Geheime Staatspolizei (Gestapo) Bremen

Das Bild zeigt die Seufzerbrücke
16. Juli 1933
Am Wall 199, Bremen-Mitte

Die Geheime Staatspolizei, kurz Gestapo genannt, war ein kriminalpolizeilicher Behördenapparat und die Politische Polizei während der Zeit des Naziregimes von 1933 bis 1945. In Bremen ging die Gestapo aus der bereits vor 1933 gebildeten Zentralpolizeistelle der Polizeidirektion hervor. Durch die Verfügung des Innensenators Laue wurde dieser Polizeiverband am 16. Juli 1933 in die Gestapo verwandelt. Ab 1939 unterstand die Bremer Gestapo dem Reichssicherheitshauptamt (RSHA) in Berlin. Das Einsatzgebiet der Bremer Gestapo wurde kontinuierlich vergrößert und erstreckte sich zum Zeitpunkt der Auflösung durch die Alliierten über den gesamten Gau Weser-Ems, der u. a. Stade, Oldenburg, Wilhelmshaven, Aurich und Osnabrück umfasste.
Die Gestapo hatte ab 1934 ihre Zentrale im Haus Am Wall 199, wo sich heute das Justizzentrum befindet. Damit wurde sowohl eine organisatorische, als auch räumliche Trennung von der sonstigen Polizeiverwaltung vollzogen. Das Gebäude befand sich direkt neben dem Polizeihaus. Allerdings gelang man auf der Hofseite des Polizeihauses vom Hurrelberg zu einem Treppenaufgang, der zum Nachbargebäude der Gestapo führt. Der über der Treppe verlaufende Übergang wurde in der NS-Zeit „Seufzerbrücke“ genannt. Wenn Häftlinge über diese Brücke zum Verhör gebracht wurden, wussten sie, dass ihnen schwere Stunden bevor standen, denn hier war vor allem das Zimmer 450 berüchtigt.
Aufgabe der Gestapo war die Bekämpfung jeglicher Gegner des Regimes bzw. derjenigen, die man dafür hielt. So verfolgte man nicht nur politische Gegner/innen, sondern auch die jüdische Bevölkerung, Sinti und Roma, Homosexuelle, Zeugen Jehovas („Bibelforscher“) etc.
Anfänglich schickte die Gestapo verhaftete Kommunisten/innen zur „Sonderbehandlung“, eine verharmlosende Formulierung für Folter, in das ehem. KPD Haus am Buntentorsteinweg.

Oberster Dienstherr war von 1934 bis 1939 Erwin Schulz. Nachfolger wurde von August 1939 bis November 1940 Blomberg, der dann wiederum bis März 1943 durch die SS-Sturmbannführer und Oberregierungsrat Dr. Herbert Zimmermann abgelöst wurde. Anschließend leiteten bis Januar 1945 SS-Sturmbannführer und Oberregierungsrat Dr. Erwin Dörnte und bis zur Kapitulation 1945 Schweder die Gestapostelle in Bremen.

Das sog. „Judenreferat“ der Gestapo wurde zuerst von Wilhelm Parchmann und Friedrich Linnemann und ab Juni/Juli 1942 bis Oktober 1943 von Bruno Nette geleitet. In dieser Zeit war Nette für die Deportation der jüdischen Bevölkerung nach Minsk und Theresienstadt verantwortlich. Dabei handelte es sich um ca. 440 Bremer/innen und weitere 130 aus dem Regierungsbezirk Stade, die man bereits vorsorglich zum Abtransport nach Bremen gebracht hatte. Ab November 1944 übernahm Nette das Referat „Rechtsopposition“. Während Nette sich diesen Aufgaben widmete, übernahm Paul Siebert das „Judenreferat“. Dieser musste es jedoch im Herbst 1944 wieder zurück an Nette geben. Der übernahm damit auch die Verantwortung für die Deportation der letzten 165 verbliebenen Juden aus Bremen. 70 von ihnen schickte er noch am 13. Februar 1945 in ungeheizten Viehwaggons nach Theresienstadt. Fast alle konnten am 8. Mai von der Roten Armee befreit werden.

Besonders perfide ging das „Judenreferat“ der Gestapo gegen die Jüdische Gemeinde, bzw. das „Bremer Büro der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland“ vor. Die Leitung der Gemeinde wurde gezwungen, in „Eigenverantwortung“ die Organisation der Deportationszüge in die Konzentrationslager durchzuführen und entsprechende Listen zu fertigen. Die Deportationen wurden von der Gestapo angeordnet, aber für die Zusammenstellung der Transportlisten und die Information der betroffenen Familien war bis zu seiner Auflösung am 10. Juni 1943 das Bremer Büro zuständig. Abschließend wurde die Liste durch den für Bremen zuständigen NSDAP-Reichsstatthalter Carl Röver geprüft und genehmigt. Die Gestapo konfiszierte das materielle und finanzielle Eigentum der Deportierten und übergab es dem Reichsfinanzministerium.

Offensichtlich bediente sich die Gestapo auch in Bremen jüdischer Spitzel, um untergetauchten jüdischen Bürger/innen habhaft zu werden. In diesem Zusammenhang fällt häufig der Name Marianne Meyerhofer, engste Mitarbeiterin des bremischen Gestapo-Beamten Fritz Schöning. Später, als sie als „Greiferin“ aufgeflogen war, ging sie nach Berlin, wo sie wiederum als Spitzel tätig war. Ende des Krieges wurde sie, trotz der von ihr geleisteten Unterstützung der Nazis, durch diese ermordet.

Nach der Verabschiedung des „Gesetz zur Regelung der Rechtsverhältnisse der unter Artikel 131 des Grundgesetzes fallenden Personen“ vom 10. April 1951 erhielten alle Angehörigen der Gestapo und SD einen Rechtsanspruch auf Wiedereinstellung im öffentlichen Dienst, wenn sie nicht als „Hauptschuldige“ oder „Belastete“ eingestuft waren. Nur wenige von ihnen sind rechtskräftig verurteilt worden. Der ehem. Leiter der Gestapo, Erwin Schulz, wurde trotz seiner Verurteilung und langjährigen Haftstrafe 1954 freigelassen.

Quellen:
„Vergesst ja Nette nicht! – Der Bremer Polizist und Judenreferent Bruno Nette“ von Bernhard Nette, VSA: Verlag Hamburg.
„Bremen im 3. Reich – Anpassung, Widerstand, Verfolgung“ von Inge Marßolek und René Ott (Schünemann Verlag, Bremen)

 

 

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