Karin Magnussen: Rassenlehrerin unterrichtet am Gymnasium

15. Juli 1943
Kurt-Schumacher-Allee 65, Bremen-Vahr

Karin Magnussen wurde am 9.2.1908 in Bremen geboren. Ihre Schulzeit verbrachte sie am Kippenberg-Gymnasium in Bremen-Schwachhausen. Nachdem sie während der Nazi-Herrschaft in Hannover und Berlin „wissenschaftlich“ tätig war, kehrte sie 1945 nach Bremen zurück und verstarb hier am 19.2.1997. Nach ihrer Rückkehr nach Bremen musste Magnussen zuerst „entnazifiziert“ werden. Sie wurde lediglich als „Mitläuferin“ eingestuft und anschließend als Biologielehrerin in den öffentlichen Dienst übernommen. Zuerst war sie als solche am damaligen Mädchengymnasium an der Karlstraße tätig, später wechselte sie zum Gymnasium an der Kurt-Schumacher-Allee in der Vahr.
Erschreckend ist, wie diese „Mitläuferin“, die promovierte Biologin war, trotz ihrer rassistischen „Forschungsarbeit“ und Verstrickung in den Mord an KZ-Häftlingen, dennoch später in Bremen als verbeamtete Lehrerin tätig werden konnte. Schon während ihrer Studienzeit in Göttingen war sie dem Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund beigetreten. Der NSDAP schloss sie sich 1931 an. Ab 1935 ist sie im Rassepolitischen Amt in Hannover beschäftigt, später im „Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik“ in Berlin. In diesem Institut forscht sie insbesondere zur Augenfarbe und macht dazu Tests mit Kaninchen. Über Josef Mengele, den sie im Institut kennenlernt und der ab Mai 1943 Lagerarzt im KZ-Auschwitz-Birkenau ist, erhält sie die Möglichkeit, Augenexperimente an Menschen vorzunehmen. Dazu wählte sie insbesondere Mitglieder einer Sinti-Familie aus, die anschließend von Mengele ermordet wurden. Magnussen wurde bis zu ihrem Tod wegen dieser Experimente gerichtlich nie verfolgt, geschweige denn verurteilt.

Quelle: Hans Hesse „Augen aus Auschwitz“

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