Das jüdische Altersheim in der Reichspogromnacht

Das Bild zeigt ein ehemaliges juedisches Altenheim
ehemaliges-juedisches-Altenheim
Das Bild zeigt eine Gedenktafel an der Gröpelinger Heerstraße auf dem steht dieses haus war von 1932 bis 1942 ein jüdisches Altersheim.In der Reichskristallnacht vom 9 zum 10 November 1938 überfiel Bremer SA das Haus, mißhandelte die hier lebenden alten Menschen und trieb sie auf die Straße.Viele von ihnen endeten stäter, wie andere jüdische Mitbürger, in den Konzentrationslagern der Nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Sie sollen nicht vergessen sein.
Gedenktafel
9. November 1938
Gröpelinger Heerstraße (Ecke Morgenlandstraße) 9/10, Bremen

Am 5. Juli 1925 wurde von der Israelitischen Gemeinde in einer freistehenden Villa in Gröpelingen ein eigenes Altersheim eingerichtet. Initiativnehmer war Dr. Leopold Rosenak, der erste Rabbiner der Gemeinde, sowie Jacob Meyer und Auguste Michel. Letztere wurde die erste Vorsitzende der Administration und übte diese Funktion bis zu ihrer Emigration in September 1941 aus. Im Heim waren bis 1935 durchschnittlich 18-20 Personen untergebracht. Auf Grund des steigenden Bedarfs an Altenpflegeplätze wurde in der benachbarten Stadtvilla in der Buxtehuder Str. 9 ein zusätzliches Heim eingerichtet.

In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938, die Reichspogromnacht, wüteten in Gröpelingen Bremer SA-Leute im jüdischen Altersheim: Inventar wurde zerschlagen, alte Menschen wurden misshandelt, beraubt und von SA-Leuten aus dem Haus getrieben. Die Heimbewohner wurden von der SA auf Lastwagen ins KZ Mißler in Findorff gebracht und dort interniert. Trotz alledem konnte das Heim weitergeführt werden. Nach der Emigration von Auguste Michel übernahm Carl Katz, der Leiter der „Reichsvereinigung der Juden“ in Bremen, die Leitung des Hauses.
Während die älteren Bewohner*innen am 18. November 1941 von der Deportation ins Ghetto von Minsk verschont blieben, mussten 4 jüngere jüdische Bewohner*innen, die inzwischen gezwungenermaßen in das Heim eingezogen waren, diese Reise antreten.
Am 23. Juli 1942 wurde das Altersheim gewaltsam aufgelöst und die 66 verbliebenen Bewohner*innen plus vier Hausangestellten nach Theresienstadt deportiert. Bis dahin war das jüdische Altersheim im Besitz der Israelitischen Gemeinde geblieben. Danach wurde in dem Haus an der Gröpelinger Heerstraße das 18. Polizeirevier eingerichtet, während die Deschimag das Haus an der Buxtehuderstraße anmietete.
1946 erhielt die Israelitische Gemeinde von der US-Administration beide Grundstücke mit den Häusern zurück. bezogen jüdische Mitbürger erneut ihr ehemaliges Altersheim. Mit Spenden konnten die inzwischen heruntergekommenen Gebäude notdürftig repariert werden, so dass Dezember 1946 erste Überlebenden aus Theresienstadt, sowie vertriebene osteuropäische Juden wieder in das Haus an der Buxtehuderstraße einziehen konnten. 1964 kaufte die Stadtgemeinde das Areal und richtete im Gebäude an der Gröpelinger Heer Straße abermals das 18. Polizeirevier ein.

Quelle: „Stolpersteine in Bremen – Biografische Spurensuche Findorff/Walle/Gröpelingen“, Peter Christoffersen/Barbara Johr (Hrsg.)

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Diese Seite wurde zuletzt am 25. Januar 2021 geändert

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