Willi Meyer-Buer, kommunistischer Juwelier und Fraktionsvorsitzender in der Bürgerschaft

15. August 1944
Willi Meyer-Buer Weg 1, Bremen

Willi Meyer-Buer wurde am 30.04.1911 als Sohn eines Bergwerksbeamten in Gelsenkirchen-Buer geboren. Bis 1940 lebte er im Ruhrgebiet, wo er bereits früh in den Kommunistischen Jugendverband Deutschlands (KJVD) eintritt. Später tritt er außerdem in den Antifaschistischen Kampfbund und die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) ein. Am 19.10.1933 wird Meyer-Buer verhaftet. In einem Polizeivermerk vom 02.11.1933 heißt es „Bei den stattgefundenen Gegenüberstellungen wollte er keine Person kennen und leugnete alles ab. Um seine Genossen nicht zu verraten, hat er einen Fluchtversuch unternommen…“ Bei der erneuten Vernehmung springt Willi Meyer-Buer aus dem Fenster, bleibt acht Meter tiefer bewusstlos auf dem Gefängnishof liegen, erleidet schwere innere Verletzungen. Später wird er am 26.10.1934 vom Oberlandesgericht Hamm nach drei Verhandlungstagen wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu 2 Jahren 3 Monaten Zuchthaus verurteilt (siehe Auszug aus einem Prozessbericht). Bei dem 22-jährigen wurden Flugblätter mit der Überschrift „Wahrheit über den Reichstagsbrand“ gefunden.

Im Januar 1936 wurde er aus der Haft entlassen und bereits im März wegen fortgesetzter illegaler Tätigkeit erneut verhaftet. Es folgt Inhaftierung unter schwersten Bedingungen in das KZ Esterwegen, danach in das KZ Sachsenhausen.
Am 14.12.1936 wurde er zum 2. Mal wegen „Vorbereitung zum Hochverrat verurteilt, diesmal zu 4 Jahren 6 Monaten, die er im Zuchthaus Münster verbüßte. Nach seiner Entlassung am 24.09.1940 ging er nach Bremen und fand eine Anstellung als Leiter der Buchhaltungsabteilung der Uhren- und Schmuckwarenfirma Grüttert. Nach einem Jahr wurde er dort Prokurist.

Als das Firmengebäude August 1944 durch Bombentreffer in Brand geriet, wurde er unter Trümmern begraben, konnte aber sich, ein junges Mädchen und zwei Männer aus den Trümmern ins Freie bringen. Das Mädchen und ein Mann erlagen ihren Verletzungen, er selbst erlitt schwere Verbrennungen, eine Rippenfellentzündung und Kreislaufstörungen. Die sollte er im Ausweichkrankenhaus Bassum auskurieren.

Als Bassums durch englische Truppen besetzt wurde, verhandelte er mit deutschen Offizieren, die Brücke in Groß-Henstedt nicht zu die sprengen. Immerhin erreichte er, dass die Wehrmacht nicht auf englische Soldaten schoss. Unter dem Schutz der weißen Fahne überbrachte er dem englischen Kommandeur die entsprechende Zusicherung. Das Dorf Groß-Henstedt blieb unversehrt.

1946 wurde Meyer-Buer KPD-Fraktionsvorsitzender in der Bremischen Bürgerschaft, in der er sein Mandat bis 1959 ausübte. 1961 wird er als Einzelkandidat  zur Bundestagswahl antreten.

Bürgerschaftsdirektor August Hagedorn und Bürgerschaftsdirektor Wolfgang Müller (beide SPD) bezeichneten ihn als „sachlich und rührig in seinen politischen Aktionen“, als „Menschen anständiger Gesinnung und aufrechten Charakters“.

In der Hauptverhandlung 24.04.-20.05.1963 wird Meyer-Buer, der vom renomierten Anwalt Heinrich Hannover verteidigt wird, wegen „Verstoßes gegen das KPD-Verbot zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt. Richter und Schöffen hielten es nicht für erwiesen, dass er auf Weisung der illegalen KPD gehandelt oder ein stillschweigendes Einverständnis bestanden habe. Damit ist die Aberkennung sämtlicher Ansprüche auf Wiedergutmachung für 1933-1945 erlittene Zuchthaus- und KZ-Haft verbunden.

Am 13.07.1997 ist Willi Meyer-Buer, der sich inzwischen als Juwelier selbstständig gemacht hatte und ein eigenes Juweliergeschäft am Ostertorsteinweg hatte, in Bremen verstorben. 2014 wurde gegenüber vom Goethe Theater eine Straße nach ihm benannt.

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