„Bambüddel“, das Kaufhaus der kleinen Leute

Das Bild zeigt das Bamberger Haus heute
Das Bild zeigt das Bamberger Haus um 1930
1. April 1933
Faulenstr. 69, Bremen

September 1907 wurde im Faulenquartier in Bremen vom jüdischen Kaufmann Julius Bamberger (1880-1951) sein erstes Arbeiterkaufhaus, ein Kurz-, Weiß- und Wollwarengeschäft, gegründet. Später, im Jahr 1929, wird er es ersetzen durch das erste moderne Kaufhaus der Stadt,  dessen Etagen zum Teil über Rolltreppen mit einander verbunden sind. Besonders hervor sticht der sog. „Juliusturm“ des Gebäude hervor, der über 9 Stockwerke verfügt. Von den Bremern/innen wird das Gebäude liebevoll „Bambüddel“ genannt. Gern genutzt wird das Café auf dem Dach des Gebäudes. Insbesondere die Arbeiterbevölkerung aus dem Westen der Stadt kauft hier gerne ein, wohl auch, weil Bamberger den Kunden das Anschreiben der Rechnungen erlaubt. Aber auch weil es im Kaufhaus eine „Armenküche“ gibt, in der man kostengünstig essen kann.
Bamberger ist verheiratet mit Thekla Friedel „Friedel“ Rau, eine evangelische Christin. Gemeinsam adoptieren sie die Zwillinge Anni Liselotte „Anneliese“ und Egon Johannes. Privat wohnt die Familie in der Parkallee 44 (hier befinden sich auch Stolpersteine für die Familie) im großbürgerlichen Schwachhausen.

Einerseits auf Grund der weltweiten Wirtschaftskrise, andererseits auf Grund der Boykottmaßnahmen der NSDAP gegen von jüdischen Bürgern geführten Geschäften ging der Umsatz allmählich zurück. April ’33 wurde Julius Bamberger für mehrere Wochen im Ostertorgefängnis inhaftiert. Die Eltern beschließen daraufhin ihre beiden Kinder in die Schweiz auf ein Internat zu schicken.
Auf Bamberger selbst wird seitens der NSDAP erheblich Druck ausgeübt, sein Geschäft kostengünstig zu „verkaufen“. 1937 wirdidie Firma aufgelöst, das Gebäude 1939 zwangsversteigert.  Während seine Frau aus nicht geklärten Gründen in Bremen bleibt, gelingt Julius Bamberger mit beiden Kindern die Flucht. Diese führt zuerst in die Schweiz, später nach Paris und anschließend über Spanien nach USA, wo er 1951 in Los Angeles starb. „Friedel“ Bamberger hat sich bereits am 23. Juni 1940 in Bremen für den Freitod entschieden.

Bei einem Bombardement in den letzten Kriegsmonaten wird das frühere Kaufhaus schwer beschädigt. Nach der Renovierung sind im Gebäude verschiedene staatliche Ämter untergebracht. Seit 2007 ist im nochmals neu renovierten Gebäude die Volkshochschule Bremen untergebracht. Im Treppenhaus erinnert eine Ausstellung am Leben Julius Bamberger.

Quelle: Günther Rohdenburg „Das war das neue Leben. Leben und Wirken des jüdischen Kaufhausbesitzers Julius Bamberger und seiner Familie“ (Edition Temmen, 2010)

 

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