Das erste Opfer: Johann Lücke wird 1933 von Nazis erschossen

Bild zeigt ein Aktionsplakat der Nazis über die eiserne Front
1. März 1933
Waller Heerstraße / Gerdstraße, Bremen
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Am 01. 03. 1933 gab es im Casino auf den Häfen eine große Wahlveranstaltung zu den bevorstehenden Reichstagswahlen. Hier sprach u.a. der Sozialdemokrat Alfred Faust, der für diese Wahl kandidierte. Im Anschluß an der Veranstaltung zogen die Teilnehmer, zu denen auch Mitglieder der „Eisernen Front“ (einem Zusammenschluss der SPD und des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold) gehörten, im Pulk nach Walle und Gröpelingen zurück. Als sie am Fahrradladen des SS-Sturmführers Otto Löblich an der Waller Heerstraße vorbei liefen, wurde von anwesenden SS-Männer auf sie geschossen. Dabei wurde der Reichsbanner-Mann Johann Lücke so schwer getroffen, dass er am folgenden Tage stirbt. Er ist das erste Opfer des Nazi-Terrors in Bremen. Seine Beerdigung am 07.03.1933, an dem 5.000 Menschen teilnahmen, wurde zur letzten große Demonstration der Arbeiterparteien. Johann Lücke war zuvor im Volkshaus aufgebahrt worden, wo ebenfalls 30.000  Abschied von ihm nahmen.

Gegen die Täter wird zwar ein Verfahren eröffnet, aber später auf Grund eines Amnestiegesetzes niedergeschlagen. Löblich, der erst nach dem Krieg für den Mord auf Johann Lücke verurteilt wurde, wurde wenige Tage nach der Tat vom damaligen Leiter der Polizei in Bremen, Richard Markert, zum Kommandeur der Hilfspolizei benannt. Diese „Hilfspolizei“ bestand aus Angehörigen der SA, der SS, des „Stahlhelms“ und des „Kampfbundes Niedersachsen“.

Am 20.09.2018 wurde zur Erinnerung an Lücke in der Gröpelinger Heerstr. 76 ein „Stolperstein“ gelegt.

Die SPD-Landesvorsitzende Sascha Karolin Aulepp war bei der Legung des Stolpersteins dabei. Sie sprach zu den Anwesenden folgende Worte: „Ich bin sehr dankbar, dass es das Projekt „Stolpersteine“ gibt, dafür möchte ich Gunter Demnig und Barbara Johr danken, und allen, die daran mitgewirkt haben. Ich bin stolz, in einer Stadt zu leben, die dieses Projekt unterstützt. Danke auch an den Beirat Gröpelingen. Es ist mir eine Herzensangelegenheit, dass das faschistische Morden nicht vergessen wird. Wir erinnern uns mit Trauer, mit Zorn, und mit Kampfeswillen an die Opfer des Nationalsozialismus. Der Mann, dem dieser Stolperstein gewidmet ist, der Genosse und Sozialdemokrat Johann Lücke, wurde umgebracht in einer Zeit, in der die staatliche Ordnung Menschen wie ihn nicht geschützt hat, in der im Gegenteil Staatsmacht missbraucht wurde, um Andersdenkende zu ermorden. Zum Trauerzug zu seiner Beerdigung auf dem Waller Friedhof sollen im März 1933 etwa 10.000 bis 15.000 Menschen gewesen sein. Das war ein Trauergeleit, aber auch eine politische Demonstration, und auch heute müssen wir unsere Trauer mit politischem Kampf verbinden. Gerade in Zeiten wie heute, in denen Nationalismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, rechte Hetze wieder erstarkt, in denen der Hitlergruß offen gezeigt wird und die vorbeigehende Polizei nichts dagegen unternimmt, in denen die staatliche Ordnung sich zurückzieht und – schlimmer noch – Hetzjagden auf Menschen leugnet, ist das Erinnern daran wichtiger denn je, und das Aufstehen dagegen, damit sich so etwas nie wiederholt. Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg, nicht in unserem Land und nirgendwo auf der Welt, dafür müssen wir alle uns stark machen.“

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