Marta Damkowski – Widerstand im Internationalen Sozialistischen Kampfbund

Am Wall 199, Bremen-Mitte

Marta Damkowski stammte aus einer sozialdemokratischen Arbeiterfamilie und begann nach der Obersekundarreife eine Lehre als Landwirtschaftliche Rechnungsführerin. Im Alter von zwölf Jahren trat sie der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ) bei. Da sie die Zustimmung der sozialdemokratischen Reichsminister zum Bau des Panzerkreuzers A missbilligte, wechselte sie etwa 1928 von der SAJ in eine Jugendgruppe des Internationalen Sozialistischen Kampfbundes (ISK), deren kompromissloses Eintreten für die Republik ihr gefiel. Von 1929 bis 1932 erhielt Marta Damkowski ein Stipendium, um an der Philosophisch-Politischen Akademie des ISK in Melsungen studieren zu können.

Diese Fortbildungsbestrebungen wurden von der Machtübernahme der Nationalsozialisten jäh unterbrochen. Marta Damkowski siedelte nach Thüringen über. Hier arbeitete sie auf einem Gutshof, der von der Philosophisch-Politischen Akademie gekauft worden war und nach 1933 in eine Siedlungsgenossenschaft für Arbeitslose umgewandelt wurde.

In den ersten Jahren der NS-Herrschaft fuhr Marta Damkowski zweimal nach Berlin, um sich mit Fritz Eberhard und Julius Philippson zu treffen. Beide rechneten zum engsten Führungskreis des Internationalen Sozialistischen Kampfbundes und organisierten den Widerstand der in Deutschland verbliebenen ISK-Mitglieder. In Berlin wurde Marta Damkowski beauftragt, nach Dänemark zu fahren und Informationen mit der emigrierten Spitzenfunktionärin Minna Specht auszutauschen, was ohne Zwischenfälle gelang.

Zurück in Thüringen, bemerkte Marta Damkowski, dass sie von der Geheimen Staatspolizei observiert wurde. Sie verzog kurzerhand nach Halle, bereitete sich auf das Examen als Landwirtschaftliche Rechnungsführerin vor und trat mit ihr bislang unbekannten Gesinnungsgenossen in Kontakt. Als Erkennungszeichen diente bei solchen von der Kampfbund-Führung vermittelten Zusammenkünften mitunter der „Völkische Beobachter“. Das nationalsozialistische Organ musste gut sichtbar unter dem linken Arm getragen werden.

Schließlich fand Marta Damkowski eine Anstellung in Leipzig, wurde aber wiederum von der Gestapo aufgespürt und kam für einige Zeit bei ihren Eltern in Hamburg unter, bis sie eine Tätigkeit als Buchhalterin in der Nähe von Bremen aufnahm.

Die häufigen Umzüge empfand Marta Damkowski als Verlust ihrer geregelten Existenz; der Kampf gegen den Nationalsozialismus führte zur beruflichen wie privaten Entwurzelung. Kaum einem Bekannten konnte noch uneingeschränkt vertraut werden. Der immer ausgefeiltere Überwachungsapparat sorgte für allseitiges Misstrauen.

In Bremen zählte Marta Damkowski bald zu einer konspirativen Gruppe, die aus fünf ISK-Genossen bestand und Aufsehen erregende Aktionen durchführte. So erhielt der Zirkel einige Münzen mit der Aufschrift „Hitler bedeutet Krieg“ zugespielt. Die Gruppenmitglieder ließen sie möglichst unauffällig auf einem Jahrmarkt in Bremen fallen. Außerdem wurden regimekritische Flugblätter in Betrieben oder auf Massenkundgebungen gestreut und sogar in Briefkästen gesteckt, was eine besonders große Entdeckungsgefahr mit sich brachte.

Im Winter 1937/38 fuhr Marta Damkowski nach Bad Tölz, wo sie an einem Informationskursus für ISK-Mitglieder teilnahm. Als sie zurückkam, wurde sie von der Geheimen Staatspolizei verhaftet. Die nationalsozialistischen Machthaber hatten einen Hinweis von einem geistig verwirrten Genossen erhalten, was eine systematische Verhaftungswelle ermöglichte.

Marta Damkowski wurde in das Untersuchungsgefängnis am Alexanderplatz in Berlin überführt und intensiv verhört. Doch sie beantwortete die Fragen der Gestapo höchstens oberflächlich und lastete die meisten Vorwürfe auf emigrierte, das heißt vor dem NS-Regime sichere Genossen ab.

Weil Marta Damkowski eine Hand voll Bleistiftminen in die Säume ihrer Röcke eingenäht hatte, konnte sie aus dem Gefängnis an ihre Eltern schreiben und vor allen Dingen politische Freunde warnen. Trotzdem wurde ihr einstmals in der SAJ aktiver Lebensgefährte ebenso wie ihr Bruder verhaftet.

Am 8. Dezember 1938 stand Marta Damkowski vor dem Volksgerichtshof, der sie wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu einem Jahr Gefängnis verurteilte. Nach Ansicht der Richter galten für die Angeklagte mildernde Umstände, da sie noch recht jung war und vermutlich relativ unbedarft zum ISK gestoßen sei. Gleichwohl hatte Marta Damkowski, die laut Urteilsbegründung seit 1935 der NS-Kulturgemeinde angehört haben soll, ihre Strafe in Einzel- und Dunkelhaft abzusitzen.

Die Monate in den Vollzugsanstalten in Charlottenburg und Moabit waren zermürbend. Allein der Mut eines Gefängnisaufsehers und seiner Frau sorgte für Erleichterung.Die Beamten ließen bisweilen heimlich die Zellentür geöffnet, so dass Marta Damkowski in den Genuss von Tageslicht kam. Als die Inhaftierte einen Nervenzusammenbruch erlitt, gab ihr der zuständige Arzt regelmäßig Milch und zusätzliche Butterbrote. Überdies wurde Marta Damkowski am Ende ihrer Haftzeit durch einen glücklichen Zufall vor der von der Geheimen Staatspolizei geplanten Überführung in ein Konzentrationslager bewahrt.

Nach der Haftentlassung im Februar 1939 heiratete Marta Damkowski ihren gut ein Jahr später freigekommenen Lebensgefährten, mit dem sie in Hamburg wohnte. In der folgenden Zeit musste das Ehepaar zahlreiche Verhöre, Hausdurchsuchungen und andere Schikanen über sich ergehen lassen. Die Widerstandsarbeit kam praktisch zum Erliegen. Zwei Jahre nachdem Herbert Damkowski endlich Arbeit gefunden hatte, wurde er zum Kriegsdienst in das Bewährungsbataillon 999 abkommandiert. Er starb 1944.

Nach dem Zusammenbruch der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft war Marta Damkowski von 1946 bis 1949 als Frauensekretärin der SPD in Hamburg tätig. Sie gehörte von 1946 bis 1953 der Hamburgischen Bürgerschaft an und kämpfte für eine grundlegende Reform des Paragraphen 218. Von 1952 bis 1958 leitete Marta Damkowski die Frauenstrafanstalt in Hamburg-Fuhlsbüttel. Außerdem betätigte sie sich im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen in Altona, im SPD-Distriktsvorstand Sülldorf-Rissen sowie im Landesverband der Arbeiterwohlfahrt. Ihre vielfältigen Erfahrungen in der Frauenarbeit konnte Marta Damkowski zudem als Mitglied des SPD-Parteirats sowie des Bundesfrauenausschusses und bei der Ausarbeitung des Godesberger Programms einbringen. In den achtziger Jahren wurde eine Straße in Allermöhe nach Marta Damkowski benannt.

Quelle: Hamburger Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten in Verfolgung und Widerstand 1933 – 1945

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