Westliche Vorstadt

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AStephanigemeinde im Widerstand: Pastor Greiffenhagen

1Um die Stephanikirche zog sich das „krumme Viertel“ hin, ein ausgesprochener Arbeiterwohnbereich, der im 2. Weltkrieg weitgehend zerstört wurde. Die Stephanigemeinde hat unter Pastor Greiffenhagen Widerstand gegen den Faschismus geleistet.

Pastor Greiffenhagen war einer der wenigen Pastoren in Deutschland, die den Mut hatten, offen gegen die „Gleichschaltungspolitik“ aufzutreten. Als er im Juni 1934 vom Dienst suspendiert wurde, traten 15 Geistliche auf, die sich mit der Haltung von Pastor Greiffenhagen solidarisch erklärten.

Fußnoten

  1. Zit n. W. Hundertmark; bearbeitet von Redaktionsgruppe SPURENSUCHE

BBesetzung des Gewerkschaftshauses

1928 wurde vom Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund/Bremen das Volkshaus an der Nordstraße (jetzt Hans Böckler Straße) erbaut, das ein für die damalige Zeit sehr fortschrittliche Nutzungskonzeption besaß. Das Haus war nicht nur Treffpunkt und Verwaltungsgebäude für die Gewerkschafter/innen, sondern verfügte über ein Kasino (Essenausgabe), eine Bücherei, Wohnungen für Lehrlinge sowie sogar über ein eigenes Beerdigungsinstitut.
Der Bau wurde entworfen vom Architekten Richard Janßen. An der Backstein-Fassade des Gebäudes brachte der Künstler Bernhard Hoetger acht Plastiken mit dem Titel “Zyklus des Lebens unter dem Stigma der Arbeit” an, die die Unterdrückung der Arbeiter unter kapitalistischen Verwertungsbedingungen darstellten. Nach der Besetzung durch die Nazis in April 1933 wurden die Bilder auf Beschluss des Bremer Senats am 29.03.1933 abgenommen. Der von den Nazis eingesetzte Syndikus der Arbeiterkammer August Hogrefe hetzte gegen den Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund. Der ADGB wird in die Deutsche Arbeitsfront überführt und das Gewerkschaftsvermögen  beschlagnahmt. Das Volkshaus wird danach Sitz der Deutschen Arbeitsfront. August 1944 wurde es bei einem Fliegerangriff auf den Bremer Westen durch Bomben schwer beschädigt, später aber wieder aufgebaut.
In einem Ausschnitt eines Video-Interviews mit dem USC Shoah Foundation Institute schildert der Zeitzeuge Willy Hundertmark seine Erinnerung an die damalige Situation der Gewerkschaftsjugend.

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Nach 1945 zogen mehrere Behörde in das Gebäude ein, jetzt aber ist seit vielen Jahren im Volkshaus das Amt für Soziale Dienste Bremen untergebracht. Im der Eingangshalle des Hauses befindet sich ein großes Gemälde des Bremer Malers Rolf Wienbeck, das die Geschichte des Volkshauses eindringlich wiedergibt. 1979 Wurden 6 Nachgüsse der Figuren von Hoetger wieder am Gebäude angebracht.

 

1Am 18.04.1933 wird das Gewerkschaftshaus – genannt Volkshaus – in der Nordstraße von den Nazis besetzt. Emil Sommer, ehemaliger Bremer Senator, wird mit weiteren Arbeitnehmervertretern in “Schutzhaft” genommen und ins KZ-Mißler gebracht

Fußnoten

  1. Zit n. W. Hundertmark; bearbeitet von Redaktionsgruppe SPURENSUCHE

CHans Meier im Widerstand

Hans Meier entstammte einer Bremer Arbeiterfamilie. Sein Vater war  Maurer, seine Mutter Fabrikarbeiterin. Der Vater starb 1918 in einem Kriegslazarett, seine Mutter heiratete 1920 den Kommunisten und Binnenschiffer August Wittlake. Durch ihn bekam er Zugang zur Weltliteratur. Nach der Volksschule lernte er Maler und war u.a. bei der Atlaswerft in Bremen beschäftigt. 1931 trat er in die KPD ein. Er beteiligte sich ab Mai 1933 am Untergrundkampf gegen den Nationalsozialismus und wurde im November 1933 erstmalig verhaftet. Im Herbst 1936 flog seine Widerstandsgruppe auf und er wurde zusammen mit 8 anderen Kommunisten angeklagt. Von 1936 bis 1939 war er auf Grund seiner Widerstandarbeit gegen das nationalsozialistischen Regime einige Jahre im Gefängnis Ostertor. Dort stand ihm Bibliothek zur Verfügung, deren Buchbestand von den Nazis glücklicherweise nicht hinreichend zensiert war; er entdeckte seine Liebe zur Literatur. Im April 1939 wurde er aus der Haft entlassen, aber bis 1945 unter Polizeiaufsicht gestellt und wurde trotzdem zur Wehrmacht eingezogen. Noch vor dem Kriegsende nahm er seine politische Tätigkeit wieder auf und beteiligte sich an der Gründung der Kampfgemeinschaft gegen den Faschismus. Danach wurde er KPD-Ortsgruppenleiter in Habenhausen. Von 1956 bis 1960 arbeitete er auf  der AG-Weser, wurde dort Betriebsratsvorsitzender und IG Metall-Funktionär.

Nach der Befreiung (1945) wurde er Redakteur der von Willy Hundertmark geführten Tribüne der Demokratie (Tageszeitung der KPD in Bremen bis 1956) und von 1960 bis 1969 Redakteur der sozialistischen Wochenzeitung Neues Echo.

DBücherverbrennung auf dem Spielplatz Nordstraße

„Die Freiheit, seine Gedanken frei auszudrücken, ist für eine demokratische Gesellschaft ein unverzichtbares Gut. Die Verbrennung von verfemten Büchern durch die Nationalsozialisten muss uns heute daran erinnern, dieses Grundrecht gegen alle Widerstände zu verteidigen“, sagte Bürgermeister Jens Böhrnsen anlässlich des 75. Jahrestages der Bücherverbrennung in Bremen durch die Nationalsozialisten am 10. Mai 1933. Er erinnerte damit an die herausragende Bedeutung der Freiheit des Wortes als einen Grundpfeiler der Demokratie.

EProtestdemonstration gegen die Ermordung von Johann Lücke

1Anläßlich des am 1. März 1933 von SS-Leuten ermordeten (sozialdemokratischen) Reichsbannermannes Johann Lücke, fand  am 4. März, also einen Tag vor der Reichstagswahl, eine riesige Demonstration mit 30.000 Teilnehmern statt.

An dieser Demonstration, die von der Humboldtstraße bis zum Spielplatz der Grundschule an der Nordstraße führte, nahmen auch Kommunisten teil, obwohl viele Funktionäre bereits aufgrund der Verhaftungswelle nach dem „Reichstagsbrand“ eingekerkert waren.

Der Senator Klemann (SPD) veranlasste, dass sich die Polizei zwischen die Demonstrationsabschnitte von Sozialdemokraten und Kommunisten schob, um damit eine deutliche Trennung zwischen diesen beiden Strömungen sichtbar zu machen. Am 25. März 1933 wurde Klemann als einer der ersten führenden Sozialdemokraten von den Nazis in „Schutzhaft“ genommen.

Genau ein Jahr später, am 4.3.1934 führt das bereits illegal tätige Reichsbanner im Gedenken an der Ermordung von Johann Lücke eine Veranstaltung auf dem Waller Friedhof durch. Den ganzen Tag lang besuchten dort Einzelpersonen oder Gruppen das Grab von Lücke. Bereits am nächsten Tag startete die Gestapo eine Verhaftungswelle und nahm innerhalb von 3 Wochen ca. 40 Reichsbannermitglieder fest.

Fußnoten

  1. Zit n. W. Hundertmark; bearbeitet von Redaktionsgruppe SPURENSUCHE

FZwangsarbeiter in den Häfen

Im Getreidehafen am Fabrikenufer lag das Schiff „Admiral Brommy“1. Im letzten Weltkrieg lebten auf diesem Schiff 1080 Zwangsarbeiter unter unmenschlichsten Bedingungen.

Unweit dieses Schiffes standen am Ufer einige Baracken für Frauen. Im November 1944 befanden sich dort noch 33 Frauen.

Einige der Ulrich-Schuppen auf dem Fabrikenufer 9/10 dienten ebenfalls als Zwangsarbeiterlager. Dort befanden sich gegen Kriegsende noch 983 Zwangsarbeiter.

Außerdem gab es mehrere kleinere Lager. Wie z. B. an der Straße „Am Holzhafen“ etwa auf dem Grundstück, wo sich heute die Firma Wandel und Co befindet.

Gern weisen wir an dieser Stelle auf die zu diesem Thema zugehörigen Dokumente im Bremer Hafenmuseum hin.

Fußnoten

  1. Zit n. W. Hundertmark; bearbeitet von Redaktionsgruppe SPURENSUCHE

GImmanuel-Gemeinde gehörte der Bekennenden Kirche an

1Pastor Thiefenthal war der „Pastor des Bremer Westens“. 1932 folgte ihm Pastor Friedel Denkhaus nach, der die Gemeinde durch die Zeit von nationalsozialistischer Gewaltherrschaft und Krieg führte.

Während der Zeit des Nationalsozialismus gehörte die Immanuel-Gemeinde mit einigen wenigen Bremer Kirchengemeinden der Bekennenden Kirche an. Die Bekennende Kirche war 1933 aus der Opposition von Teilen der evangelischen Kirche gegen den Nationalsozialismus entstanden.

Pastor Niemöller, einer der bekanntesten Vertreter der Bekennenden Kirche, predigte in den Nachkriegsjahren auch in der Immanuel-Gemeinde.

Fußnoten

  1. Zit n. W. Hundertmark; bearbeitet von Redaktionsgruppe SPURENSUCH

HDas erste Opfer: Johann Lücke wird 1933 von Nazis erschossen

Am 01. 03. 1933 gab es im Casino auf den Häfen eine große Wahlveranstaltung zu den bevorstehenden Reichstagswahlen. Hier sprach u.a. der Sozialdemokrat Alfred Faust, der für diese Wahl kandidierte. Im Anschluß an der Veranstaltung zogen die Teilnehmer, zu denen auch Mitglieder der “Eisernen Front” (einem Zusammenschluss der SPD und des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold) gehörten, im Pulk nach Walle und Gröpelingen zurück. Als sie am Fahrradladen des SS-Sturmführers Otto Löblich an der Waller Heerstraße vorbei liefen, wurde von anwesenden SS-Männer auf sie geschossen. Dabei wurde der Reichsbanner-Mann Johann Lücke so schwer getroffen, dass er am folgenden Tage stirbt. Er ist das erste Opfer des Nazi-Terrors in Bremen. Seine Beerdigung am 07.03.1933, an dem 5.000 Menschen teilnahmen, wurde zur letzten große Demonstration der Arbeiterparteien. Johann Lücke war zuvor im Volkshaus aufgebahrt worden, wo ebenfalls 30.000  Abschied von ihm nahmen.

Gegen die Täter wird zwar ein Verfahren eröffnet, aber später auf Grund eines Amnestiegesetzes niedergeschlagen. Löblich, der erst nach dem Krieg für den Mord auf Johann Lücke verurteilt wurde, wurde wenige Tage nach der Tat vom damaligen Leiter der Polizei in Bremen, Richard Markert, zum Kommandeur der Hilfspolizei benannt. Diese “Hilfspolizei” bestand aus Angehörigen der SA, der SS, des “Stahlhelms” und des “Kampfbundes Niedersachsen”.

IMildes Urteil für den Mörder von Johann Lücke

1Am Mittwoch, den 1.März 1933 fand in den Centralhallen eine Wahlversammlung der „Eisernen Front“  statt, auf der Alfred Faust als Spitzenkandidat der SPD sprach.

Nach Abschluss der Kundgebung, als sich bereits eine Gruppe von Reichsbannerleuten in Richtung Gröpelingen bewegte, kam es zu einem Feuerüberfall vor dem Fahrradladen Otto Löblichs an der Ecke Waller Heerstraße/Gerdstraße. SS-Leute unter Anführung von Löblich schossen auf drei Reichsbannermitglieder und verletzten diese schwer. Am nächsten Tag verstarb einer von ihnen an den Folgen der Schussverletzungen: Es war der Bauarbeiter Johann Lücke.

Anlässlich seiner Ermordung fand am 4. März 1933 eine riesige Demonstration zum Spielplatz an der Nordstraße statt, an der 30.000 Menschen teilnahmen. Am 6. März war Lücke im Volkshaus aufgebahrt und viele Bremer gaben ihm die letzte Ehre. Zu seinem Begräbnis am 7. März auf dem Waller Friedhof kamen 5.000 Menschen (andere Quellen sprechen von 15.000) und das zu einem Zeitpunkt, als die Nazis im gesamten Reich bereits entscheidende Machtpositionen übernommen hatten.

Erst 1950 konnte der frühere SS-Sturmbannführer und bremische Staatsrat Otto Löblich verhaftet und in die Untersuchungsanstalt Bremen eingeliefert werden. 1952 fand der Prozess gegen Löblich statt. Er wurde des gemeinschaftlich vollendeten Totschlags und des gemeinschaftlichen Totschlagsversuchs in zwei Fällen schuldig gesprochen und zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt; die zwei Jahre Untersuchungshaft wurden angerechnet, sodass Löblich nur noch vier Jahre zu verbüßen hatte.

Anschließend wurden mehrere Gnadengesuche eingereicht; nach dem 4. Gnadengesuch wurde Löblich im Dezember 1954 nach Verbüßung von 2/3 seiner Strafe entlassen.

Fußnoten

  1. Zit n. W. Hundertmark; bearbeitet von Redaktionsgruppe SPURENSUCHE