Von Findorff bis zum Bahnhof

10 Haltepunkte

»Von Findorff durch den Bürgerpark zum Bahnhof«

Dieser Weg ist gut zufuß durchführbar und dauert ungefähr 3 Stunden.

AKZ Mißler wurde Mitte im Wohngebiet eingerichtet

Nach dem Reichtagsbrand vom 27./28. Februar 1933 und den Reichstagswahlen vom 05. März 1933 erfolgten auch in Bremen Massenverhaftungen von Kommunisten und Sozialdemokraten. Das Polizeigefängnis am Ostertor und die SA-Verhörstätten, wie das so genannte Gosselhaus im Buntentor, waren bald überfüllt. Aus dem Grund wurde bereits am 31. März 1933 von der Polizeidirektion in den ehem. Auswanderungshallen auf dem Gelände der Firma Mißler an der Walsroder Straße in Findorff  ein neues Lager errichtet.Das Lager Mißler war das erste, zuerst noch provisorische,  Konzentrationslager in Bremen.

Die ersten, etwa 159, Häftlinge waren vorwiegend Sozialdemokraten und Kommunisten. Die Insassen, darunter z. B. Alfred Faust, Hermann Böse, Richard Heller, wurden durch die Lageraufsicht, eine von der SS gestellte Hilfspolizei unter der Leitung von SS-Sturmbannführer Otto Löblich, der Mörder von Johann Lücke, schwer misshandelt. Die verhafteten Arbeiterfunktionäre sollten im Lager im nationalsozialistischen Sinne „umerzogen“ werden – mit sadistischen Folterungen, Prügeln mit Gummiknüppeln und Schlägen mit Karabinerkolben. 60jährige Männer mussten nachts in Hemd und Hose Freiübungen machen, mit Bürgersteigplatten in den Händen. Dabei mussten sie robben und die tierischen Laute der Stadtmusikanten nachahmen. Dutzende Male wurden Gefangene nachts von ihren Pritschen hochgerissen, blutig geschlagen und vernommen. Sie wurden auf Schemel gestellt und mussten singen. Wurden sie bewusstlos, wurden sie mit Wasser übergossen und erneut verhört. Der ehem. Häftling Johann Onasch erzählte später vor Gericht, am 20. April seien die Gefangenen durch eine Prügelgasse betrunkener SS-Männer gejagt worden. Selbst dem bremischen Polizeisenator Laue war diese Art von „Umerziehung“ zu heftig, waren die Inhaftierten doch schon bei ihrer Verhaftung auf die gleiche Weise „verhört“ worden. Nach einem Hungerstreik der Häftlinge, aber auch nach Protesten innerhalb der Polizei und des Senats, übernahmen statt der SS nunmehr SA-Mitglieder die Bewachung. An die schlimmen Zustände änderte sich jedoch dadurch nicht viel.

Am 18.8.1933 besichtigte der NSDAP-Reichstatthalter Bremen/Oldenburg Carl Röver das KZ Mißler in Findorff. Im September 1933 wurden die Häftlinge in die Laderäume eines Schleppkahns des Norddeutschen Lloyd (Lloyd-Kahn 86, Lager Ochtumsand) verlegt sowie nach Langlütjen II, einem alten Fort in der Wesermündung. In Alltagskleidung mussten sie sechs Meter unter dem Meeresspiegel schwere Sand- und Baggerarbeiten ausführen. Diese Verlegung geschah auf Veranlassung der bremischen Polizeidirektion, da das KZ Mißler mitten im Findorffer Wohngebiet lag und den Anwohnern die Misshandlungen der Inhaftierten nicht verborgen blieben.
Beide Lager existierten noch bis Sommer 1934, dann wurden die Häftlinge in andere Lager im Reichsgebiet überführt.

Nach dem Ende des Krieges und damit auch der Nazi-Diktatur wurden Angehörige der Wachmannschaften vor Gericht gestellt. 15 von ihnen wurden wegen Körperverletzung im Amt zu Strafen zwischen sechs Monaten und zweieinhalb Jahren verurteilt. Justiz- und Polizeisenator Laue, der letztendlich für das Lager verantwortlich war, bekam drei Jahre und vier Monaten Haft erteilt. Seine Internierungshaft wurde auf diese Strafe angerechnet und somit kam er schon bald wieder auf freien Fuß.

Video freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom Zentrum für Medien, Bremen:

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In einem Ausschnitt eines Video-Interviews mit dem USC Shoah Foundation Institute schildert der Zeitzeuge Willy Hundertmark seine Eindrücke aus dem KZ Mißler

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Mehr dazu unter „Die Entnazifizierung und die Gestapo

BIn Findorff entsteht erster Hochbunker

Über 130 Bunker wurden ab Herbst 1940 auf Bremens öffentlichen Flächen errichtet. Der erste war der Hochbunker an der Zwickauer Straße in Findorff. Das „Sofortprogramm“ wurde mit diesem Bunker begonnen, er ist damit das älteste Bauwerk seiner Art in Bremen. In dieser frühen Phase waren die Standardwerte für Wandstärke 1,10 m und Deckenstärke 1,40 m.

CVerfolgung der Sinti und Roma

„Zigeuner“ (die damals und auch heute noch gängige, jedoch diskriminierende Bezeichnung für Sinti und Roma) waren und sind seit vielen Jahrhunderten in Deutschland und anderswo Diskriminierung und Verfolgung ausgesetzt. Während des NS-Regimes erhielt diese Verfolgung eine mörderische Komponente: Sinti und Roma wurden an ihren jeweiligen Aufenthaltsorten erfasst, zusammengetrieben, deportiert und die meisten von ihnen ermordet. Das gilt auch für die Sinti und Roma in Bremen.

Mit dem „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ vom 17. Juli 1933 wurden nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten erste Maßnahmen verabschiedet, die zur Zwangssterilisation von „Zigeunern“ führten. Im August 1933 traten das „Gesetz zum Schutze der Bevölkerung vor Belästigung durch Zigeuner, Landfahrer und Arbeitsscheue“ sowie in November 1933 das „Gesetz gegen gefährliche Gewohnheitsverbrechter“ auch für Bremen in Kraft. Dieses führte laut dem damaligen Polizeisenator Theodor Laue dazu, „Zigeuner und Landfahrer, die für die bremische Bevölkerung oft eine starke Belästigung bedeuteten und Anlass zu vielfachen Klagen gaben, aus dem bremischen Stadtgebiet durchweg zu entfernen oder fernzuhalten.“ Ihnen wurde durch das Gesetz die Niederlassung praktisch unmöglich gemacht. Nach Meinung der Polizeibehörde war Bremen auf Grund der genannten Gesetze „zigeunerfrei“ geworden. Dies war jedoch eine Selbsttäuschung. Es wohnten nach wie vor Sinti in Bremen, wie durch das Melderegister nachvollzogen werden kann. Möglicherweise entgingen diese normalen Bremer Bewohner der Polizeibehörde, weil sie nicht in Wohnwagen lebten und somit nicht dem Klischee vom ‚wandernden Zigeuner‘ entsprachen. Zudem mussten Jahre später mit dem sog. „Festsetzungserlass“ auch in Bremen wieder Plätze für Wohnwagen geschaffen werden.
Von den 1935 verkündeten Nürnberger Gesetzen inkl. den darin enthaltenen „Blutschutzgesetz“ und dem „Reichsbürgergesetz“ waren nicht nur die jüdische Bevölkerung, sondern auch Sinti und Roma betroffen.
Mit dem Runderlass von Heinrich Himmler vom 8. Dezember 1938, der die „Regelung der Zigeunerfrage aus dem Wesen der Rasse heraus“ ankündigte, erfolgte eine weitere Maßnahme zur Vorbereitung des Genozids.
Rassenforscher/innen versuchten, den Gesetzen eine „wissenschaftliche“ Grundlage zu geben. Sie sprachen in diesem Zusammenhang von „vererbbaren angeborenem Schwachsinn“, „hochgradiger Minderwertigkeit, „Asozialität“, „mangelnder Gemeinschaftsfähigkeit“ oder „Analphabetentum“ etc.

Bei der Kriminalpolizeileitstelle in Bremen wurde ab 1939 ein sog. „Zigeunerdezernat“ („Dienststelle für Zigeunerfragen“) unter der Leitung von Franz Gails (später Wilhelm Herzmann, anschließend Wilhelm Mündtrath) eingerichtet. Gails war im Mai 1940 wahrscheinlich verantwortlich für die ersten Deportationen von Sinti und Roma aus dem Bremer Kripoleitstellengebiet gewesen. Die Kriminalpolizeileitstelle war nicht nur für Bremen, sondern für das ganze nordwestliche Reichsgebiet zwischen Ems und Weser und bis nach Stade zuständig.
Vor ihrer Deportation wurden die Sinti und Roma aus dem Kriminalpolizeileitstellengebiet in einem Sammellager, das im Schützenhof in Gröpelingen eingerichtet worden war, festgehalten. Von hier wurden sie nach Hamburg überführt und von dort nach Polen deportiert.

Mit Himmlers „Auschwitz-Erlass“ vom 16. Dezember 1942 begann die Endphase des Völkermordes an den Sinti und Roma. Allein im Bereich der Bremer Kriminalpolizeileitstelle wurden über 300 Sinti und Roma, darunter viele Kinder, eingesperrt. Die Sammelstelle für die Deportation der Sinti und Roma befand sich auf dem Areal des damaligen Schlachthofs, direkt hinter dem Hauptbahnhof. Der erste Transport verließ Bremen am 9. März 1943. Ziel war das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz, wo sie in dem sog. „Zigeunerfamilienlager“ in Auschwitz-Birkenau B II untergebracht wurden. Hier wurden sie zu Zwangsarbeit verpflichtet, waren sie „medizinische“ Experimente ausgesetzt und letztendlich wurden sie dort in den Tod getrieben.

Schätzungen gehen davon aus, dass insgesamt mindestens 200.000 Sinti und Roma in der NS-Zeit ermordet wurden, davon ca. 200 Personen allein aus Bremen. Andere, die nicht deportiert wurden, wurden in Bremen zwangssterilisiert. Acht solcher Fälle sind in Bremen aktenkundig nachgewiesen, vermutlich sind es jedoch mehr gewesen.

Nach 1945 führte die Stadt Bremen ausgerechnet auf dem Gelände des ehem. Zwangsarbeiter- und KZ-Lager Riespott ein „Landfahrerlager“ ein, wie es zuvor bereits in der NS-Zeit in verschiedenen Städten erprobt worden war, u.a. in Köln und Berlin. Kripo-Beamte, die verantwortlich für die Deportation der Sinti und Roma waren, wie Wilhelm Mündtrath oder der „Judenreferent“ Bruno Nette, waren ebenfalls bis zur Prüfung ihres Entnazifizierungsverfahrens Jahre zuvor im gleichen Lager interniert. Die Sinti und Roma verblieben bis Mitte der fünfziger Jahre im Lager Riespott. Im Juni 1955 wurde das sog. „Landfahrerlager“ geräumt und neben einer Müllkippe in Woltmershausen ein neues errichtet, in das diejenigen Sinti gezwungen wurden, die keine Wohnung in Bremen hatten.

Es ist durchaus vorstellbar, dass es diese Behandlung durch die Bremer Behörden war, die viele überlebende Bremer Sinti veranlassten, die Stadt zu verlassen.

1970 lehnte der Senator für das Gesundheitswesen jegliche weitere Verantwortung für eine weitere Nutzung dieses Geländes ab. Das menschenunwürdige „Landfahrerlager“ wurde in der Folge aufgelöst.

Eine Wiedergutmachung für ihre Haft oder ihre Zwangssterilisation haben die Überlebenden häufig erst nach einer entwürdigenden und vor allem langjährigen Prüfung ihres Antrags durch das Amt für Wiedergutmachung erhalten. Sämtliche an der NS-Verfolgung beteiligten Kriminalbeamten der Kripoleitstelle und des „Zigeunerdezernats“, sowie Richter und Ärzte, die die Zwangssterilisationen zu verantworten hatten, wurden in aller Regel lediglich als „Mitläufer“ des Nazi-Regimes eingestuft.

Am jetzigen Kulturzentrum Schlachthof erinnert eine von Arbeiternehmer/innen der Bremer Stahlwerke (jetzt Arcelor-Mittal Konzern) erstellte und vom Bremer Sinti-Verein initiierte Gedenkplatte an die Deportationen (siehe Bild).

Quelle: Hans Hesse und Jens Schreiber „Vom Schlachthof nach Auschwitz – Die NS-Verfolgung der Sinti und Roma aus Bremen, Bremerhaven und Nordwestdeutschland“ im Tectum Verlag.

DStadt und Land: Hand in Hand

Reichspropagandaminister Goebbels eröffnete am 10.06.34 im Weserstadion die „Braune Hansa-Messe“, die anschließend 14 Tage lang auf der Bürgerweide stattfand. Mit ihr sollte der Kampf um die Wiederbelebung der Bremer Wirtschaft entwickelt werden. Eine dazu ausgegebene Losung lautete: Deutsche kaufen deutsche Waren! Jedes Haus in Bremen hatte die Hakenkreuzflagge zu hissen.

Das Hissen von Hausfahnen an den Nationalfeiertagen oder bei sonstigen Anlässen war zwar nicht verpflichtend. Wenn dies jedoch unterblieb, wurde es als Akt demonstrativer Verweigerung gewertet. Der Blockwart vermerkte dies in seiner Hauskartei. Es gab zur Ermahnung überdies ein Formschreiben, in das nur noch Name und Datum einzutragen waren.

EBürgermeister Duckwitz befürwortet Kapitulation

Britische Panzerverbände stoßen April 1945 vom Süden auf das Stadtgebiet vor. Mit Flugblättern forderen sie Bremen am 20. April zur Kapitulation auf, aber für Gauleiter Wegener kommt das nicht in Frage – um sich anschließend nach Schleswig Holstein abzusetzen. Bürgermeister Duckwitz, Befürworter einer Kapitulation und wird daraufhin des Amtes enthoben.
Am 26. April 1945 um ca. 10.00 Uhr morgens erreichen  die ersten britischen Soldaten den Marktplatz.
Letzte Kämpfe finden noch in der Nacht vom 26. zum 27. April um die Bunker an der Parkallee mit den dort verschanzten Deutschen statt, darunter viele Angehörigen der Hitler Jugend. Der Bremer Kampfkommandant Generalleutnant Fritz Becker hält im Bunker an der Parkallee Stellung. Allein in diesen letzten Tagen finden bei den Kriegshandlungen nochmal 540 Zivilisten und 220 Soldaten in Bremen den Tod.
Am Morgen des 27. April 1945 übergeben sich die verbliebenen deutsche Soldaten unter dem Befehl von Becker den britischen Streitkräften.

Der Bunker in Form eines Klinkerbaus befindet sich direkt neben dem Kinderspielplatz an der Parkallee, neben dem Aussichtsturm auf der Anhöhe.

Weiterführende Literatur: „Kriegsende in Bremen“ von Hartmut Müller und Günther Rohdenburg und „Bremen kaputt, Bilder vom Krieg 1939 bis 1945“ von Christoph U. Schminck-Gustavus. Beide Bücher sind erschienen im Verlag Edition Temmen, Bremen.

Dieses Video wurde freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom Landesfilmarchiv, Bremen.

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FDie SA in Bremen (Sturmabteilung)

Die erste nationalsozialistische Gruppe in Bremen war die SA. Sie trat 1926 zum ersten Mal in Erscheinung und besaß am Ende des Jahres knapp 40 Mitglieder. Geführt wurde sie bis 1927 von Friedrich Gravemann, der dann zur KPD wechselte. Sein Nachfolger wurde Hans Haltermann aus Berlin. Unter seiner Führung wuchs die SA im Jahr 1927 auf 60 Mann an.

Hauptaufgaben waren der so genannte Saal- und Demonstrationsschutz, den sie oftmals auch mit Gewalt durchsetzte. Ende 1930 übernahm Werner Wegener die Führung der Gruppe, die im Februar des gleichen Jahres um eine 44-köpfige Reservetruppe aufgestockt worden war. Die Mitgliederzahl verdoppelte sich in den folgenden Monaten, und im Jahre 1931 zählte die Organisation in Bremen schon 700 Mitglieder.

Dem Zuwachs tat auch das Verbot der SA vom 18. April bis zum 18. Juni 1930 keinen Abbruch. Im Gegenteil: Wenige Wochen nach Aufhebung des Verbotes zählte man 1500 Mitglieder. Die Gruppe war jetzt zahlreich genug, um einen Ableger, die Standarte 73 einrichten zu können.

Die Bremer SA unterstand der SA-Gruppe „Nordsee“ unter Leitung von Wilhelm Freiherr von Schorlemer, die ihren Sitz ursprünglich in Hannover und seit Anfang 1933 in Bremen (Rembertistraße 32), später in der Hollerallee 75 (heutiger Geschäftsstellensitz des ev. Bildungswerks) hatte. Nur zwei Häuser weiter befand sich der Sitz der SA-Brigade 62 „Unterweser“ (Holler Allee 81). Im Haus dazwischen, das jetzige Standesamt (Holler Allee 79),war übrigens Hauptsitz der Kreisverwaltung der NSDAP.

An die belastende Hausgeschichte (1934 bis 1945 Sitz der SA-Gruppe „Nordsee“) erinnert das ev. Bildungswerk mit dem Grundsatz von Theodor W. Adorno, durch Bildungsarbeit einen Beitrag dazu zu leisten, dass »Auschwitz nie mehr sein werde«.

In den Jahren nach dem Röhm-Putsch 1934 verlor die SA in Bremen zusehends ihre Macht gegenüber der SS. Sie blieb zwar eine starke und große Gruppe, hatte sich aber der SS unterzuordnen.

G(Anti-) Kolonialdenkmal

Der „Elefant“ wurde als Reichskolonialehrendenkmal 1931 errichtet, im Juli 1932 eingeweiht und am 19.09.1989 in Antikolonialdenkmal umbenannt. Zweck des Denkmals war die Erinnerung an die ehem. deutschen Kolonien in Afrika, zu derer Eroberung einige Bremer einen zweifelhaften Beitrag erbracht haben. Hier gilt es insbesondere Adolf Lüderitz zu erwähnen, der für das deutsche Kaiserreich Südwest-Afrika als Kolonie erwarb, das hiesige Namibia. Aber auch Hauptmann Paul von Lettow-Vorbeck, der verantwortlich war für das Massaker an die Herreros im Aufstand in Deutsch Südwest, erhielt großen Zuspruch in Bremen, wo man sogar eine Kaserne nach ihm benannte.

In der NS-Zeit stand dieses Denkmal im Mittelpunkt von Bestrebungen der Bremer NS, „Stadt der Kolonien“ zu werden.

Eduard Achelis sprach in seiner Funktion als Vorsitzender der Abteilung Bremen der Deutschen Kolonialgesellschaft  am 6. Juli 1932 bei der Einweihung des „Reichskolonialehrendenkmals“ . Der Elefant Bremen

Friedrich Achelis (1840–1917), deutscher Kaufmann, Aufsichtsratsvorsitzender des Norddeutschen Lloyd in Bremen; Johannes Achelis (1836–1913), deutscher Kaufmann und Bremer Senator

HHermann Böse – Musiklehrer und Widerstandskämpfer

1Am heutigen Gymnasium an der Hermann-Böse-Straße (damals Realgymnasium in der Kaiser-Friedrich-Straße) hat Hermann Böse von 1907 bis 1933 als Musiklehrer gearbeitet. Bereits 1894 war er in die SPD eingetreten. Als 1904 der Parteitag der SPD in Bremen stattfand, trat ein Männerchor mit Arbeiterliedern auf, dessen musikalische Leitung in seinen Händen lag. Dieser Chor entwickelte sich zu dem bedeutenden und anerkannten Arbeitergesangverein in Bremen.

Am 22. Februar 1910 schickten sozialdemokratische Bremer Lehrer (daran waren u.a. beteiligt: E. Sonnemann und G. Luttmann von der Schule Elsflether Straße, G. Döring von der Schule Sternstraße, H. Rumpf von der Schule Habenhausen, D. Alfken von der Schule Kantstraße, H. Ostersehlte von der Michaelisschule) ein Glückwunschtelegramm an August Bebel anlässlich seines siebzigsten Geburtstags. H. Böse war auch einer dieser Lehrer; an der Abfassung waren zudem die bekannten Arbeiterführer Wilhelm Pieck und Johann Knief beteiligt. Dieses Telegramm führte zu heftigen Pressekampagnen in der regionalen und überregionalen Tagespresse.

Im Zusammenhang mit den revolutionären Veränderungen und der Bremer Raterepublik wurde H. Böse im Januar 1919 Mitglied der KPD und im gleichen Monat Leiter des Kommissariats für Schul- und Bildungsfragen im Rat der Volksbeauftragten.

Unter Anwendung der „Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat“ wurde er Ende März 1933 aus dem Schuldienst entlassen. Als in den Jahren 1940 bis 1942 die Bästlein-Jacob-Abshagen-Organisation ihre illegale Widerstandsarbeit entfaltete, wurde sie von Hermann Böse in Bremen unterstützt. Nach seiner Verhaftung im November 1942 durch die „Geheime Staatspolizei“ wurde Böse im Ostertorgefängnis und später im KZ Hamburg-Fuhlsbüttel inhaftiert. Am 17. Juli 1943, drei Tage nach seiner Entlassung, verstarb er an einer schweren Krankheit. Sein Grab befindet sich auf dem Osterholzer Friedhof. Die Hermann-Böse-Straße trägt ihren Namen seit 1947. Erst 2005, also 58 Jahre später, wurde auch das Gymnasium offiziell nach Böse benannt. Vor seinem ehem. Wohnhaus in der Besselstraße 6 befindet sich im Gedenken Hermann Böses Wirken ein Stolperstein. Der Arbeitergesangverein nannte sich nach 1945 ebenfalls Hermann-Böse-Chor.

Fußnoten

  1. Zit n. W. Hundertmark; bearbeitet von Redaktionsgruppe SPURENSUCHE

IKinderlandverschickung von Bremer Hauptbahnhof

Schwere britische Luftangriffe waren Anlass, Kinder zukünftig durch Verschickung davor zu schützten. Die ersten führten nach Salzburg und Oberbayern. Baldur von Schirach war Schirmherr dieser Maßnahmen. Reichspropagandaminister Göbbels beschwor Mütter, ihre Kinder daran teilnehmen zu lassen, dennoch nahmen in Bremen statt der vorgesehenen 10 000 nur 4500 Kinder daran teil. Auf Anordnung des Reichsverteidigungskommissars sollten alle Bremer Schulen nach Sachsen verlegt werden.
Aber sogar die Bremer Hitler Jugend sträubte sich gegen die KLV, da sie ihren Einfluss auf die Kinder schwinden sah. Ein Führererlass vom 28. September 1940 drängte jedoch zum Handeln. Er sah vor, dass möglichst ganze Klassen verschickt werden sollten, wobei die Sechs- bis Zehnjährigen Pflegefamilien zugeteilt werden und ältere Kinder an HJ-Lagern teilnehmen sollten.
Ein wichtiger Hintergedanke der Maßnahme war auch, dass die Mütter ihre Kinder nicht mehr selbst betreuen sollten sondern zur Fabrikarbeit eingesetzt werden konnten. Am 29. Januar 1941 verließ der erste Sonderzug mit etwa 500 Kindern Bremen. Die jeweiligen Verschickungen sollten sechs Monate dauern.

Ab August 1943 wurden auch ganze Schulen verschickt, mit Ausnahme der sechsten bis achten Klassen, deren Schüler als Flakhelfer verpflichtet wurden. Bis März 1945 waren die meisten Kinder der bremischen Familien wieder in der Hansestadt.

JDeportation ins Ghetto Minsk

Am 18. November 1941 mussten 440 Bremer Juden vor der Schule Am Barkhof antreten. Gemeinsam mit Gefangenen aus dem Regierungsbezirk Stade marschierten sie anschließend zum Lloydbahnhof (besonderes Empfangsgebäude für den Auswandererverkehr nach Bremerhaven östlich der Bahnhofshalle, von diesem Lloydbahnhof führte der vierte Tunnel zu den Bahnsteigen). Von dort wurden sie mit Zügen ins Ghetto Minsk deportiert, wo sie 8 Monate lang Zwangsarbeit verrichten mussten, bevor sie am 28. oder 29. Juli 1942 im Lager Malyj Trostenez umgebracht wurden; nur sechs dieser aus Bremen deportierten Juden überlebten.

Seit 1991 erinnert eine Tafel am Hauptbahnhof links des Haupteingangs an den Überfall auf die Sowjetunion und die danach erfolgte Deportation Bremer Juden in die Todeslager von Minsk.

In Anwesenheit des Bundespräsidenten, Frank-Walter Steinmeier, sowie des Bremer Bürgermeisters, Carsten Sieling, wurden am 29. Juni 2018 in der Nähe der weißrussischen Hauptstadt Minsk die Gedenkstätte Trostenez sowie das Mahnmal „Der Weg des Todes“ eingeweiht. Beide erinnern an die Tausenden von jüdischen Bürger/innen aus ganz Europa, die hier ermordet wurden.