Walter Oldehoff: bereits vor ’33 als Antifaschist verurteilt

29. August 1932
Columbusstraße 15, Bremen-Walle

Walter Oldehoff (15.04.1908 – 29.04.1995) wurde als Sohn eines Schmiedes geboren. Der Vater, der zeitweilig in Walle ein Fahrradgeschäft führte, starb als Walter erst 5 Jahre alt war. Auch seine vier Geschwister starben bereits im frühen Alter. Seine Mutter musste den jungen Walter alleine groß ziehen und eröffnete aus dem Grund ein Gemüsegeschäft. Nach der Volksschule arbeitete er selbst zeitweise auf der Schiffswerft der Atlas Werke in Bremen. Bereits als junger Mann schloss sich Walter der kommunistischen Bewegung an. Er wurde Mitglied des Roten Jungsturms, des Rotfrontkämpferbundes** und der Roten Hilfe.
Sein politisches Engagement brachte ihn schon früh mit der Polizei in Bekanntschaft, denn mehrmals wurde er beim Plakatieren erwischt. Als Oldehoff 1929 arbeitslos wurde, widmete er sich immer stärker der politischen Arbeit, insbesondere in der KPD. Offensichtlich gehörte er zu den Funktionären, die von der politischen Polizei in Bremen beobachtet wurde, denn 1932 wurde seine Wohnung durchsucht, wobei umfangreiches Beweismaterial beschlagnahmt wurde. Erst nachdem die Nazis die Macht übernommen hatten wurde Oldehoff der Prozess gemacht, wobei zu bemerken sei, dass die KPD erst von den Nazis als staatsfeindlich eingestuft wurde. Am 29.08.1933 wurde er gemeinsam mit Diedrich Wiers aus Emden vom Reichsgericht wegen „Verbrechen der Vorbereitung des Hochverrats“ zu 3 Jahren Zuchthaus verurteilt*, wobei Oldehoff die 11 Monate und 3 Wochen, die er in Untersuchungshaft gesessen hatte, auf das Strafmaß angerechnet wurden. Außerdem verlor er für 5 Jahre seine bürgerlichen Ehrenrechte. Nach Verbüßung seiner Haftstrafe wurde Oldehoff in das KZ Esterwegen im Emsland eingesperrt, aus dem er erst 1936 entlassen wurde.
1938 heiratet Walter Oldehoff seine Frau Berta und beide zogen in die Columbusstraße in Walle ein. Dort wurde ihre Tochter Marianne geboren. Die Familie wurde während des Zweiten Weltkrieges dreimal ausgebombt. 1944 zogen sie auf eine Parzelle in der Bayernstraße, aus der später nach dem Krieg ein „Kaisenhaus“ wurde. Auf der Parzelle versteckte er unter eigener Lebensgefahr russische Kriegsgefangene vor dem Zugriff der Polizei oder Gestapo. Mit ihnen hörte er Nachrichtensendungen der Alliierten ab, deren Inhalt sie an ihre Leidensgenossen weitergaben..
Zum Ende des Krieges beteiligte Oldehoff sich in Bremen an der Gründung der „Kampfgemeinschaft gegen Faschismus“. Bis zu ihrem Verbot engagierte er sich aktiv in der KPD, wobei er vor allem in seinem Parzellengebiet im Blockland aktiv war. Am 29.04.1995 ist Wolter Oldehoff in seiner Heimatstadt Bremen gestorben.

*Eine Abschrift der Urteilsbegründung liegt dem Aktionskomitee für ein Dokumentations- und Informationszentrum Emslandlager e.V. (siehe www.diz-emslandlager.de) vor.

** Walter Oldehoff verfasste nach dem Krieg eine handgeschriebene Liste mit den Namen der Mitglieder seiner RFB-Gruppe im Bremer-Westen (RFB Liste Oldehoff). Zeitlebens versuchte er das Schicksal seiner Kameraden zu klären.

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