Späte Gewissheit über das Schicksal der Löwenhardts

17. November 1941
Neckarstraße 98, Bremen
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1Die Familie Löwenhardt wohnte eine Zeitlang in der Neckarstraße 98 im Flüsseviertel in der Neustadt.

Dort gestalteten Schülerinnen und Schüler der Klassen 9.2. und 10.2. der Gesamtschule Mitte aus der Brokstraße, die die Patenschaft für die „Stolpersteine” der Familie Löwenhardt übernommen haben, bei der Gedächtnisfeier das Programm. Sie schilderten das Leben der jüdischen Familie, trugen Gedichte und Lieder vor und legten Blumen nieder.

Leo und Hildegard Löwenhardt heirateten 1933 und zogen in der Neustadt mehrmals um. 1934 wohnten sie in der Neckarstraße. Sie brauchten die größere Wohnung, denn 1934 kam der erste Sohn, Manfred, zur Welt. 1937 wurde Günter geboren. Im Jahr darauf erhielt die Familie die Kündigung von ihrem Vermieter – jüdische Mieter waren 1938 in Bremen unerwünscht. Die Familie musste deswegen noch mehrmals umziehen und blieb nie länger als ein halbes Jahr an einem Ort. Ihre letzte Bremer Adresse war ein sogenanntes „Judenhaus”. Am 17. November 1941 wurden Leo und Hildegard Löwenhardt und ihre vier und sieben Jahre alten Söhne Günter und Manfred vom Bremer Hauptbahnhof aus gemeinsam mit 440 anderen Bremer Juden ins Minsker Ghetto deportiert. Vermutlich sind die zwei kleinen Kinder an Hunger und Kälte gestorben und die Eltern im Winter 1942 ermordet worden.

Auch Verwandte der vier Ermordeten, John Löwenhardt und seine Frau Tanja waren aus Den Haag angereist, um an der Gedächtnisfeier am 20.02.2011 teilzunehmen: „Meine Urgroßeltern, Levi und Pauline, hatten neun Kinder. Das dritte Kind hieß Max, von dem dieser Bremer Familienzweig stammte, das achte Kind, Adolf, war mein Großvater”, sagte der 63-Jährige. Auf einem Zettel hatte John Löwenhardt vor 25 Jahren die Namen seines Bremer Familienzweiges notiert. Bis auf die Tatsache, dass sie deportiert worden waren, wusste er nichts über das Schicksal seiner Angehörigen.

Dank der Schülerinnen und Schüler, die in ihrem Unterricht in mühevoller Detailarbeit die Lebens- und Wohnverhältnisse der Löwenhardts aufgearbeitet hatten, weiß John Löwenhardt nun endlich mehr.

Fußnoten

  1. WK, 24.02.2011 von S. Labatzke, Auszüge mit freundlicher Genehmigung der BreTagAG

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