonie Kreislaufschwäche” genannt. Ob diese durch Unterernährung oder schwere körperliche Arbeit verursacht wurde, ist nicht bekannt. Bei Ignaz Kusniarak aus Polen, der im gleichen Lager untergebracht war, wird im Standesbucheintrag “Lungentuberkulose. Peritonitis” als Todesursache angegeben. Verstorben ist er am 13.02.1945, allerdings in der Straße Luisental 5 in Bremen-Horn, wahrscheinlich im Haus Reddersen , das zum Ende des Krieges als Lazarett für erkrankte Zwangs- und Fremdarbeiter diente.

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