Mit dem Fahrrad durch Bremen Nord

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Tagesrundgang durch Bremen Nord – vielleicht besser per Fahrrad

ARüstungsprojekt Bunker Valentin

Der Bunker Valentin in Bremen-Farge ist eine U-Boot-Werft, ein in Beton gegossener Bunker von enormen Ausmaßen, geplant ab 1942, gebaut ab ’43, aber nie komplett fertig gestellt. Ein Rüstungsprojekt des nationalsozialistischen Deutschlands, aus dem nie ein U-Boot herausgefahren ist. Trotz der enormen Ausmaßen des Bunkers, war er doch nur  ein Teil der Rüstungslandschaft in Bremen-Nord.
1943 bis 1945 arbeiteten tausende Menschen aus ganz Europa am Bunker von denen die meisten zu dieser Arbeit gezwungen wurden. Sie waren Kriegsgefangene, Zivilarbeiter, Häftlinge aus Konzentrations- und Arbeitserziehungslagern. Viele von ihnen starben beim Bau an Unterernährung und Krankheiten, an Überarbeitung und durch willkürliche Tötungen.

Am 11.2.2014 wurde von der ARD folgende sehr informative Dokumentation zum Bunker Valentin gesendet:
Geheimnisvolle Orte (2) – Hitlers U-Boot-Bunker (anklicken)

Weiter wurde folgendes Video freundlicherweise vom Landesfilmarchiv, Bremen, zur Verfügung gestellt.

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Wie oben schon beschrieben, war der Bunker nur eins von mehreren Projekten in der Rüstungslandschaft von Farge und Neukirchen. Bereits ab 1935 wurden in der Heidelandschaft gegenüber vom Bunker große Rüstungsprojekte von der Luftwaffe, Marine und Wehrmacht durchgeführt, die hauptsächlich dem Bau von Treibstofflagern betrafen. Zu diesem Zweck wurden auf dem Gelände schon damals Lager für Zwangsarbeiter, Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen gebaut. Siehe dazu die Baracke Wilhelmine und Baracke 27.

Der Bunker Valentin ist inzwischen ein Ort der Erinnerung an den Krieg und an die Verbrechen des Nationalsozialismus. Der Bunker ist für Besucher/innen zugänglich, Führungen werden regelmäßig angeboten. November 2015 wird in Farge unter den Namen Denkort Bunker Valentin eine Dokumentations- und Informationszentrum eingerichtet.

BKZ Farge

Im Oktober 1943 wurden 3.000 polnische, französische und sowjetische Häftlinge aus unterschiedlichen Lagern ins neue KZ Farge verlegt. Dort sollte der U-Boot-Bunker „Valentin” entstehen. Für den Bau wurden insgesamt etwa 13.000 Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge in die Nähe Farges deportiert, von denen die meisten außerhalb Bremens gefangen gehalten wurden.

Bericht über den Besuch der Baracke Wilhelmine Schwanewede

Die Lager lagen etwa drei bis vier Kilometer von der Baustelle entfernt und bestanden unter anderem aus einem unterirdischen Treibstoffbunker mit provisorischem Dach und einigen Baracken. Lagerleiter des KZ Farge war der Hauptsturmführer der Reserve der Waffen-SS, Ulrich Wahl.

Die Bewachung der Lager und der Bunkerbaustelle erfolgte durch 600 Marinesoldaten aus dem Marinegemeinschaftslager I. Insgesamt befanden sich sieben Lager in dem Heidegebiet zwischen Farge und Schwanewede. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen waren sehr schlecht, und mindestens 553 der Insassen kamen ums Leben. Während der Bauarbeiten am Bunker starben insgesamt vermutlich bis zu 2.000 Menschen.

Nachdem die Lager Bahrsplate und Schützenhof geräumt und ihre Gefangenen ins Lager Farge verlegt worden waren, befanden sich dort zeitweise über 5.000 Personen. Am 10. April 1945 wurde auch das Lager Farge geräumt. Die gesundheitlich angeschlagenen Häftlinge wurden mit einem Zug zu einem Lager in Sandbostel transportiert, die anderen mussten dorthin marschieren. Eine letzte Gruppe brachte man mit dem Zug zurück ins KZ Neuengamme.

Dieses Video erinnert an die Bremer KZ

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CKZ Außenlager Bahrsplate

Am Rönnebecker Hafen in Blumenthal liegt die Bahrsplate. Der herrlichen Grünanlage sieht man nicht an, dass hier im Zweiten Weltkrieg ein KZ-Außenlager von Neuengamme eingerichtet wurde. Das Außenlager Blumenthal bestand von August 1944 bis zum Todesmarsch April 1945. Es war umgeben von doppeltem Stacheldrahtzaun und besaß einen Appellplatz, acht Baracken als Unterkünfte der Häftlinge, eine Schreibstube, ein Krankenrevier, eine Küche, ein Sanitärgebäude und eine Kleiderkammer. Ca. 1.000 KZ-Häftlinge mussten für die Deschimag/A.G.Weser in in Metallwerkstätten des sog. Hochbaus auf dem Gelände der Bremer Wollkämmerei arbeiten. Ein zweites Arbeitskommando würde bis zum 24.12.1944 täglich per Schiff zur Stammwerft in Bremen-Gröpelingen gebracht. Möglicherweise gab es weitere Arbeitseinsätze beim Bau der U-Boot Werft “Valentin“. Die größten Häftlingsgruppen stellten die Belgier, Franzosen, Polen und  Sowjets; zeitweise gab es außerdem einen gesonderten Juden-Block. Die Wachmannschaften bestanden aus frontuntauglichen Marinesoldaten.
Französische Häftlinge gelang in mühevoller Nachtarbeit der Bau eines Tunnels von der längs der Weser gelegenen Baracke 7 unter dem doppelten Stacheldrahtzaun hindurch. Da der Tunnel jedoch ungenügend abgestützt war, brach er unter dem Gewicht eines Fahrzeugs zusammen.
Am Rande des Ortes Blumenthal gelegen, konnte das Lager von Anwohnern eingesehen werden. Als am 29. Oktober 1944 zwei Polen auf dem Appellplatz gehenkt wurden, wurden neben  den angetretenen Häftlinge und Wachmannschaften auch viele Blumenthaler Zeugen der Hinrichtung.

Heute erinnern die Gedenkstätte “Rosen für die Opfer” und die  Skulptur “Stein der Hoffnung” an das ehemalige Lager. Bisher sind die Namen von 128 Häftlingen bekannt und in den Steinen eingraviert, die an Krankheit, Hunger , Misshandlungen und Vernachlässigung zugrunde gegangen sind.  Die Gedenkstätte und die Skulptur gehen zurück auf die Initiativen des  antifaschistischen Arbeitskreises bzw. der Internationalen Friedensschule des Gustav-Heinemann-Bürgerhauses in Vegesack. Der “Stein der Hoffnung” wurde von einer Klasse der Berufsschule an der Alwin Lonke Straße entworfen und errichtet.

DLuftangriff auf Vulkan Werft und Wollkämmerei

Am 18.März 1943 erfolgte der 108. Luftangriff1 auf Bremen. Der Fliegeralarm wurde um 15.00 Uhr ausgelöst, gegen 15.20 Uhr flogen etwa 30 US-Bomber aus nördlicher Richtung die Stadt an. Der Angriff richtete sich gegen die Vulkan-Werft in Vegesack und die Wollkämmerei in Blumenthal. Es wurden 133 Sprengbomben abgeworfen, fast sämtlich in der Größe á 1100 lbs, das entsprach 498,95 kg. Die Wirkung des Angriffes war erheblich, gemeldet wurden 129 Tote, 35 Schwer- und 31 Leichtverletzte . Entwarnung war um 16.12 Uhr.

Fußnoten

  1. Quelle: Fritz Peters, Zwölf Jahre Bremen 1933 – 1945

EKlaas Touber

Klaas Touber wurde am 27.7.1922 in Amsterdam geboren und starb am 23.01.2011 in Almere. Er war verheiratet mit Dirkje Touber-geb. van der Tweel und  hatte zwei Kinder.

Anfang 1943 wurde Klaas Touber als 20-Jähriger zwangsweise von den Nazis, die sein Land besetzt hatten, zum Arbeiten nach Deutschland verschleppt. In Bremen wurde er als Zwangsarbeiter auf der Vulkan Werft in Bremen-Vegesack beschäftigt. Neben der ständigen Angst vor Repressalien litt er auch unter den dauernden Bombardements auf der Werft. Im März 1943 gab es z. B. bei einem Luftangriff in Vegesack hunderte von Toten.

Später wurde Klaas Touber als Bestrafung für eine tätlichen Streit mit einem deutschen Vorarbeiter ins Arbeits- und Erziehungslager (AEL) Farge gesteckt. Sein niederländischer Freund, der ihm während der Schlägerei geholfen hatte, kam gleich ins KZ Neuengamme und wurde dort ermordet.

Im AEL wurde Touber als Schutzgefangener beim Bau des U-Boot Bunkers Valentin eingesetzt. Die Zeit im AEL Farge hat ihn sein ganzes Leben belastet und erzeugte bei ihm einen tiefen Hass auf die Deutschen insgesamt.

In der Therapiegruppe vom niederländischen Psychiater Dr. Keilson, selbst ein rassisch Verfolgter des Nazi Regimes, dessen Familie aus Deutschland in die Niederlande geflüchtet war, lernte Klaas, dass Versöhnung notwendig ist. Er bekam Kontakt zum Gustav-Heinemann Bürgerhaus in Vegesack, sprach dort öffentlich über seine Erlebnisse als Zwangsarbeiter und als einer der letzten Überlebenden des AEL Farge.

Gemeinsam mit André Migdal und Raymond Portefaix, zwei ehem. französische Gefangene des KZ Farge (Außenlager vom KZ Neuengamme) schrieb Klaas Touber das Buch “Hortensien in Farge”, in dem er eine Hortensie, die Mitten in diesem Ort der Gewalt und Elend blüht, als Hoffnung auf eine bessere Zukunft beschreibt.
Klaas Touber ist Träger des Bremer Friedenspreises, er verstarb am 23.1.2011 an seinem Wohnort Almere in der Nähe von Amsterdam. Kurz vor seinem Tod hat er ein ausführliches Interview gegeben, das auf Film festgehalten worden ist. Der Film soll der Öffentlichkeit im Rahmen der Realisierung des Projekts “Bunker Valentin” durch die Landeszentrale für politische Bildung, Bremen, vorgestellt werden.

FLeo Drabent, Werftarbeiter im Widerstand

1Der am 15.06.1899 in Blumenthal geborene Leo Drabent war gelernter Schlosser. Er wurde im ersten Weltkrieg zum Militär eingezogen und kehrte schwer verwundet von der Kriegsfront zurück. Bereits 1917 agitierte er gegen den Krieg, in dem er Antikriegslosungen an Mauern und Zäune malte.

1923 trat Leo Drabent der KPD bei und wurde politischer Leiter des Unterbezirks Bremen. In Wahlversammlungen der NSDAP entlarvte er deren arbeiterfeindliche Politik.  200 SA-Männer wurden eingesetzt, um ihn im Mai 1933 festzunehmen. In den Lagern Brandenburg und Oranienburg sowie in dessen Außenlager auf Gut Elisenau wurde er gefoltert. Nach seiner Entlassung arbeitete er auf der AG Weser Werft, wo eine starke Betriebsgruppe der KPD unter seiner politischen Leitung stand. Im Juli 1936 wurde Drabent erneut verhaftet und zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach seiner Entlassung aus dem Zuchthaus organisierte er mit seinem besten Freund Hans Neumann aus Blumenthal ein Netz von 3er- und 5er-Gruppen, die in Verbindung standen mit den Hamburger Widerstandsgruppen um Bernhard Bästlein, Franz Jacob und Robert Abshagen.  Mit Flugblättern riefen sie die Arbeiterklasse  zur raschen Kriegsbeendigung auf.

Am 29.03.1943 wurden Leo Drabent und Hans Neumann sowie neun weitere Genossen von der Gestapo verhaftet und am 13.10.1944 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt.  Die Urteilsbegründung lautete, Drabent, Neumann und ihre Genossen hätten die Widerstandskraft des deutschen Volkes durch kommunistische Propaganda zu zersetzen gesucht. Am frühen Morgen des 20.07.1944 wurden  Leo Drabent und Hans Neumann im Zuchthaus Brandenburg-Görden enthauptet.

Im Abschiedsbrief an seine Frau Marianne schreibt Leo Drabent: „……auch ich werde daher mutig, wie Du es von mir nur erwarten kannst, dem mir Bevorstehenden entgegensehen. Doch noch ist es nicht soweit, noch dürfen wir hoffen, denn heute geht alles in riesigem Tempo. Was heute noch nicht ist, kann morgen schon sein. Habe ich aber kein Glück, dann weiß ich, wofür ich sterbe. Deshalb: Kopf hoch.

Marianne Drabent war wie ihr Mann KPD Mitglied, wurde von den Nazis in Untersuchungshaft genommen und starb 1961. Vor dem Wohnhaus der beiden am Wilmannsberg 26 wurde ein Stolperstein gelegt. Außerdem hat der Beirat Blumenthal einstimmig beschlossen eine Brücke nach Leo Drabent zu benennen.  Diese wird direkt einmünden in die Robert Blum Straße, ein deutscher Revolutionär, der sich 1848 in Wien am Oktoberaufstand beteiligt hat und daraufhin hingerichtet wurde.

Fußnoten

  1. Zit n. W. Hundertmark und Gerd-Rolf Rosenberger; bearbeitet von Redaktionsgruppe SPURENSUCHE

GHJ-Gebietstreffen in Vegesack

Lühr Hogrefe organisierte Pfingsten 1933 in Bremen ein HJ-Gebietstreffen im SAJ-Heim in der Lindenstraße in Vegesack.
Auf seine Anordnung hin mussten daran alle gleichgeschalteten Jugendverbände teilnehmen.

Dieses Video wurde freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom Landesfilmarchiv, Bremen.

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HLudwig Baumann: einer der sich wehrte

Freunde brachten im Frühjahr 1942 den fahnenflüchtigen Matrosengefreiten Ludwig Baumann und seinen Freund Kurt Oldenburg zur französischen Demarkationslinie. Dort wurden sie von einer Zollstreife erwischt. Obwohl sie sich zuvor aus der Waffenkammer Pistolen besorgt hatten, wagten sie es nicht, sich freizuschießen. Baumann: „Wir konnten einfach keine Menschen töten!“ Beide wurden 30. Juni 1942 zum Tode durch Erschießen verurteilt. . .

Erst nach zehn Monaten, vor dem Abtransport ins berüchtigte Moorlager Esterwegen, wurde ihm mitgeteilt, dass ihn der Oberbefehlshalber der Kriegsmarine bereits nach sieben Wochen zu zwölf Jahren Zuchthaus begnadigt hatte.

Das Gustav Heinemann Bürgerhaus ehrte Ludwig Baumann und die vielen anderen Deserteure mit einem Denkmal. Mehr dazu: DIE ZEIT

Kontakt möglich über den Bremer Landesverband der Bundesvereinigung Opfer der NS Militärjustiz e.V.

IJuden in Bremen

Die jüdische Gemeinde in Bremen zählte anfangs 1933 1.438 Mitglieder und damit 0,2 % der städtischen Bevölkerung. Die Hauptsynagoge befand sich in der Kolpingstraße 6. Eine weitere kleinere, gut 100 Besucher fassende Synagoge stand im Ortsteil Aumund in der Kirchenstraße. Die Gemeinde besaß mit dem jüdischen Friedhof in der Hastedter Deichbruchstraße auch eine eigene Begräbnisstätte.

Wie im gesamten Deutschen Reich wurden die Juden auch hier diskriminiert und verfolgt. Wenige Wochen nach der Machtübernahme durch die NSDAP kam es bereits zu offenen Anfeindungen gegen die Juden, die am 1. April 1933 in einen von der SA organisierten und überwachten Boykott jüdischer Geschäfte gipfelten. Dieser wurde allerdings von den Bremern eher negativ aufgenommen und nicht eingehalten.

Katalog antijüdischer Maßnahmen in Bremen

JWiderstand eines Grohner Arbeitersportlers

Hermann Cornelius war als Arbeitersportler Gründer und Leiter des Arbeiter-Schachklubs in Grohn. Am 30. Januar 1933 wurde er verhaftet und bis Ende Mai 1933 im Gerichtsgefängnis Bremen-Lesum in „Schutzhaft“ gehalten und mehrfach verprügelt. Trotzdem setzte er seinen Widerstand danach fort.

Am 26. Oktober 1936 wurde er erneut verhaftet und am 16. März 1938 wegen Hochverrats zu 2 Jahren und 3 Monaten Zuchthaus verurteilt. Nach der Entlassung aus dem Zuchthaus Oslebshausen im Juni 1941 nahm Cornelius wieder Kontakt auf zu seinen Genossen und beteiligte sich am Widerstandsnetz der Werftarbeiter Leo Drabent und Hans Neumann und der Bästlein-Jacob-Abshagen-Gruppe.

Am 29. März 1943 erfolgte seine erneute Verhaftung. Am 13. Oktober 1944 „verurteilte“ ihn der Volksgerichtshof wegen Hochverrats zu drei Jahren Zuchthaus. Zur Haft wurde er diesmal ins Zuchthaus Celle verlegt, wo er am 25. Februar 1945 infolge der Misshandlungen durch die Gestapo starb.

Vor seinem letzten Wohnhaus in der Friedrich-Humbert-Straße in Bremen-Grohn wurde ein Stolperstein verlegt.

In einem Ausschnitt eines Video-Interviews mit dem USC Shoah Foundation Institute schildert der Zeitzeuge Willy Hundertmark den Eindruck, den er zur Funktion des Arbeitersports hatte:

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