Verfolgung der Sinti und Roma

Das Bild zeigt die Gedenktafel beim Kulturzentrum Schlachthof
16. Dezember 1942
Findorffstraße 51, Bremen
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Im August 1933 trat ein Gesetz für Bremen in Kraft, das laut damaligem Polizeisenator Theodor Laue dazu führte, „Zigeuner und Landfahrer, die für die bremische Bevölkerung oft eine starke Belästigung bedeuteten und Anlass zu vielfachen Klagen gaben, aus dem bremerischen Stadtgebiet durchweg zu entfernen oder fernzuhalten.“ Ihnen wurde durch das Gesetz die Niederlassung praktisch unmöglich gemacht.
Bezeichnenderweise wurden in den rassistisch geprägten Gesetzen Zigeuner (die damals und auch heute noch gängige Bezeichnung für Sinti und Roma) mit Landfahrern und „arbeitsscheuen Elementen“ über einen Kamm geschoren.
Das Gesetz bereitete außerdem den Genozid an den Sinti und Roma1 während des NS-Regimes vor. Ihre Rassenideologen sprachen von vererbbaren „angeborenem Schwachsinn“, „hochgradiger Minderwertigkeit, Asozialität, mangelnder Gemeinschaftsfähigkeit oder Analphabetentum“.

Auf Anfrage des Bremer Bürgermeisters Johann Heinrich Böhmcker erklärte die Kripoleitstelle im Juni 1938, dass „in der Stadt Bremen 116 Asoziale bzw. Arbeitsscheue und 13 Juden festgenommen wurden“. Bei der Kriminalpolizei in Bremen wird bereits Ende der dreißiger Jahre ein sog. Zigeunerdezernat unter der Leitung von Franz Gails eingerichtet. Letzterer ist wahrscheinlich auch verantwortlich für die ersten Deportationen von Sinti und Roma in Mai 1940.

Mit Himmlers „Auschwitz-Erlass“ vom 16. Dezember 1942 begann die Endphase des Völkermordes an den Sinti und Roma. Allein im Bereich der Bremer Kripoleitstelle wurden mindestens 275 Sinti und Roma verhaftet. Die Sammelstelle für den Abtransport der Sinti und Roma wurde auf dem Areal des damaligen Schlachthofs, direkt hinter dem Bahnhof gelegen, eingerichtet. Der erste Transport nach Auschwitz verließ Bremen am 9. März 1943. Von dort werden sie nach Auschwitz, Birkenau und Minsk transportiert, wo die meisten von ihnen umgebracht wurden. Ihre genaue Zahl ist nicht bekannt, Schätzungen gehen von mehr als 300 Personen allein aus Bremen aus. Andere, die  nicht deportiert wurden, wurden jedoch auf Grund des sog. „Auschwitz-Erlasses“ Himmlers, zwangssterilisiert. Über 8 Fälle sind jedoch in Bremen aktenkundig.

Am jetzigen Kulturzentrum Schlachthof erinnert eine von Arbeitern der Bremer Stahlwerke erstellte Gedenkplatte an die Deportationen (siehe Bild). Mehr Infos2.

Fußnoten

  1. Bremer Sinti-Verein, Thedinghauserstr. 105, 28195 Bremen, Tel.: 0421-541014
  2. Manfred Bannow per mail: m.bannow@t-online.de zu erreichen – bei ihm gibt es auch eine Broschüre „Bruder Sinti, Schwester Roma“

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