Bildungssenator Richard von Hoff fördert die Idee einer „Vorherrschaft der germanischen Rasse“

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22. April 1945
Schwachhauser Heer Str. 130 , Schwachhausen-Bremen

Richard von Hoff war ab 11. März 1933 bis 1945, also während der Zeit des Nationalsozialismus, Bildungssenator in Bremen. In seiner Funktion entlässt er in den folgenden Monaten nach seinem Amtsantritt 44 politisch ihm nicht genehme Lehrkräfte. Wesentlich länger tritt er jedoch als einer der eifrigsten nordisch-völkischen Propagandisten, ab 1935 vor allem für die „Nordische Gesellschaft“, auf. Damit gehört er auch zu den ideologischen Wegbereitern der nationalsozialistischen Volksgemeinschafts-Ideologie.

Geboren wird Richard von Hoff als Sohn eines Rittergutsbesitzers am 12. Juni 1880 in Sachsenburg, Thüringen. 1891 zieht es die Familie aus beruflichen Gründen nach Bremen. Hier besuchte von Hoff das Alte Gymnasium und geht anschließend nach Leipzig um dort vergleichende Sprachwissenschaft und Germanistik zu studieren. 1907 wird von Hoff Lehrer an der Oberrealschule an der Dechanatstraße in Bremen, ab 1909 als Studienrat. Im Ersten Weltkrieg ist er ausschließlich an der Ostfront stationiert.
Bereits vor der nationalsozialistischen Machtübertragung an Hitler tritt von Hoff der SA bei. Februar 1934 erfolgt seine Aufnahme in die SS, in der er schnell Karriere macht, zuletzt als Brigadeführer.

Von Hoff tritt seit 1895 als Publizist in Erscheinung, u.a. in der Zeitschrift „Niedersachsen“ im Carl Schünemann Verlag und als Redner. Auf diese Weise kann er seine weltanschaulichen Ideen einer Vorherrschaft der „germanischen Rasse“ verbreiten. Innerhalb des Nordischen Rings und später auch in der Nordischen Gesellschaft ist von Hoff Herausgeber der Monatszeitschrift „Rasse“. Seine Publikationen zu „Erbkrankheiten“, wie Alkoholismus, Geisteskrankheit und Schwachsinn ebnen ideologisch den Weg für das später unter den Nationalsozialisten verabschiedete „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“. Dieses bildet die Grundlage für die Zwangssterilisation und Mord an tausenden Bürger/innen, ob Erwachsene, Kinder oder Jugendliche.
Von Hoff ist außerdem Mitglied im Nordischen Ring, ein völkisch orientierter Verein mit Verbindungen zu gleichgesinnten Kreisen in den skandinavischen Ländern. Im Kern verfolgt dieser Verein eine nordische bzw. germanische Rassenideologie. Der Verein hat seinen Sitz in der Schwachhauser Heer Str. 130.
1933 wird der Ring „gleichgeschaltet“ und ein Jahr später dem Auswärtigen Amt der NSDAP unterstellt. 1936 erfolgt die Fusion des Nordischen Rings mit der Nordischen Gesellschaft, die dann unter dem letzten Namen weitergeführt wird. Von Hoff wird zum offiziellen Vertreter des Bremer Senats innerhalb der Nordischen Gesellschaft ernannt. Zur gleichen Zeit, 1935, wird der NSDAP-Gauführer Weser-Ems und Reichsstatthalter für Bremen und Oldenburg, Carl Röver, Leiter des „Bremen-Kontors“, die Geschäftsstelle der Nordischen Gesellschaft. Aus dem „Bremen-Kontor“ wird anschließend das „Weser-Ems-Kontor“.

Seit 1918 engagierte von Hoff sich im „Bund für niedersächsische Volkshochschulen“, der seinen Sitz in Bremen hatte. 1919 gründet von Hoff die Volkshochschule in Bremen und blieb bis 1933 ihr Leiter. Der „Bund“ bekannte sich zur Tradition von Germanen- und Rassenideologie, war jedoch auch, wie von Hoff, ausgesprochen antisemitisch eingestellt. 1931 trat von Hoff in die NSDAP sowie in den Kampfbund für Deutsche Kultur von Alfred Rosenberg ein.

Am 22. April 1945 wurde von Hoff bei einem der letzten Luftangriffe auf Bremen schwer verletzt. In der Nacht vom 7. Mai starb er. Seine Witwe versuchte im Entnazifizierungsverfahren posthum eine Anerkennung seiner Pensionsansprüche zu erreichen. Tatsächlich wird er 1948 nachträglich als „Mitläufer“ eingestuft. Im Berufungsverfahren wird dieses Urteil jedoch revidiert. Von Hoff gilt nunmehr als „belastet und schuldig“.

Quelle: „Völkische Bewegung zwischen Weser und Ems – Richard von Hoff und die Nordische Gesellschaft in Bremen und Nordwestdeutschland“ von Matthias Loeber im Verlag Peter Lang Edition.
Bild: Senator von Hoff während der Eröffnung des Ehrenmals für die Gefallenen von Langemarck im Ersten Weltkrieg an der Technischen Hochschule in Bremen.

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