Westliche Neustadt

10 Haltepunkte

»Dieser Weg ist gut zufuß durchführbar und dauert unter 3 Stunden«

Rundgang durch die westliche Neustadt.

AWohnungsfürsorgeanstalt Hashude

In Woltmershausen entstand am Warturmer Platz (damals Heimweg) 1936 die nationalsozialistische „Wohnungsfürsorgeanstalt“ . Dabei handelte es sich um eine abgeschlossene Einrichtungskomplex für häufig kinderreiche „Gemeinschaftsfremde“ und „sozialschädliche Elemente“, die hier zwangsweise zur „Erziehung“ im Sinne der Nazi-Ideologie eingewiesen worden waren. Die Anstalt war stadtweit berüchtigt unter dem Namen „Hashude“, wenngleich sich die Bezeichnung Hashude eigentlich auf die Wohnblöcke, die sich vor dem Warturmer Platz befinden, bezieht.

Am 27.01.2014 referierte Frau Elke Steinhöfel zum Thema „Wohnungsfürsorgeanstalt Hashude“. Ihre Rede dokumentiert ausführlich die Entstehungsgeschichte und wird hier in gekürzter Form (Hashude_Steinhöfel) wiedergegeben.


Quelle
: Dr. Elke Steinhöfel: „Die Wohnungsfürsorgeanstalt Hashude. Die NS-„Asozialenpolitik“ und die Bremer Wohlfahrtspflege“, eine Veröffentlichung des Staatsarchivs Bremen, ISBN 978-3-925729-71-3.

BGüterbahnhof in der Neustadt

11944/45 wurden im Krematorium auf dem Riensberger Friedhof mehrere Menschen französischer Herkunft verbrannt. Sicherung entsprechender Spuren war die Aufgabe bei einem Besuch von 5 französischen Mitgliedern der Historischen Kommission der Amicale Internationale de Neuengamme.

Fußnoten

  1. Zit n. W. Hundertmark; bearbeitet von Redaktionsgruppe SPURENSUCHE

CBücherverbrennung auf dem Hohentorsplatz

Bei der Einweihung des „Johann-Gossel-Hauses“ im Buntentorsteinweg wurden am 22.04.1933 „marxistisch-kommunistische Symbole“ verbrannt und „damit der Bolschewismus symbolisch vernichtet“. Das „Gossel-Haus“ war ursprünglich das „Rote Haus“ und beherbergte die Kommunistische Partei.

Nach der Besetzung und Übergabe an die SA wurden kiloweise Broschüren und Zeitungen, Symbole und Fahnen der KPD und der Sozialdemokraten bei Dunkelheit am Hohentorsplatz und in der Bürgermeister-Deichmann-Straße verbrannt.

DLangemarckstrasse: Umbenennung oder nicht?

1 Langemarck, ein Ort in Belgien, der im Ersten Weltkrieg zu einiger Bedeutung gelang, in dem vor allem aber auf beiden Seiten viele Soldaten fielen. Langemarck erhielt damals für Deutschland eine  mythologische Bedeutung, weil sein Name mit den angeblichen patriotischen Gefühlen junger Deutschen, insbesondere Studenten, im Kampf verbunden wurde.
Da die Nationalsozialisten eine „Erziehung im Geist von Langemarck“ verfolgten und ihnen diese Erziehung in der Phase der unmittelbaren Kriegsvorbereitungen besonders wichtig war, griff der Bürgermeister Bremens die Initiative des Reichsstudentenführers auf, auch in Bremen einen „würdigen und entsprechend bedeutungsvollen, schönen Straßenzug“ am damaligen Technikum der „Langemarck-Idee“ zu widmen. Am 4.2.1934 hatte bereits der damalige Bildungssenator, Richard von Hoff, ein Denkmal zu Ehren der 200 gefallenen Bremer in der Schlacht bei Langemarck eingeweiht. Nun sollte die ganze Straße nach dem Ort benannt werden.

Ein kürzerer Straßenabschnitt würde zwar Umstellungsprobleme verringern, wäre aber der Sache nicht angemessen. Daher sollten Große Allee, Kleine Allee und Meterstraße den Namen „Langemarck-Straße“ erhalten. Wegen der Dringlichkeit sei es außerdem vertretbar, die zuständigen Behörden nicht zu beteiligen.

Zum Langemarcktag (seit 11.11.1937) gab das Bremische Staatsamt die Umbenennung bekannt. Bei der Gelegenheit wurde der Namen „eingedeutscht“, denn der belgische Ort wird eigentlich ohne „c“ Langemark geschrieben. Am Tage der Veröffentlichung wurden bereits die neuen Straßenschilder angebracht. Abends hielt der Bürgermeister die Hauptansprache bei der Langemarckfeier der Gaustudentenführung. Er verpflichtete die Studenten auf den „Geist von Langemarck“, indem er u.a. sagte:

„Sie (die heutige Jugend) muss wissen, dass ihr Leben nicht leicht sein soll, sondern dass sie ebenfalls stets bereit sein muss, dem großen Vorbild gemäß einzustehen für Deutschland bis zum letzten. Der Nationalsozialismus Adolf Hitlers hat dem Sterben der Tausende vor Langemarck den rechten Wert gegeben …. Ein Volk, dessen Jugend so zu sterben wisse, hätte nicht zum Untergang verdammt sein können. So seien uns die Tat der jungen toten Helden von Langemarck flammendes Beispiel für die ewige deutsche Jugend.“

Am 5.1.1988 wurde das Denkmal an der Langemarckstraße, direkt vor der Hochschule Bremen, von Unbekannten umgestürzt. In der Öffentlichkeit gab es seit dem viele Diskussionen über die Sinnhaftigkeit einer Umbenennung der Langemarckstraße. 1994 wurde das Denkmal um eine Tafel ersetzt, in dem begründet wird, das Denkmal im Sinne des Friedens zwischen den Völkern zu begreifen.

Fußnoten

  1. Zit n. W. Hundertmark; bearbeitet von Redaktionsgruppe SPURENSUCHE

EBlitz-Aktionen

1Laut Bericht eines Zeitzeugen fanden in der Pappelstraße im Zeitraum März/April 1935 sogenannte Blitz-Demonstrationen statt. Etwa fünf Antifaschisten erschienen dabei plötzlich auf der Straße, riefen einige aufklärende antifaschistische Parolen und waren sofort wieder verschwunden. Diese Aktionsform wurde auch von Fahrrädern aus durchgeführt. Noch bevor Polizei oder SA zuschlagen konnten, hatten sich die Teilnehmer in verschiedenen Richtungen abgesetzt, bzw. unter die Passanten gemischt.

Fußnoten

  1. Zit n. W. Hundertmark; bearbeitet von Redaktionsgruppe SPURENSUCHE

F66 Tote durch eine Luftmine

Am 13. Juni 1943, Pfingstsonntag, schlug in einem Neustädter Bunker während eines US-Luftwaffenangriffs eine Luftmine ein. Im Bunker hatten Anwohner der anliegenden Hermannstraße und Wulfhoopstraße Schutz gesucht.  66 Neustädter/innen fanden den Tod im Tiefbunker, weitere 33 wurden verletzt, 15 blieben vermisst. Das Bild des Fotografen Walter Cüppers, freundlicherweise vom Staatsarchiv Bremen zur Verfügung gestellt (4,77/1-Fotos-2267), zeigt General Wolff, der unmittelbar nach diesem 112. Luftangriff auf Bremen die Einschlagstelle der Luftmine inspiziert. Der Angriff richtete auch in den anliegenden Straßen große Schäden an.
Der Luftangriff der alliierten Streitkräfte galt einerseits den Rüstungsbetrieben, von denen sich einige, wie Focke-Wulff, in der Neustadt befanden, andererseits auch um die Moral der deutschen Zivilbevölkerung zu brechen. Schließlich hatten bereits vorher deutsche Luftangriffe 1937 den spanischen Ort Guernica, sowie 1940 Rotterdam in den Niederlanden und Coventry in Großbritannien zerstört.

Die Anwohnerin Frau Emmi Brinkmann überlebte durch Zufall mit ihren Kindern den Angriff und sowohl sie, als auch ihre Tochter konnten später von den schrecklichen Ereignissen berichten. Die meisten Opfer starben durch Erstickung, weil die Bombenexplosion ihnen die Luft zum Atmen entzog. Die Verletzten wurden in das nahegelegene Rote-Kreuz-Krankenhaus gebracht.

Seit dem 13. Juni 1983 erinnert eine Tafel von Aktivist/innen der Friedensbewegung und des Beirats Neustadt an den Angriff auf den Bunker und erinnert an die Konsequenzen von Krieg und Gewalt. Auf dem Höhepunkt der Friedensbewegung gegen die Stationierung von Atomraketen in unserem Land sollte sie als Mahnmal für Frieden und Abrüstung dienen.

2003 wurde der Sockel versetzt, als der Park umgestaltet wurde. Gartenarbeiter legten zum gleichen Zeitpunkt den ehemaligen Bunker frei. Im Inneren fand man noch einige Leichnamen der Opfer, die anschließend auf dem Riensberger Friedhof in Schwachhausen beigesetzt wurden. 2016 wurde die Kunststofftafel beschädigt, wie das beiliegende Bild zeigt. Daraufhin wurde beschlossen, eine gänzlich neue Tafel auf dem Sockel zu montieren. Diese wurde am 13.6.2017 eingeweiht. Die Erinnerungstafel für den Erdbunker wurde auch in die Reihe der „Denk-Orte“ in Buntentor und Huckelriede aufgenommen.

 

 

GAusstellung „entartet“ – beschlagnahmte Bremer Künstler im Nationalsozialismus

Die berüchtigte NS-Aktion „Entartete Kunst“ traf nicht nur 1.400 überregional bekannte, prominente Künstler, sondern auch eine Vielzahl Bremer Maler und Bildhauer. 1937 wurden im Zuge zweier „Säuberungsaktionen“ der Nationalsozialisten ca. 20.000 Werke aus deutschen Museen entfernt.
Das sog. Beschlagnahme-Inventar nennt 22 Künstler aus Bremen und dem Bremer Umland und die stattliche Zahl von ca. 230 ihrer Werke, die in ganz Deutschland beschlagnahmt wurden.

HFlugschriftverteilung „Kleine Arbeiterzeitung“

1 Die „Arbeiter-Zeitung“ war bis zur Errichtung des faschistischen Terrorregimes das Organ der KPD im Bezirk Nordwest. Einer ihrer bekanntesten Redakteure war der Niederländer Anton Pannekoek. Die Zeitung wurde gedruckt im sog. „Roten Haus“ am Buntentorsteinweg 95, was gleichzeitig Sitz der Parteizentrale war.
Im Juni 1933 gelangte eine Ausgabe der illegalen Flugschrift „Kleine Arbeiterzeitung“ in die Hände der Gestapo. Die erste illegale Ausgabe der „Kleinen Arbeiterzeitung“ erschien am 1. März 1933, sofort nachdem am gleichen Tag die KPD-Zentrale im „Roten Haus“ besetzt wurde.

Auf der hier dokumentierten Flugschrift findet man die Gestapo-Notiz: „Rasingstr., Ottostr. Gastfeldstr. stehen ständig 15-20 Mann und belästigen Passanten.“

Diese Straßenzüge waren ausgesprochene Arbeiterwohnbereiche. Die Gestapo-Notiz lässt vermuten, dass es sich um Antifaschisten handelte, die Gesprächskontakte aufnahmen. Die anschließende Bemerkung „das Weitere wird vom Distr. veranlasst“ macht deutlich, dass hier eine genauere Überwachung geplant war. Zudem enthalten die Bemerkungen Angaben darüber, wo genau die illegale Flugschrift gefunden wurde, wer das gemeldet hat und welcher Verdächtige in Frage käme.

Fußnoten

  1. Zit n. W. Hundertmark; bearbeitet von Redaktionsgruppe SPURENSUCHE

IMord an Heinrich Rosenblum

In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 unternimmt die SA in Deutschland eine angebliche Vergeltungsaktion wegen der Ermordung des Gesandtschaftsrats vom Rath durch einen Juden in Paris. In ganz Bremen werden Fensterscheiben zertrümmert, die Wohnungen von Juden verwüstet und die Synagoge in der Gartenstraße in Brand gesetzt. Juden werden festgenommen und in Sammellager verfrachtet, um sie später in Konzentrationslager zu bringen. Einige Juden werden ermordet. Einer davon ist Heinrich Rosenblum, der in der Thedinghauser Straße ein Altwarengeschäft führt. Seine Mörder sind die Brüder Wilhelm und Ernst Behring. Die Brüder werden in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 gegen 2 Uhr in ihren Häusern in der Yorckstraße und in der Rossbachstraße geweckt. Umgehend sollen sie sich zum Haus des Johann-Gossel-Sturms am Buntentorsteinweg 95 begeben. Sie ziehen ihre SA-Uniformen an, gehen zum SA-Haus und bekommen dort den Auftrag von ihrem Sturmführer, in die Thedinghauser Straße zum Haus der Rosenblums zu gehen und Heinrich Rosenblum zu erschießen. (1) Die Brüder brauchen für den Weg dorthin ungefähr eine Viertelstunde. Auf dem Weg herrscht Stille, niemand spricht auch nur ein Wort. Nur einmal sagt Ernst: „Ein verflucht harter Befehl!“, worauf Wilhelm antwortet: „Befehl ist Befehl.“ Als sie am Haus der Rosenblums ankommen, klopft Wilhelm an ein Fenster, das zu ebener Erde gelegen ist und in dem sich das Schlafzimmer der Rosenblums befindet. Nach ein paar Minuten wird die Tür von Heinrich Rosenblum geöffnet. Wilhelm Behring sagt zu Rosenblum: „Sie wissen, was in Paris passiert ist, machen Sie sich fertig, sie sind verhaftet.“ (2) Wilhelm fordert Rosenblum auf, seinen Ausweis vorzuzeigen, obwohl er ihm persönlich bekannt ist. Er zeigt ihnen seine Papiere. Als er sich wieder umdreht, um seinen Ausweis wegzulegen, zieht Wilhelm Behring seine Pistole aus der Tasche und schießt Rosenblum eine Kugel in den Hinterkopf. „Ich ging in das Zimmer hinein, stand neben dem Tisch und erschoss Rosenblum, als er sich umdrehte, um seine Papiere zu suchen.“ (3) Sie gehen zum Johann-Gossel-Haus zurück und melden, dass sie den Befehl ausgeführt haben. Einen Tag später werden die Frau Heinrich Rosenblums, Ernestine, und die beiden jüngsten Kinder ins KZ Sachsenhausen gebracht. Später werden sie nach Minsk deportiert, wo alle umgebracht werden. Heinrich Rosenblum wurde 1892 in Galizien geboren. Seit 1892 lebte er in Bremen. Von 1914-1918 nahm er am 1. Weltkrieg teil, zuletzt als Sanitätsoffizier bei einem Infanterieregiment. Er wurde verwundet und mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. 1918 wurde ihm für besondere Verdienste vom Senat das Bremische Hanseatenkreuz verliehen. 1920 heiratet er Ernestine Felczer. Im Jahre 1924 kaufte er das Gelände in der Thedinghauser Straße 46 und richtete hier eine Eisen- und Metallgroßhandlung ein. Am 7. November 1938 fuhr er mit seiner ganzen Familie nach Hamburg, um ein Visum für die USA zu beantragen. Am 23. November 1938 wanderten seine beiden Kinder Bernard (geb.1922) und Senta (geb. 1921) in die USA aus. Die Mörder Wilhelm (geb. 1904) und Ernst (geb. 1909) Behring traten 1930 in die NSDAP ein, ein Jahr später in die SA. Wilhelm übernahm 1937 die väterliche Bäckerei und wurde deswegen erst 1945 zur Wehrmacht eingezogen. Ernst trat 1939 in den Polizeidienst ein. 1943 kam er zum Wachzug nach Flensburg und wurde später in einem Polizei-Bataillon in Ungarn eingesetzt. Erst 1947 wird den Brüdern in Bremen wegen des Mordes an Heinrich Rosenblum der Prozess gemacht. Der Staatsanwalt fordert lebenslänglich wegen Mordes. Obwohl die Angeklagten geständig sind, erhält Wilhelm Behring nur eine Zuchthausstrafe von 8 Jahren und Ernst eine Zuchthausstrafe von 6 Jahren. Das Gericht erkennt auf Totschlag. Die Richter finden, die Tat sei zwar vorsätzlich, aber eben nicht mit Überlegung ausgeführt worden. Ein Widerspruch? Nicht für die Richter. Sie folgen in ihrer Argumentation weitgehend der Verteidigung. Die Erziehung in der SA und der ihnen anerzogene Gehorsam habe die Brüder dazu geführt, den Mord zu begehen. Der Befehl habe die Brüder so sehr erschüttert, dass er zu einer „inneren Erstarrung“ geführt habe. Der seelische Konflikt zwischen ihrem Gewissen und der anerzogenen SA-Gehorsamspflicht habe zu einer Blockierung ihres freien Entschlusses geführt. Die „kurze Zeitspanne“- immerhin ca. eine Viertelstunde – zwischen Befehl und Tatausführung sei zu kurz gewesen, um „auch nur einigermaßen die seelische Gleichgewichtslage wiederherzustellen.“ (4) Die Brüder Behring hätten in einem Konflikt zwischen ihrem Gewissen und der Pflicht eines SA-Mannes gestanden, ihrem geleisteten Eid treu zu bleiben. Erst nach „innerem Sträuben“ hätten sie die Tat begangen. (5) Das Gericht schließt sich in seiner Urteilsbegründung weitgehend den Darlegungen der Verteidigung und des ärztlichen Gutachters an. Unter der Überschrift „Ein Urteil verlangt Revision“ spricht der Weser Kurier am 7. Mai 1947 von einem Fehlurteil und beurteilt die Richter als Juristen, deren „ nationalsozialistische Vergangenheit vermutlich ihren Blick trübt für die geschichtlichen und politischen Zusammenhänge“ und schreibt von „einem die Nazis ermunternden Urteil.“ Die Zeitung fordert, endlich frischen Wind in die bremische Justiz zu bringen und erinnert an die Vergangenheit des Strafkammer-Vorsitzenden Dr. Oster: „ Ein ehemaliger Heimatkriegsgerichtsrat, seit 1937 Mitglied der NSDAP, ist doch wohl kaum dazu berufen, in einem Pogrom-Prozess den Vorsitz zu führen.“ Kritisch sieht der Weser Kurier auch das Gutachten des Sachverständigen Becker-Glauch, der den Angeklagten eine „Bewusstseinsstörung“ attestiert hatte. „Auffallend ist auch, wie in letzter Zeit die Sachverständigen mit ihren Gutachten eingriffen.“ In einem gemeinsamen Aufruf fordern die SPD, KPD und Gewerkschaften Bremens nicht nur eine Aufhebung des Urteils, sondern eine Demokratisierung der deutschen Gerichte mit dem Ziel, alle Nazi-Richter aus der Justiz zu entfernen. Am 7. Mai 1947 legen Arbeiter und Angestellte im gesamten Stadtgebiet für 5 Minuten ihre Arbeit nieder, um gegen das Urteil zu demonstrieren. Annähernd 50 000 Menschen sollen an dieser Protest-Aktion teilgenommen haben. Am nächsten Tag versammeln sich Tausende von Menschen auf dem Marktplatz, um nochmals gegen die Richter und das Urteil zu demonstrieren. Auf Revision der Staatsanwaltschaft hebt das Oberlandesgericht das Urteil am 18. September 1947 auf. Die neue Verhandlung findet vor dem Schwurgericht statt, an dem jetzt wieder Laienrichter mitwirken. Am 16. September 1948 werden die Brüder zu 8 und 12 Jahren Zuchthaus verurteilt – wieder wegen Totschlags, da Mordmerkmale nicht vorlägen. Der Protest bleibt diesmal aus. 1951 werden die Brüder Behring von Senat begnadigt. (6) Quellen:

  1. Staatsarchiv Bremen,4, 89/“- Hauptverfahren in Strafsachen, aus der Anklageschrift des Oberstaatsanwalts vom 23. Februar 1945, 2 JSs 1635/45
  2. und 3. Staatsarchiv Bremen, 4, 89/2- Hauptverfahren in Strafsachen, Zusammenfassung der Vernehmung von W. Behring durch Oberstaatsanwalt Bollinger
  3. und 5. Staatsarchiv Bremen, 4, 89/2-Hauptverfahren in Strafsachen, aus der Urteilsbegründung vom 2. Mai
  4. Barfuß/ Müller/ Tilgner (Hg.): Geschichte der Freien Hansestadt Bremen 1945-2005, Bd. 1, S.87

Das beiliegende Video gibt Auskunft zu den Ereignissen in der sog. „Reichskristallnacht“ am 9.11.1938 in Bremen. Dieses Video wurde freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom Landesfilmarchiv, Bremen.

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JAtlantik-Überquerer Lindbergh in Bremen

Vom 20. bis 21. Mai 1927 schaffte der US-Amerikaner Charles Lindbergh erstmals eine Alleinüberquerung des Atlantiks. Das Ereignis machte ihm zu einem Medienstar, auch in Deutschland. Allerdings hatte dieser Ruhm auch seine Kehrseite: Lindbergh’s Sohn wurde entführt und trotz Zahlung eines Lösegeldes ermordet.

Ludwig Roselius ließ Bernhard Höttger bereits 1934 eine Relieftafel für den „Ozeanbezwinger “ Charles Lindbergh herstellen, die in der Böttcherstraße angebracht wurde.

Aufgrund einer Einladung von Luftfahrtminister Herrmann Göring konnte Lindbergh am 15.8.1936 Bremen als eine der wichtigsten Produktionsstätten für Fluggeräte, besuchen. Bei einem erneuten Besuch in der Hansestadt im Jahre 1937 nahm er an der ersten Hubschraubervorführung der Welt durch Vorzeigepilotin Hannah Reitsch beim Flugzeugbauer Focke&Wulff teil und drückt dabei seine Bewunderung für die Deutsche Luftwaffe aus.

Wegen seiner Tätigkeit im American First Committee (AFC) und mehrerer explizit antisemitischen Redebeiträge während des Zweiten Weltkrieges wurde Lindberg in der Öffentlichkeit zunehmend kritisiert. Seine Nazi-Deutschland Besuche machten ihn außerdem verdächtig, mit den Nazis zu sympathisieren.

Dieses Video wurde freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom Landesfilmarchiv, Bremen.

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