Otto Polak entgeht der Deportation

Bild zeigt Otto Polak, 1945
15. November 1938
Kohlhökerstraße 6, Bremen
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Der siebenjährige Otto Polak durfte nicht in die Kirchweyher Schule gehen, da jüdischen Kindern durch den Erlass vom 15.11.1938 des Reichserziehungsministers Rust der Besuch öffentlicher Schulen nicht mehr gestattet war. Ottos Mutter Johanne hoffte jedoch auf eine Ausnahmeregelung, doch der Landrat des Kreises Grafschaft Hoya teilte ihr im November 1939 mit, dass ihr Sohn in die „Judenschule“ nach Bremen müsse.
Ab 1939 ging Otto auf diese jüdische Religionsschule in der Kohlhökerstraße 6. Sie war Ende März 1939 von dem Rabbi Dr. Jacob Wiener gegründet worden.

Die jüdische Schule wurde eingerichtet, um den Kindern die Ausreise aus Deutschland zu ermöglichen bzw. zu erleichtern, weshalb man vor allem Englisch-, Geografie-, Hebräisch- und Religionsunterricht erteilte. Der kleine Otto musste also allein von seiner Wohnung in Kirchweyhe zum Bremer Hauptbahnhof fahren und von dort aus zu Fuß zur Kohlhökerstraße laufen. Häufig war er auf seinem Weg Repressalien ausgesetzt.

In der Schule gab es ein Zimmer, in dem der Lehrer Nußbaum die erste und zweite Klasse unterrichtete, wie Otto sich erinnert. Herr Nußbaum lehrte die Kinder in erster Linie Hebräisch, woran Otto aber nicht viel Gefallen fand; er verstand die Sprache und die Schriftzeichen nicht. Erschwerend kam hinzu, dass ihm aus seiner Familie niemand helfen konnte und die Lehrer drängten, denn die Kinder sollten unbedingt Hebräisch lernen. Sie hofften, ihren Schülern eine Auswanderung nach Palästina zu ermöglichen.

Tatsächlich sind alle Bewohner/innen und Schüler/innen, bis auf Otto Polak, im Dezember 1941 deportiert worden. Um keinen Widerstand zu provozieren, hatte man den Eltern in den Tagen zuvor gesagt, die Schüler sollen mit leichtem Gepäck für einen Ausflug kommen. Der Schüler Otto Polak entkam der Deportation, weil er am Tag der Verhaftung aufgrund einer Hauterkrankung nicht in der Schule war. Ottos Oma hatte mit dem Wissen um die Deportationen jüdischer Mitmenschen den „Ausflug“ richtig interpretiert. Mit Hilfe einer für Otto unverträglichen Salbe führte sie die Hauterkrankung bewusst herbei. Otto Polak konnte in Kirchweyhe untertauchen und stellte sich bis ins hohe Alter als Zeitzeuge zur Verfügung.

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