Walter Magnus van Perlstein: ein antifaschistischer Kulturschaffender

6. Dezember 1941
Am Brahmkamp 26, Horn-Lehe, Bremen

Walter van Perlstein wurde am 12. März 1901 als Sohn jüdischer Eltern in Köln am Rhein geboren. Da nach dem Tod des Vaters das Geld für ein Studium fehlte, beginnt er nach dem Abitur eine kaufmännische Lehre in einer Farbenfabrik. 1920 lebt er in Köln-Lindenthal in der Bachemer Straße 251. Hier beherbergt er im September 1920 den Bremer Willi Eildermann, der als Wanderredner der KPD den Aufbau der Organisation unterstützt. Perlstein organisiert Diskussionsveranstaltungen, um gemeinsam mit Eildermann über die Politik der jungen Partei zu informieren.

Zeitlebens interessierte sich van Perlstein für das Theater. Bereits als junger Mann besuchte er in seiner Freizeit Vorlesungen an der Kölner Universität und am theaterwissenschaftlichen Institut. Am Kölner Schauspielhaus nahm er Privatunterricht, wurde Schauspieler und übernahm Aufgaben als Hilfsregisseur und Spielleiter. Später geht er auf Tourneen in Belgien und Holland. Walter van Perlstein genießt als Schauspieler und Dramaturg, nicht nur bei Künstlerinnen und Künstlern, großes Ansehen. Van Perlstein arbeitet aktiv mit in der Bühnengenossenschaft (Gewerkschaft), weshalb er häufig ohne Engagement bleibt. Aus diesem Grund zieht er 1931 mit seiner Frau Paula Knoche, mit der er seit 1929 verheiratet ist, nach Bremen. Van Perlstein betätigt sich auch in der Hansestadt aktiv in der kommunistischen Bewegung, insbesondere im kulturpolitischen Bereich und im Rotfrontkämpferbund. Er inszeniert publikumswirksame Aufführungen. So werden die Nazis auf ihn aufmerksam, nehmen ihn in „Schutzhaft“ und verschleppen ihn ins KZ Mißler. Vom 30. März – 17. Mai 1933 wird er hier zu schwerer körperlicher Arbeit gezwungen und auch misshandelt.

Nach seiner Entlassung ist er zeitweilig als Provisionsreisender für eine Radio-Firma tätig. Seine Ehe mit Paula Knoche wird 1935 geschieden. 1936 heiratet van Perlstein in zweiter Ehe Gerda Hillmann, genannt Weissbraun. Gerda arbeitete im bremischen Staatsdienst, verlor diese Stelle allerdings aufgrund des NS-Berufsbeamtengesetzes; aus diesem Grund arbeitete sie in derselben Radio-Firma wie Perlstein. Durch seine Ehefrau kommt van Perlstein in Kontakt mit zionistischen Gruppen. In seinem Lebenslauf schrieb er: „Ich war bereit, mich aktiv an dem Neuaufbau einer Heimat zu beteiligen und bereitete mich mit meiner Frau bereits vor, einen neuen Wirkungskreis zu suchen. Mein Bruder (Oskar, später als Buchhalter in einem Kibbuz lebend) und die Verwandten meiner Frau in Palästina wollen uns dabei behilflich sein.“

Gemeinsam mit Konrad Blenkle ist van Perlstein aktiv am antifaschistischen Widerstand beteiligt, organisierte z. B. auf einer Parzelle im Blockland eine illegale Maifeier oder verfasste Flugblätter. Am 2. September 1936 wird er erneut verhaftet und am 18. Februar 1938 im Prozess gegen Lührs u. A. vom OLG Hamburg wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu 5 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt. Seine Akte zeigt das berüchtigte „T“: – Rückkehr unerwünscht!

Im Zuchthaus Oslebshausen verbüßt er die Untersuchungs- und Strafhaft. Nach der Strafverbüßung wird van Perlstein am 4. September 1941 ins KZ Mauthausen überführt. Laut Totenbuch des KZ Mauthausen ist er am 6. Dezember 1941 verstorben. Angeblich auf der Flucht erschossen.

An seiner letzten Wohnadresse in Bremen Horn-Lehe befindet sich ihm zu Ehren ein „Stolperstein“.

Quelle: Wilhelm Eildermann: „Als Wanderredner der KPD unterwegs“, Dietz Verlag Berlin 1977

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