Heinrich Oetting wegen Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilt

Passbild Heinrich Oetting
6. Oktober 1943
Wolfskuhle (jetzt: Blumenkamp 7, Baulücke) 7, Bremen-St. Magnus

Der Maschinenschlosser Heinrich Oetting wurde am 13. August 1899 in Bremen-St. Magnus geboren. Von seinem Leben ist nicht viel bekannt.
Oetting war SPD-Funktionär von 1918–1933. Nachdem er von Arbeitskollegen denunziert wurde, nahm ihn die Bremer Gestapo am 17. August 1943 fest. Am 6. Oktober 1943 wurde er in Berlin wegen Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilt. Der Präsident des Volksgerichtshofes, Roland Freißler, schrieb in der Urteilsbegründung folgendes: „Heinrich Oetting, ein alter Marxist, der auch heute in der NSDAP, seinem Wohnsitz und in der Vulkanwerft, seiner Arbeitsstätte, im Rufe eines üblen Miesmachers steht …“ und weiter „Als Zersetzungspropagandisten unserer Kriegsfeinde ist er für immer ehrlos. Er wird mit dem Tode bestraft.“ Laut Urteil sollte Oetting im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet werden.

Inzwischen beschäftigte man Oetting jedoch als Häftling im Betrieb der Fa. Bosch-Dreilinden. Er wurde – weil „im Betrieb der Fa. Bosch-Dreilinden als Fachkraft dringend benötigt“ ­ am 8. Januar 1944 durch Erlass des Reichsjustizministeriums zu 10 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust begnadigt.
Am 18. April 1945 wurde Oetting aus dem Zuchthaus Brandenburg-Görden befreit, was er als „Entlassung durch die Russen“ kommentierte.

Durch die Haft erlitt Heinrich Oetting Gesundheitsschäden. Er erhielt am 17. Mai 1949 dafür eine Haftentschädigung in Höhe von 3055 Mark. Nach 1945 zog er erst wieder in die Wolfskuhle 7 ein, dann 1958 in das Behelfsheim Heriwardstraße in Lesum und im Jahr 1966 Chaukenhügel 21 in Lesum. In der Bremer Nachkriegs-SPD spielte Oetting keine Rolle mehr, war auch nicht mehr aktiv in der Partei.

Quelle: Marßolek/Ott, „Bremen im 3. Reich. Anpassung-Widerstand-Verfolgung“,  Carl Schünemann Verlag Bremen. 1. Auflage 1986. S. 396, S. 507 Ref. 116)

Akten: ORA beim VHG 2 J 544/1943, 1L 115/1943, 3J 282/44 sowie Bundesarchiv R 60, Staatsarchiv Bremen 4,54-E 6172

Bild: Das Bild von Heinrich Oetting wurde freundlicherweise vom Staatsarchiv Bremen zur Verfügung gestellt.

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Diese Seite wurde zuletzt am 24. Juli 2021 geändert

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