Die SA in Bremen (Sturmabteilung)

Das Bild zeigt das Haus in der Hollerallee 75 heute Forum Kirche
Hollerallee-75
SA Medaille 1933
1. Januar 1934
Hollerallee 75, Bremen

Die 1920 gegründete Nationalsozialistische Arbeiter Partei (NSDAP) verfügte seit 1921 über eine „Ordnertruppe“, die sich kurz SA (= Sturmabteilung) nannte. Sie sicherte nicht nur die Parteiveranstaltungen ab, sondern griff auch gezielt politische Gegner an. In Bremen trat die SA 1926 zum ersten Mal in Erscheinung und besaß am Ende des Jahres bereits knapp 40 Mitglieder. Ende 1930 übernahm Werner Wegener die Führung der Gruppe, die im Februar des gleichen Jahres um eine 44-köpfige Reservetruppe aufgestockt worden war. Die Mitgliederzahl verdoppelte sich in den folgenden Monaten und im Jahre 1931 zählte die Organisation in Bremen schon 700 Mitglieder. Dem Zuwachs tat auch das Verbot der SA vom 18. April bis zum 18. Juni 1930 keinen Abbruch. Im Gegenteil: Wenige Wochen nach Aufhebung des Verbotes zählte die Formation bereits 1.500 Mitglieder.
Anfang 1933 wurde die Leitung der im norddeutschen Raum tätigen SA-Gruppe „Nordsee“ von Wilhelm Freiherr von Schorlemer übernommen. Ihr Hauptsitz wurde von Hannover nach Bremen in die Hollerallee 75 (heutiger Geschäftsstellensitz des evangelischen Bildungswerks) verlegt. Zur SA in Bremen gehörte auch eine Reitstaffel, die eine eigene Reithalle in Fedelhören betrieb.
Nur zwei Häuser weiter, an der Hollerallee, befand sich der Hauptsitz der Kreisverwaltung der NSDAP, das jetzige Standesamt (Holler Allee 79, damals 81).

Im April 1933 erhält die SA vom Bremer Polizeisenator Laue das von der KPD in Beschlag genommene „Rote Haus“ am Buntentorsteinweg, das sie sofort als Treffpunkt, aber auch als Folterstätte nutzt. Von der SA wird es gleich umbenannt in „Gosselhaus“, nach einem angeblich von Kommunisten ermordeten SA-Kameraden.
Laue kam übrigens selbst aus den Reihen der SA, aber als Senator geriet er immer mehr in Widerspruch zu seinen ehemaligen Kameraden und wurde sogar aus der SA ausgeschlossen. Die SA beanspruchte zunehmend eine eigenständige Rolle als Hilfspolizei. So sicherte sie am 1. April 1933 beispielsweise die Boykottaktionen gegen jüdisch geführte Geschäfte ab. Im Auftrag der Gestapo führt die SA „verschärfte Verhöre“ von politischen Gegnern im Gosselhaus durch.

Zwischen den staatlichen Stellen, die alle von überzeugten Nationalsozialisten geführt wurden, der SA und der SS (Schutzstaffel) gab es im gesamten Reichsgebiet – und somit auch in Bremen – erhebliche ideologische Auseinandersetzungen über die zukünftige Entwicklung des Landes und seiner Organe. Nachdem am 30. Juni 1934 der SA-Stabschef Ernst Röhm und mit ihm zahlreiche andere SA-Mitglieder vornehmlich von SS-Angehörigen ermordet wurden, besiegelte dies die Niederlage der SA im genannten ideologischen Streit. Die SA wurde entwaffnet und spielte ab diesem Zeitpunkt nur noch eine untergeordnete Rolle. Der Terror jedoch blieb, nur wurde er jetzt von der Polizei, der Gestapo und der SS ausgeführt.

An die belastende Geschichte des Hauses an der Hollerallee 75 erinnert das ev. Bildungswerk mit dem Grundsatz von Theodor W. Adorno, durch Bildungsarbeit einen Beitrag dazu zu leisten, dass »Auschwitz nie mehr sein werde«.

2020 wurde bei Gartenarbeiten in der Kulmbacher Straße in Bremen-Findorff ein Gedenkmedaillon der SA Gruppe „Nordsee“ gefunden. Die Inschrift erinnert an die „Kampfsporttage der SA Gruppe „Nordsee“ der NSDAP, Bremen, 18./­20. August 1933″. (Siehe Bild)

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Diese Seite wurde zuletzt am 6. November 2020 geändert

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