Luise Röhrs: Zum Tode verurteilt wg. Wehrkraftzersetzung

Das Bild zeigt Luise Otten (Rohrs)
Luise-Otten
25. Juli 1944
Rekumer Str. 181, Bremen-Rekum

Luise Röhrs wurde  am 13. August 1913 in Paderborn als Tochter von Wilhelm Göbelsmann und seiner Ehefrau geboren. Sie heiratete 1932 Dietrich Otten, die Ehe wurde 1942 geschieden.
Sie arbeitete als Köchin bei einer Luftwaffeneinheit in Bassum. Beim Fliesenputzen  in der Küche bedauerte sie am 21. Juli 1944, dass das Attentat vom Vortag auf Hitler misslang. Von Kolleginnen wurde sie daraufhin wohl denunziert. Bereits 4 Tage später wurde sie verurteilt. In einer Militärbaracke auf dem Bremer Flugplatz im Neuenlander Felde fand die Feldgerichtsverhandlung statt. In Anwesenheit der Eltern wurde vom Gerichtsvorsitzenden Dr. Struck das Urteil vor 350 Zuschauern verlesen: „Die Angeklagte wird wegen Zersetzung der Wehrkraft zum Tode verurteilt. Gleichzeitig werden der Angeklagten die bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit aberkannt.“ Allerdings wurde es auf Gnadenweg in einer Zuchthausstrafe von 10 Jahren umgewandelt.

Ihre Eltern lebten von 1941-1945 in Bremen-Farge, Rekumer Str. 181 (heutige Hausnummer), wohin sie Mitte Juni 1945 nach ihrer Entlassung aus dem Frauengefängnis Lübeck-Lauerhof zurückkehrte. Bald danach heiratete sie Friedrich Röhrs. Luise Röhrs erkrankte gegen Ende ihres Lebens schwer und starb 2000 durch Suizid.
Einen Antrag auf Wiedergutmachung von Luise Röhrs wurde nach dem Krieg vom zuständigen Amt mit der Begründung abgelehnt, den Satz für den sie verurteilt wurde, sein nur eine „gelegentlich Unmutsäußerung“ gewesen.

Gedicht von Luise Otten am 29. August 1944 in der Haft in Lübeck geschrieben:

Mein Herz, was klopfest Du so sehr?
fällt der Abschied Dir so schwer?
von dem bischen Lebenslust?
Du zersprengst mir fast die Brust!
——-
Ach schon manches Herze starb
wurde auch nicht erst gefragt
willst Du sterben oder leben?
Stark sein muss ein Herze eben!
———–
Stark sein mußt auch Du mein Herz
Bald vorüber ist der Schmerz,
Dann hast Du von allem Ruh!
Darum still mein Herz, stille Du!

Quelle: „Bremen im Dritten Reich“ von I. Marßolek und R. Ott, Schünemann Verlag

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Diese Seite wurde zuletzt am 17. Juli 2021 geändert

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