Zwangsarbeiter/innen als Schaffner der BSAG

1. August 1941
Neuenlanderstraße 26, Bremen

Die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) beschäftigte während des Krieges, weil das eigene Personal zum Militär eingezogen war, hunderte von Zwangsarbeitern/innen aus unterschiedlichen europäischen Ländern, die von den Nazis besetzt worden waren. Nach der Besetzung der Sowjet Union wurden ab 1941 beispielsweise ukrainische Frauen gezwungen in Bremen zu arbeiten, wo sie von der BSAG für die Reinigung der Straßenbahnen oder als Hilfsarbeiterinnen in den Werkstätten eingesetzt wurden. Ab September/Oktober 1942 wurden außerdem Zwangsarbeiter/innen aus den Niederlanden, später auch aus Flandern/Belgien und Frankreich als Schaffnerinnen und Fahrer beschäftigt. Sie wurden untergebracht in einem Lager auf dem Firmengelände an der Neuenlanderstraße. Die niederländischen Frauen sollen jedoch in einem anderen, „Lotte“ genannten, Lager auf dem Hohwisch untergebracht gewesen worden sein.

Zu den Niederländern, die bei der BSAG beschäftigt waren, gehörte Herr Arie Wezemer aus Rotterdam. Er arbeitete bis 1942 in seiner Heimatstadt Rotterdam bei der „Rotterdamse Electrische Tram Maatschappij“ (Rotterdamer Elektrische Straßenbahn Gesellschaft). Nachdem mehrere Straßenbahnzüge dieser Gesellschaft von den deutschen Besatzungstruppen in Beschlag genommen waren, hat man diese nach Bremen verfrachtet. Offensichtlich hat man dann auch das für diese Züge zuständige Personal, wie Herrn Wezemer, gezwungen mit nach Bremen zu gehen, denn neben Wezemer trafen auch weitere Männer aus Rotterdam in Bremen an. Wezemer war vom 14.7.1942 bis April 1945 u. a. auf den Linien 2 als Fahrer und auf den Linien 3 und 10 als Schaffner tätig. Er wurde mit vielen anderen in das BSAG-Lager an der Neuenlanderstraße untergebracht. Nachdem dieses Lager in der Neustadt ausgebombt wurde, wurden die Zwangsarbeiter in das Lager Klemm der Bremer Straßenbahn an der Waller Heer Straße 300 gebracht.
An der Neuenlanderstraße gab es außerdem noch ein zweites Lager für Beschäftigte der BSAG. Dieses war in der Jahnhalle (Turnhalle) der Freien Turnerschaft untergebracht und fasste 100-120 Zwangsarbeiter.

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