Buchpräsentation „Juden in Sebaldsbrück“

Der Geschichtskreis Sebaldsbrück stellt am Sonntag, den 28. Oktober 2018, um 16:00 Uhr sein neues Buch vor. Es enthält auf ca. 120 Seiten Material zur Geschichte der ostjüdischen Gemeinde, zur Polenaktion (Abschiebung polnischer Juden) und zur Pogromnacht 1938 in Sebaldsbrück. Die Lesung mit Klezmermusik, Kurz-Film und anschließender Diskussion, bei Kaffee und Kuchen, findet im evangelischen Gemeindehaus, Christernstraße 6, in Bremen-Hemelingen statt. Der Eintritt ist frei.

Das Gemeindehaus ist mit der Buslinien 40/ 41 , Haltestelle Glockenstraße/Bahnhof Hemelingen, zu erreichen.

In Bremen gab es nach 1900 eine verstärkte Zuwanderung aus Osteuropa. Zahlreiche  jüdische Familien ließen sich in Hastedt und Sebaldsbrück nieder. Viele Männer handelten mit Altmaterialen oder Säcken, Frauen oft mit Wäscheartikeln.

Vermutlich noch vor 1910 wurde eine kleine orthodox ausgerichtete jüdische Gemeinde gegründet. Das Bethaus dieser Gemeinde befand sich im Haus  Sebaldsbrücker Heerstraße 55.

Im Rahmen der Polenaktion waren Juden polnischer Staatsangehörigkeit Opfer der ersten Deportationsaktion. In Bremen wurden die Betroffenen in der Nacht vom 27./28. Oktober 1938 verhaftet und zum Bahnhof gebracht. Mit Mundvorrat für zwei Tage, etwas Geld und Handgepäck ging es zur deutsch-polnischen Grenze. Über die Bremer Aktion heißt es: „ Die Juden sind am 29. Oktober 1938 bei Fraustadt auf polnisches Gebiet überstellt worden.“ Die offizielle Abschiebeliste weist die Namen von 80 Personen auf. Der Vorsteher der Israelitischen Gemeinde Bremen ging nach dem Kriege von etwa 200 Personen aus, da er vermutlich nicht-registrierte Familienangehörige einbezog.

Am 7. November 1938 verübte in Paris ein 17 Jahre alter, in Deutschland aufgewachsener Jude polnischer Staatsangehörigkeit in der Botschaft des Deutschen Reiches ein Attentat. Dabei wurde ein Botschaftsbeamter verletzt. Er starb am 9. November 1938. Die Eltern des 17 jährigen waren aus Hannover im Rahmen der Polenaktion abgeschoben worden.

Diese Tat schien den Nationalsozialisten wie gerufen gekommen zu sein. Noch in der Nacht vom 9./10. November 1938 wurde in Bremen befohlen: „Sämtliche jüdischen Geschäfte sind sofort von SA-Männern in Uniform zu zerstören. Jüdische Synagogen sind sofort in Brand zu stecken.“ Auch das Bethaus in der Sebaldsbrücker Heerstraße 55 wurde überfallen. Der Hemelinger Anzeiger berichtet hierüber triumphierend in seiner Ausgabe vom 11.11.1938: „Die dreckige Juden-Synagoge in Sebaldsbrück war sehr schnell das Zentrum der Bevölkerung. Der Stall wurde erst einmal ausgemistet und die `Betstühle´ auf den richtigen Platz, nämlich auf den Scheiterhaufen verwiesen.“

 

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