„Judenhaus“ als Sitz der Israelitischen Gemeinde Bremen und des Bremer Büros der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland

Carl Katz Deportation Minsk
4. Juli 1939
Parkstraße 1, Bremen-Schwachhausen

Neben den über 40 „Judenhäusern“ in der Stadt hat das „Judenhaus“ in der Legion-Condor-Straße 1 (früher Park­stra­ße 1, heute Parkstraße/Ecke Schwachhauser Heerstraße) eine besondere Bedeutung erlangt. In die­sem Haus befand sich spätestens ab Ende 1941  der Sitz der Israelitischen Ge­mein­de Bremen. Das ursprüngliche Gemeindebüro in der Gartenstraße 7 (heute Rosenak-Haus) war nach der Pogromnacht 1938 in die Kohl­hö­ker­stra­ße 6 und anschließend nach hierher verlegt worden. Daneben waren hier zeitweise über 20 Personen untergebracht, die aus ihren Wohnungen vertrieben worden waren, unter ihnen auch die Familie Katz (vormals Isarstraße 33). Ab Anfang 1939 war Carl Katz Mitarbeiter der Gemeinde unter ihrem letzten Vorsteher Josef Platzer geworden.

Am 4. Juni 1939 wurden alle jüdischen Verbände und jüdischen Gemeinden aufgrund der 10. Verordnung zum Reichsbürgergesetz zwangsweise in die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland (RVJD) überführt. Alle Personen, die nach den Nürnberger Gesetzen als Juden galten, wurden gleichzeitig Zwangsmitglieder und hatten dafür Pflichtbeiträge zu  entrichten. Die Organisation war dem Reichssicherheitshauptamt in Berlin direkt unterstellt, die regionalen Zweigstellen unterstanden den jeweiligen Gestapostellen. Die Israelitische Gemeinde Bremen unterstand der Bezirksstelle Nordwestdeutschland der Reichsvereinigung in Hamburg (Leiter Dr. Max Plaut). Leiter des Bremer Büros war bis zu seiner Deportation 1941 in das Ghetto Minsk Josef Plat­zer, im Anschluss daran übernahm Carl Katz diese Funktion. Mit seiner Deportation in das Ghetto Theresienstadt 1942 übernahm danach Karl Bruck die Leitung als „Vertrauensmann für den Bezirk Bremen“ bis zum Kriegs­en­de.

Die Vertreter der Reichsvereinigung mussten un­ter gro­ßem Druck der örtlichen Gestapostellen die De­por­ta­ti­on der jü­di­schen Be­völ­ke­rung mitor­ga­ni­sie­ren, d. h. die Trans­port­lis­ten zu­sam­men­stel­len, die be­tref­fen­den Fa­mi­li­en in­for­mie­ren und z.B. für die Transportverpflegung sorgen. Weiter oblag ihr die soziale Unterstützung der verarmten jüdischen Gemeindemitglieder. Die Bremer Gemeinde musste 1942 nahezu ihr gesamtes Vermögen (über 400.000 RM) der RVJD übertragen. Alle von den Juden geforderten Zwangsabgaben gingen an die Reichsvereinigung. 1943 wurde die Geschäftsstelle in Berlin aufgelöst, ihr Vermögen beschlagnahmt und die letzten Mitarbeiter in Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger deportiert. Gleichwohl blieben die regionalen Vertretungen bestehen.

Das Gebäude wurde im Krieg zerstört. 2010 wurden hier 25 Stolpersteine in Gedenken an die ehemaligen ermordeten Bewohner*innen verlegt.

Auf dem Bild sieht man Carl Katz in der hinteren Reihe oben links (am 18.11.1941, De­por­ta­ti­on nach Minsk).

 

 

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Diese Seite wurde zuletzt am 1. Februar 2021 geändert

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