Vortrag »Von der Provinzialheilanstalt zum Krankenmord: Obrawalde 1902-1945«

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Am Donnerstag, 7. Juli 2022, 18:00 Uhr
Im Krankenhaus-Museum, Klinikum Bremen-Ost, Züricher Straße 4
Vortrag von Wolfgang Kessler im Krankenhaus-Museum
Der Eintritt beträgt € 5,00 /2,50 (erm.).

Die 1904 errichtete Heil- und Pflegeanstalt Meseritz-Obrawalde war zwischen 1942 bis 1945 die vermutlich berüchtigtste Mordanstalt der dezentralen „Euthanasie“-Verbrechen während des Nationalsozialismus. Hier ermordeten Ärzte und das Pflegepersonal systematisch tausende psychisch Kranke. Auch die meisten Bremer Opfer der „Euthanasie“ wurden dort ermordet. Am Donnerstag, den 7. Juli berichtet Wolfgang Kessler im Krankenhaus-Museum über die Geschichte der „Provinzial-Irrenanstalt Obrawalde bei Meseritz“. Der Vortrag umreißt die Entwicklung von der 1904 modernen Krankenanstalt zum Vernichtungsinstitut im Kontext der Geschichte der Stadt Meseritz, in die das Klinikgebiet 1928 im Zuge der Kommunalreform eingemeindet worden ist, und skizziert die Bedeutung Obrawaldes als deutscher und als polnischer Gedenkort.

„Die Provinzial-Irrenanstalt Obrawalde bei Meseritz […] war vermutlich die berüchtigtste Mordanstalt der »wilden« Euthanasie […]. Im November 1941 ernannte Gauleiter Franz Schwede-Coburg Walter Grabowski zum Verwaltungsdirektor von Meseritz-Obrawalde, und dieser organisierte in der Folgezeit die Morde. Aus mindestens 26 deutschen Städten trafen, meist mitten in der Nacht, Transporte mit behinderten Patienten ein. Das Personal selektierte »arbeitsunfähige oder arbeitsunwillige« Patienten, die ganze Prozedur war jedoch willkürlich, denn dazu zählten auch solche, »die den Pflegern Arbeit machten, taubstumm, krank, widersetzlich, undiszipliniert waren oder sonst einfach nur unangenehm auffielen«, sowie jene, »die geflohen und wieder eingefangen waren, oder […] die ein unerwünschtes Liebesverhältnis unterhielten«“, charakterisiert Henry Friedländer (Der Weg zum NS-Genozid, 1997) die in Obrawalde 1941 bis 1945 begangenen Verbrechen.

Dr. Wolfgang Kessler (Viersen), Studium der Osteuropäischen Geschichte und Slawistik. Nach Magisterprüfung an der Ruhr-Universität Bochum (1973) und Promotion an der Universität Düsseldorf (1978) wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Universitäten Köln, Düsseldorf und Marburg (Arbeitsschwerpunkte: Geschichte Kroatiens, Regionalgeschichte Polens), 1989 bis 2011 Direktor der Stiftung Martin-Opitz-Bibliothek (Herne). Seit 2015 Dokumentationsprojekte und wissenschaftliche Beratung insbesondere zur Zusammenarbeit mit den heute im Kreis Międzyrzecz aktiven „Regionalist(inn)en“ für den Heimatkreis Meseritz.

Eine gemeinsame Veranstaltung der KulturAmbulanz und des Vereins „Erinnern für die Zukunft e.V.“.

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