Büro der Jüdischen Gemeinde und Bremer Büro der „Reichsvereinigung der Juden in Deutschland“

4. Juli 1939
Parkstraße 1, Bremen-Schwachhausen

In der Parkstraße 1 befand sich ein sog. „Judenhaus“, in dem die Nazis acht jüdische Familien untergebracht hatten, die zuvor aus ihren eigenen Häusern vertrieben wurden. In dieses Haus wurde auch das Büro der Jüdischen Gemeinde verlegt. Ursprünglich befand sich dies im Rosenakhaus neben der 1938 zerstörten Synagoge in der Kohlhökerstraße.

Zugleich befand sich im gleichen Haus an der Parkstraße das Büro der „Reichsvereinigung der Juden in Deutschland“. Diese Zwangsorganisation für alle jüdischen Bürger/innen wurde von den Nazis am 4. Juli 1939 auf Reichsebene gegründet und unterstand dem Reichssicherheitshauptamt in Berlin. Auf der lokalen Ebene war die Gestapo für den Verein zuständig. Der Verein existierte bis zum 10. Juni 1943, als alle Büros im Reichsgebiet geschlossen und ihre leitenden Mitarbeiter/innen deportiert wurden. Die ehem. Leiter der Vereinsbüros konnten jedoch zum Teil, so auch in Bremen, als „Vertrauensleute“ ihre Arbeit fortsetzen.

Perfiderweise musste der Verein unter großem Druck der örtlichen Gestapostellen und deren „Judenreferenten“ die Deportation der jüdischen Bevölkerung in die Konzentrationslager selbst organisieren, d. h. die Transportlisten zusammenstellen und die betreffenden Familien informieren. Aus Bremen hat der Gestapo „Judenreferent“ Bruno Nette mit Unterstützung des Vereins drei Deportationszüge in den Osten, vor allem nach Auschwitz, Theresienstadt und Minsk geschickt. Außerdem war Nette, ebenso wie andere Gestapo-Leute, verantwortlich für zahlreiche Einzelverschickungen jüdischer Bürger/innen in die Vernichtungslager. Genannt seien hier Wilhelm Parchmann, Friedrich Linnemann und vor allem Paul Siebert, der zeitweise ebenfalls Referatsleiter war.

Das Büro sowohl der Jüdischen Gemeinde in Bremen als auch das der Vereinigung wurden zuerst von Joseph Platzer, danach ab November 1941 von Carl Katz und ab Sommer 1942 bis zur Befreiung durch die Anti-Hitler-Koalition von Karl Bruck geleitet. Platzer und Katz wurden gemeinsam mit ihren Familien nach Theresienstadt deportiert, überlebten aber das dortige Ghetto. Sowohl Bruck als auch Katz wurden nach Kriegsende wg. ihrer Kollaboration mit der Gestapo angeklagt, jedoch nicht verurteilt.

Quellen:
„Vergesst ja Nette nicht! – Der Bremer Polizist und Judenreferent Bruno Nette“ von Bernhard Nette, VSA: Verlag Hamburg
„Bremen im 3. Reich – Anpassung, Widerstand, Verfolgung“ von Inge Marßolek und René Ott (Schünemann Verlag, Bremen)

 

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