Die Marschroute der Zwangsarbeiter zur AG-Weser

Dieses Bild zeigt ein Wandgemälde von Zwangsarbeitern auf der Werft, von Peter John 1989
Dieses Bild zeigt den Zeitzeugen Detlef Dahlke
Dieses Bild zeigt die Marschroute der Zwangsarbeiter durch Gröpelingen
Dieses Bild zeigt den Zeitzeugen Heinz Rolappe
Dieses Bild zeigt den ehemaligen KZ-Häftling Rene Thirion
1. Januar 1944
Pastorenweg / Lindenhofstraße 117, Bremen
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Die Häftlinge des Gröpelinger KZ-Außenlagers “Schützenhof”1 mussten täglich den Weg zu ihren Zwangsarbeitsstellen auf der Deschimag-Werft (AG-Weser) zu Fuß zurücklegen. Unter Bewachung von Marinesoldaten in spezieller grüner Uniform und eines SS-Offiziers schleppten sie sich morgens vom Schützenhof an der Bromberger Straße durch die Thorner Straße bis zur Seewenjestraße. Von dort ging es entlang der Morgenlandstraße bis zum Pastorenweg und über die Lindenhofstraße und die Liegnitzstraße zum Werfteingangstor. (Siehe grün eingezeichnete Strecke im Stadtplan.) Auf dem Werftgelände mussten sie bis zum hinteren Ende der Werft zu ihren Arbeitsplätzen in der Maschinenfabrik II und beim U-Boot-Bunker Hornisse weitermarschieren.

Der Zeitzeuge Heinz Rolappe hatte 1944 als Halbwüchsiger den Leidensweg der Zwangsabeiter beobachtet: “… die waren vor Hunger so entkräftet, dass sie sich gegenseitig stützen mussten. Das funktionierte so, indem sie untergehakt in Fünferreihen auf der Fahrbahn liefen.”

Auch andere Gröpelinger hatten den Gefangenenzug gesehen. Der Gemüsehändler Heitmann berichtet: “Wenn die Sträflinge an unserem Geschäft Ecke Pastorenweg / Lindenhofstraße vorbeikamen, schnappte sich der eine oder andere von ihnen ein paar Gemüsereste, die mein Vater als Abfall in Kisten an die Straße gestellt hatte. Eines Tages hatte er soviel Mitleid mit den Gefangenen, dass er bewusst besser erhaltenes Gemüse an die Straße stellte. Das blieb nicht ohne Folgen. Noch am selben Tag erschien ein SS-Offizier in unserem Laden und drohte meinem Vater: “Wenn Sie das noch einmal machen, dann marschieren Sie morgen mit!”

Der Belgier René Thirion war aus Anlass der Errichtung einer Mahntafel beim Schützenhof im Frühjahr 2002 mit anderen Leidensgefährten nach Gröpelingen eingeladen worden. Er erinnert sich an den täglichen Marsch durch Gröpelingen und an die Bewacher: “Auf dem Weg zur Zwangsarbeit wurden wir von bewaffneten Marinesoldaten in spezieller grüner Uniform und einem SS-Offizier begleitet. An Kontakte zur Gröpelinger Bevölkerung kann ich mich nicht erinnern. Das war verboten, außerdem waren wir viel zu entkräftet, um unsere Umwelt richtig wahrzunehmen.”

Abends, wenn die anderen Werftarbeiter schon Feierabend hatten, ging es entlang der Kirchenallee, der Ort- und Lindenhofstraße wieder zurück. Kameraden, die vor Entkräftung auf der Werft gestorben waren, mussten in einem Karren mitgeschleppt werden. Diesmal wurde die Gröpelinger Heerstraße in Richtung Ritterhuder Straße überquert. Über Morgenlandstraße, Seewenjestraße und Hohensalzastraße wurde dann der Schützenhof wieder erreicht. (Siehe lila eingezeichnete Strecke im Stadtplan.) Auf dem Schützenplatzgelände angekommen, mussten die Leichen im Waschraum abgelegt werden.

Der Zeitzeuge Detlef Dahlke kann sich genau an den Rücktransport erinnern: “Ich war im Spätsommer 1944 als junger Soldat auf Heimaturlaub und wollte bei Foto Winkler ein paar Bilder von mir für meine Eltern anfertigen lassen. Als ich gerade vom Fotografen zurückkam, wurde ich an der Kreuzung Gröpelinger Heerstraße / Lindenhofstraße aufgehalten. Die Straße war voll von Schaulustigen. Niemand durfte die Fahrbahn betreten, weil gerade der Gefangenenzug die Kreuzung querte und in die Ritterhuder Straße einbog.”

Mehr zum Thema Zwangsarbeit auf der Werft und KZ-Häftlinge auf der AG-Weser in Originaldokumenten der Geschichtswerkstatt Gröpelingen und über Louise Nordholdt

Fußnoten

  1. Bilder und Texte nach einem Plakat der Geschichtswerkstatt Gröpelingen e.V. zur Rathausausstellung “Ein KZ wird geräumt” im Jahr 2003

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