Erwin Schulz, Gestapo Chef in Bremen und verurteilter Massenmörder

1. März 1934
Am Wall 199, Bremen
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Erwin Schulz (geb. 27.11.1900 in Berlin, zuletzt wohnhaft in der Hamburgerstraße in Bremen, dort gestorben am 11.11.1981) kämpfte bereits Dezember 1918/Januar 1919 in einem Garderegiment gegen die Räterepublik. 1921 schloss er sich dem Freikorps „Oberland“ an und wiederum zwei Jahre später der kasernierten Schutzpolizei von Walter Caspari in Bremen. Hier wurde er vor  allem in der sog. Politische Polizei eingesetzt, aus der später in Bremen die Gestapo (Geheime Staatspolizei) hervorging. Als Gestapo-Mitarbeiter war er mitverantwortlich für die Verfolgung politischer Gegner der Nazis, aber auch für die Verfolgung von Juden und Sinti. Der Gestapo unterstanden sowohl das KZ Mißler, wie auch das sog. Gosselhaus am Buntentorsteinweg als Folterstätte der SA und SS.
Schulz war seit 1932 Mitglied der NSDAP, der SS aber auch des „Lebensborn“.
1938 verließ Schulz Bremen in Richtung Reichsicherheitsamt in Berlin. Nach dem Anschluss Österreichs wurde Schulz beauftragt in Graz die Gestapo aufzubauen. Von dort führte seine berufliche Karriere ihn ins vormals tschechische Sudetenland, Hamburg, Berlin, sogar als SS-Brigadeführer in die besetzten sowjetischen Gebiete und zuletzt nach Salzburg. Überall hinterließ er eine blutige Spur.
Einen Tag nach der Kapitulation Nazi-Deutschlands stellte Schulz sich den Amerikanern. Ab Dezember 1947 stand er in Nürnberg wg. seiner Beteiligung an SS-Einsätzen in den besetzten Gebieten vor Gericht. Am 08.04.1948 wurde er wg. unter seiner Leitung exekutierten 90-100 Personen in Lemberg zu zwanzig Jahren Haft verurteilt. Diese wurde später auf 15 Jahre herabgesetzt. Seine Haft verbrachte er in Landsberg. Aus nicht näher bekannten Gründen setzten sich in den fünfziger Jahren die bremischen Sozialdemokraten Wilhelm Kaisen (Bürgermeister) und Adolf Ehlers (Senator für Inneres) sowie der ehem. Gestapo Schutzhäftling Alfred Faust (Regierungssprecher) für eine frühzeitige Entlassung von Erwin Schulz und dessen Rückkehr nach Bremen ein. Faust hatte bereits im Entnazifizierungsverfahren den ehem. Innensenator und politisch Verantwortlichen für das KZ Mißler, Theodor Laue, entlastet. Schulz wurde daraufhin am 09.01.1954 aus der Haft entlassen und erhielt in Bremen wiederum seine Dienstbezüge und bis zu seiner Pensionierung ein Übergangsgeld.

Quelle: „Auswärts eingesetzt – Bremer Polizeibataillone und der Holocaust“ von Prof. Dr. Karl Schneider, Klartext Verlag, Essen, ISBN 978-3-8375-0527-6

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