Große Unterstützung für das Mahnmal

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Der Spendenaufruf für das „Arisierungs“-Mahnmal, das zwischen Weserarkaden und Kaisenbrücke gebaut werden soll, war schneller erfolgreich, als erwartet. Innerhalb von nur zehn Tagen kamen die 40.000 Euro aus der Zivilgesellschaft zusammen, die für die Gestaltung des Mahnmal-Innenraums benötigt werden.

Aktuell beträgt die auf dem Konto von „Erinnern für die Zukunft“ e.V. eingegangene Spendensumme sogar schon 42.391 Euro. Wir bedanken uns bei allen, die sich bereits beteiligt haben! Bis zum geplanten Baubeginn am 1. Juni bleibt das Spendenkonto geöffnet, nähere Informationen sind auf www.erinnernfuerdiezukunft.de abrufbar.

Zum Bau des Mahnmals beitragen sollen laut Beschluss der Bremischen Bürgerschaft alle, die sich an der Verfolgung der jüdischen Bürger*innen bereicherten: öffentliche Hand, Unternehmen und private Haushalte. Während der Innenraum des Mahnmals als dessen künstlerisch-konzeptioneller Kern mit privaten Spenden finanziert wird, stellt die Stadt und soll auch die Wirtschaft Mittel bereitstellen, die die Baumaßnahmen ermöglichen. Anfang Juni wird, laut Beschluss des Bremer Senats, der Bau beginnen.

Der Spendenaufruf wurde von 210 Personen erstunterzeichnet, die sich seit Beginn der Bemühungen um ein Mahnmal (2015) für das Projekt interessiert und engagiert haben – zahlreiche Bremer*innen ebenso wie internationale Fachleute aus den Bereichen politische Bildung, bildende Kunst und Geschichtswissenschaft. Darin zeigt sich sowohl die überörtliche fachliche Unterstützung des Anliegens als auch der konkrete Rückhalt, den das Projekt in der Bremer Stadtgesellschaft gewonnen hat.

Unterstützungskonto:

Erinnern für die Zukunft e.V.

Stichwort Mahnmal

Sparkasse Bremen

IBAN DE95 2905 0101 0001 0209 99

Zum Hintergrund des Projekts:
In der NS-Zeit wurden jüdische Familien aus Bremen, wie überall im nationalsozialistischen Herrschaftsgebiet, deportiert und ermordet. Ihr Besitz wurde geraubt, weit unter Wert verkauft oder versteigert.

Als Auswander*innenhafen profitierte Bremen in besonderer Weise vom beschlagnahmten Eigentum der zur Flucht gezwungenen Jüd*innen und anderer Verfolgter

Der Abtransport des Eigentums jüdischer Menschen aus ganz Westeuropa mit Schiffen und Zügen war ein noch ungleich größeres Geschäft. Es machte die Bremer Spedition Kühne + Nagel, im Gefolge der Wehrmacht, zum „internationalen“ Konzern.

An der „Arisierung“ des jüdischen Besitzes bereicherten sich, neben dem nationalsozialistischen Staat und den Logistikern dieser „Verwertung“, große Teile der Bevölkerung. Auch in vielen Bremischen Privathaushalten standen damals – und stehen z. T. noch heute – Möbel und Klaviere, hingen Gemälde und Lampen, wurden Alltagsgegenstände benutzt, die jüdischen Familien gehörten, die ins Exil vertrieben, deren Leben vernichtet, deren Besitztümer „verwertet“ und deren Spuren eliminiert wurden.

Die Erinnerungslücken und deren Folgen sollen sichtbar werden. Darum hat die Bremische Bürgerschaft beschlossen, auf Basis zivilgesellschaftlicher Initiative, angestoßen durch die taz, ein Mahnmal zu errichten: Es soll an die lange wenig beachteten wirtschaftlichen Dimensionen des Holocaust erinnern. Das ist ein wichtiges Zeichen, das weit über Bremen hinausweist.

Das Mahnmal wird im Herzen der Stadt stehen, an der Weser, auf der Frachtschiffe enorme Mengen geraubter Möbel sowie Hausrat aller Art nach Bremen brachten. Das Mahnmal besteht aus einem sechs Meter tiefen Schacht, der zunächst nichts als Leere zeigt – die scheinbare Abwesenheit von Geschichte, deren Vergessen und Verdrängen. Ganz unten ist jedoch seitliches Licht zu sehen. Wer daraufhin zum Weserufer hinunter steigt, erkennt an den Wänden des Schachtes schemenhafte Schattenrisse: Spuren von Möbeln, von Einrichtung, von zerstörten Leben.

Weiterführende Links:
taz.de/mahnmal – Genese des Projekts

taz.de/denkmal

Presserklärung des Bremer Senats vom 01.02.2022
zur Mahnmal-Errichtung

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