Kriegsgefangene, Zwangs- und Fremdarbeiter in Oslebshausen

Denkmal sowjetischer Kriegsgefangene, Reitbrake, Oslebshausen
8. Januar 1941
Oslebshauser Heer Straße/Ecke Riedemannstr., Oslebshausen-Bremen

Von 1941 bis 1945 befanden sich auf dem jetzigen Industriegebiet an der Oslebshauser Heerstraße zwischen den Straßen „An der Fuchtelkuhle“ und der Eisenbahn- bzw. (heutigen) Autobahnüberquerung drei große Lager, in denen über 3.000 Kriegsgefangene sowie sog. nicht „reichsdeutsche“ Zwangs- und Fremdarbeiter untergebracht waren. Zu den Fremd- und Zwangsarbeitern gehörten Niederländer und Belgier.

Das Kriegsgefangenenlager befand sich in der Nähe des „Pulverberges“. Hierin waren wahrscheinlich mehr als 1.000 Personen untergebracht, u. a. sowjetische und französische Kriegsgefangene. Ihre Bewachung lag bei der 5. Kompagnie des Landesschützenbataillons 679. Die Kriegsgefangene mussten „Fliegerschäden“, also die Schäden, die durch alliierte Bombenangriffe verursacht waren, beseitigen. Zu ihren Einsatzorten wurden sie mit der Straßenbahn Linie 8 gebracht. Die Franzosen waren z. T. auch zu Zwangsarbeit auf der AG Weser Werft in Gröpelingen verpflichtet. Siehe hierzu die Anlage mit differenzierten Angaben. Das Lager war auch bekannt als „Commodore Bonte“ Gemeinschaftslager.
Nach der Befreiung diente das Lager als Unterkunft für sog. Displaced Persons und ab 1947 für Flüchtlinge aus dem Osten.

Mitte September 1941 gab es im Lager ein großes Massensterben unter den sowjetischen Kriegsgefangenen. Die Ursache war anfänglich vor allem in der katastrophalen Essensversorgung zu sehen, später kam eine Fleckfieberepidemie hinzu. Für sie wurde ein eigener Friedhof an der Reitbrake angelegt. Hierin wurden auch sowjetische Kriegsgefangenen aus anderen Lagern, wie z. B. aus dem Lager an der Duckwitzstraße beerdigt. Insgesamt ist die Rede von über 500. Ein Großteil von ihnen wurde 1948 auf den Friedhof in Osterholz umgebettet, wo sie im Bereich sämtlicher Kriegsopfer liegen. Allerdings scheint die damalige Umbettung nicht mit der nötigen Umsicht und Würde gemacht worden zu sein. 2022 fand ein Team der Landesarchäologie Bremen bei Umgrabungen auf dem Gelände noch mindestens 62 vollständige Skelette und 203 Erkennungsmarken, die nachweislich 150 sowjetischen Soldaten zugewiesen werden konnten.

Quelle: Peter-Michael Meiners aus Ritterhude hat ausführlich zur Lagerlandschaft in Bremen-Nord, inkl. Grambke, Oslebshausen recherchiert. Von ihm stammt die Handreichung „Barackenlager in Lesum – Burg – Grambke-Oslebshausen 1942-45“, der wiederum die Anlage zu dieser „Spur“ entnommen wurde.

Weitere Informationen zur Situation von Kriegsgefangenen stehen hier zum Download bereit:

  • Nicht Schutz der Genfer Konvention PDF
  • Arbeitskräftebedarf und Ausländereinsatz im Krieg PDF
  • Vergessene Opfer PDF
  • Entschädigungsdebatte PDF
Veröffentlicht am und aktualisiert am 15. Januar 2023

3 Hinweise zu “Kriegsgefangene, Zwangs- und Fremdarbeiter in Oslebshausen”

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