Langemarck, ein Ort in Westflandern/Belgien, gelangte im Ersten Weltkrieg zu einiger Bedeutung. In den dortigen militärischen Kämpfen gab es auf beiden Seiten viele gefallene Soldaten. Alleine auf deutscher Seite kamen ca. 2.000 Soldaten ums Leben. Langemarck erhielt damals für Deutschland eine fast schon mythologische Bedeutung, weil sein Name mit den angeblichen patriotischen Gefühlen junger Deutscher, insbesondere Studenten, im Kampf vor Langemarck verbunden wurde.
Die Nationalsozialisten verfolgten eine „Erziehung im Geist von Langemarck“, weil ihnen dies in der Phase der unmittelbaren Kriegsvorbereitungen ab 1933 besonders wichtig war. Bereits am 4. Februar 1934 weihte der damalige NS-Bildungssenator, Richard von Hoff, ein Denkmal zu Ehren der 200 gefallenen Bremer in der Schlacht bei Langemarck ein (siehe Bild).
Der Bürgermeister Bremens griff wenig später die Initiative des Reichsstudentenführers auf, auch in Bremen einen „würdigen und entsprechend bedeutungsvollen, schönen Straßenzug“ am damaligen „Technikum“ der „Langemarck-Idee“ zu widmen. Nun sollte die ganze Straße nach dem Ort benannt werden. Ein kürzerer Straßenabschnitt würde zwar Umstellungsprobleme verringern, wäre aber in ihren Augen der Sache nicht angemessen. Daher wurden 1937 die Große Allee, Kleine Allee und Meterstraße umbenannt in „Langemarckstraße“.
Zum Langemarck-Tag (traditionell seit dem 11. November 1937 gefeiert) gab das Bremische Staatsamt die Umbenennung bekannt. Bei der Gelegenheit wurde der Name „eingedeutscht“, denn der belgische Ort wird eigentlich ohne „c“, Langemark geschrieben. Am Tage der Veröffentlichung wurden bereits die neuen Straßenschilder angebracht. Am selben Abend hielt der Bürgermeister die Hauptansprache bei der Langemarck-Feier der Gaustudentenführung. Er verpflichtete die Studenten auf den „Geist von Langemarck“, in dem er u. a. sagte:
„Sie (die heutige Jugend) muss wissen, dass ihr Leben nicht leicht sein soll, sondern dass sie ebenfalls stets bereit sein muss, dem großen Vorbild gemäß einzustehen für Deutschland bis zum letzten. Der Nationalsozialismus Adolf Hitlers hat dem Sterben der Tausende vor Langemarck den rechten Wert gegeben … Ein Volk, dessen Jugend so zu sterben wisse, hätte nicht zum Untergang verdammt sein können. So seien uns die Tat der jungen toten Helden von Langemarck flammendes Beispiel für die ewige deutsche Jugend.“
Nicht mal zwei Jahre später zog die Wehrmacht in Polen ein und löste den Zweiten Weltkrieg aus.
In Belgien, das seit 1940 von der deutschen Wehrmacht besetzt war, schlossen sich Tausende nationalistische junge Flamen der Flämischen Legion der Waffen-SS an. Ab Oktober 1941 beteiligten sich die Freiwilligen u. a. an der Belagerung von Leningrad. 1943 wurde unter der Führung von SS-Sturmbannführer Conrad Schelling aus ihren zum Teil durch die Kämpfe ausgedünnten Reihen, die Sturmbrigade „Langemarck“ gebildet. Später wurde daraus die „Langemarck“- Division. Französischsprachige wallonische Nationalisten kämpften ebenfalls auf deutscher Seite. Ausgerechnet also Belgier selbst, aus diesem im Ersten Weltkrieg so schwer von deutschen Truppen geschundenen Land, trugen damit zur weiteren Verbreitung des Mythos von Langemarck bei. Als die Letzten von ihnen noch an der Ostfront kämpften, war ihr Land bereits von den alliierten Truppen befreit. Der Traum von einem selbständigen Flandern oder Wallonie war ausgeträumt.
Das Denkmal an der Langemarckstraße, direkt vor der Hochschule Bremen, blieb erhalten. Am 5. Januar 1988 wurde das Denkmal von Unbekannten umgestürzt. In der Öffentlichkeit gab es seit dem viele Diskussionen über die Sinnhaftigkeit einer Umbenennung der Langemarckstraße. Es waren vor allem Bürger*innen der Neustadt, die sich in der Friedensbewegung engagierten, die den Anstoß zu dieser Diskussion gaben. Der Beirat Neustadt befürwortete ausdrücklich die weitere Verwendung des umgestürzten Denkmals als Antikriegszeichen.
1994 wurde das Denkmal um eine Tafel ergänzt, auf der begründet wurde, das Denkmal im Sinne des Friedens zwischen den Völkern zu begreifen. Es fand sich jedoch keine Mehrheit für die Umbenennung der Straße.
Am 3. Juli 2020 soll das umgestürzte Langemarck-Denkmal, nachdem es zwischenzeitlich an eine andere Stelle verlegt wurde, ergänzt werden durch eine DENKORTE-Stele und der Öffentlichkeit präsentiert werden. Die Stele informiert über die Geschichte und die heutige Bedeutung dieses DENKORTES gegen Kriegsverherrlichung und Aufrüstung.
Zu dieser Veranstaltung kann man sich auf YouTube eine Filmdokumentation anschauen.