Zweifach verfolgt und schließlich ermordet: Mariechen Franz

Marie Franz
25. September 1944
Osterstraße 20/21, Bremen-Neustadt
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Maria Franz, geb. am 21.9.1927 im ostfriesischen Riepe, wurde im Alter von 17 Jahren im KZ Ravensbrück ermordet. Als Sintezza und als angeblich „Erbkranke“ wurde sie von den Nazis verfolgt. Ihr Leidensweg bis zu ihrem gewaltsamen Tod führte sie durch diverse Einrichtungen, die zum Teil vorgaben, „Hilfeträger“ zu sein.

Mariechen, wie sie genannt wurde, ist Kind einer alleinerziehenden Mutter, die gemeinsam mit ihren Eltern in einem Wohnwagen wohnt. Mit diesem Wagen zieht die Sinti Familie durch Nord-Deutschland. Während eines Aufenthaltes in Bremen erkrankt das Kind und muss in einem Krankenhaus aufgenommen werden. Anschließend kommt sie ins Kinderheim Mainstraße und später in eine Pflegefamilie nach Klein-Mackenstedt. Mariechen leidet in Folge verschiedener Krankheiten unter eine Beeinträchtigung ihres Hörvermögens. Ostern 1942 wird sie aus der zweiten Klasse der Volksschule entlassen. Die Enkelin der Pflegemutter, erinnert sich noch heute lebhaft an Mariechen. Wie sie von der einige Jahre Älteren betreut wurde, mit ihr spielte und auch an das innige Verhältnis, das zwischen Pflegemutter und -tochter bestand. Obwohl Mariechen wegen ihrer „rassischen Andersartigkeit“ bereits im dörflichen Klein-Mackenstedt diffamiert und ausgegrenzt wurde, hatte die Pflegefamilie ihr einen weitgehenden Schutz geboten. Mit dem Eintritt ins Arbeitsleben änderte sich diese Situation dramatisch. In einem Kindergarten der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) im Bremer Stadtteil Woltmershausen findet die inzwischen 14-Jährige eine Anstellung als Hausgehilfin. Die Leiterin des Kindergartens denunziert Mariechen auf Grund ihrer Sinti-Herkunft beim städtischen Jugendamt als „schwachsinnig, triebhaft, aufdringlich, hemmungslos und wenig leistungsfähig“. Das Jugendamt überweist Mariechen sofort ins Marthasheim, eine Jugendfürsorgeeinrichtung für Mädchen. Zwangsweise wird sie von dort in die Bremer Nervenklinik überführt. Möglicherweise verhindert dieser Aufenthalt, dass sie, wie die meisten anderen Sinti und Roma aus Bremen, im März 1943 nach Auschwitz abgeschoben wird.

Wegen ihrer Sinti-Zugehörigkeit und wegen ihrer angeblichen „Schwachsinnigkeit“ wird Mariechen im November 1943 in der Frauenklinik sterilisiert. Der verantwortliche Amtsarzt Otto Rogal setzt sich hiermit gegen die Meinung des Abteilungsarztes in der Klinik und des Bremer Erbgesundheitsgerichts durch. Mariechen‘s Leidensweg endet damit jedoch nicht. Über das „Versorgungsheim“ Farmsen wird sie ins KZ Auschwitz eingeliefert. Hier erhält das junge Mädchen im Unterarm ihre Nummer „Z 10544“ („Z“ für Zigeuner) eintätowiert. In Auschwitz, wo ihre Familie in den Jahren 1943–1944 ermordet wurde, entkommt sie den Gaskammern, weil sie als arbeitsfähig eingestuft wird. Aus diesem Grund wird sie schließlich ins Frauen-KZ Ravensbrück deportiert. Die mörderischen Lebens- und Arbeitsbedingungen führen an diesem Ort zu ihrem Tod. Am 25. September 1944 stirbt sie nur wenige Tage nach ihrem 17. Geburtstag.

Seit September 2008 erinnert in der Osterstraße 20/21 ein Stolperstein an Maria Franz.

Quelle: „Denn bin ich unter das Jugenamt gekommen. – Bremer Jugendfürsorge und Heimerziehung 1933 – 1945“ von Gerda Engelbracht (Edition Falkenberg) 2018. ISBN 978-3-95494-160-5

Bildmaterial: „Mariechen Franz Ende der 1930-Jahre“, wie auch die beiden anderen Bilder, wurden freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom Krankenhaus-Museum Bremen.

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