Böttcherstraße: völkische Kunst in Zentrum Bremen

28. Oktober 1933
Böttcherstraße, Bremen
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1Schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts begann der Bremer Kaffeeunternehmer Ludwig Roselius (02.06.1874 – 15.06.1943) damit, die Häuser der Böttcherstraße aufzukaufen. Der Kunstmäzen und Kaffeeröster, Erfinder des koffeinfreien Kaffee HAG, ist nach dem Ersten Weltkrieg zusammen mit dem rechtsextremen Putschisten Wolfgang Kapp und Großadmiral Alfred von Tirpitz Gründer der völkischen und nationalistischen Deutschen Vaterlandspartei. Er lobt den „Volkskanzler Hitler“ vor seiner Belegschaft in höchsten Tönen. Trotzdem wird seinen Aufnahmeantrag in der NSDAP 1938 abgelehnt.

Sein Traum von einer „wahren Deutschen Straße“ mit germanischer Kunst soll mit dem Bau der Böttcherstraße erfüllt werden. Ab 1902 fing Roselius an in der heruntergekommenen Böttcherstraße, nah zum Bremer Marktplatz, Häuser auf zu kaufen. Diese ließ er von verschiedenen Architekten und Künstlern renovieren. 1931 wurde diese Renovierung vollendet. Eine besondere Rolle spielte dabei Bernhard Hoetger, der u.a. das „Paula-Becker-Modersohn-Haus“ und das „Haus Atlantis“ schuf. Mit dem Relief „Lichtbringer“ am Eingang der Böttgerstraße biedert Roselius sich den Nazis an, die sein als völkisch-germanisch-nationalen konzipiertes Gesamtkunstwerk ablehnen. An Bremens NS-Bürgermeister Heider schreibt er: „Die dort jetzt angebrachte große Bronze stellt den Sieg unseres Führers über die Mächte der Finsternis dar“. Das auf dem Relief dargestellte Volk begrüßt den „Heilsbringer“ mit ausgestreckten Arm, den Hitler-Gruß.
1937 Stellen die Nazi-Herrscher die Straße unter Denkmalschutz und zwar als abschreckendes Beispiel ihrer eigenen Kulturvorstellungen.

Quelle: „Böttcherstrasse Bremen“, Stadtwandelverlag, Berlin (2009)

Fußnoten

  1. Zit n. W. Hundertmark; bearbeitet von Redaktionsgruppe SPURENSUCHE

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