Bremer Schutzpolizist Johann Mechels wird zum Partisanenjäger

Johann Mechels - Passbild StAB 4,10
24. August 1944
Ottilie Hoffmannstr. 75, Bremen

Johann Gerhard Mechels wurde am 2. November 1897 in Ihrhove/Ostfriesland in einer Familie mit 17 Kindern geboren. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er  in verschiedenen Einheiten an der Westfront. Nach seiner Entlassung aus dem Heer schloss er sich dem Freikorps Caspari an, das sich 1919 maßgeblich an der Niederschlagung der Bremer Räterepublik beteiligte. Anschließend trat er in Bremen der Sicherheitspolizei bei, die inzwischen unter der Leitung von Oberst Walter Caspari, dem ehem. Freicorpsführer, stand.

November 1929 heiratet Mechels und bekommt mit seiner Frau zwei Kinder. Zu diesem Zeitpunkt verrichtet er seinen Dienst bei der kasernierten Schutzpolizei im Bereich Hafen. Juli 1937 tritt er in die NSDAP ein und wird in September des gleichen Jahres zum Hauptmann befördert.

Nach der Eingliederung der Sudetengebiete übernimmt Mechels dort die Führung der Schutzpolizei und führt anschließend Polizeieinsätze im besetzten Böhmen und Mähren durch. Offensichtlich hat Mechels einen guten Eindruck hinterlassen, denn seine Vorgesetzten schicken ihn zu einer Fortbildung für Hauptleute an der Polizei-Offiziersschule in Berlin-Köpenick.

November/Dezember 1942 leitet er in Warschau einen Sondereinsatz der Ordnungspolizei in Warschau. Im gleichen Jahr ist seine Kompanie, das „Polizei Wach-Bataillon Nürnberg“ an der Vernichtung von Kortelisy und an der Vernichtung des Ghettos in Brest-Litowsk beteiligt.

Juni 1943 kehrt Mechels zurück nach Bremen. Er gehört als Kommandeur dem „III Bataillon“ im SS-Polizeiregiment „Todt“ an. Ab Ende Juli 1943 ist er mit seinem Bataillon in der niederländischen Provinz Drenthe stationiert, später auch zur Partisanenbekämpfung in Frankreich und Slowenien.

Am 24. August 1944 ist Mechels wieder zurück in Bremen und zwar im Stab der Schutzpolizei. Als April 1945 britische Truppen Bremen besetzen, wird er von diesen bis Februar 1946 in verschiedenen Lagern, nicht weit von Bremen entfernt, interniert. Als er daraus entlassen wird, ordnet die amerikanische Militärregierung allerdings seine Entlassung aus der Schutzpolizei an. Mechels gilt als „belastet“. Für Niedersachsen ist dies allerdings kein Grund Mechels nicht einzustellen und so tritt er dort seinen Dienst bei der Verkehrspolizei in Aurich an.

Juni 1948 wird Mechels jedoch von seiner Vergangenheit beim Einsatz in den Niederlanden eingeholt. Auf Weisung der US-Militärregierung wird er erneut interniert und anschließend an die Niederlande ausgeliefert. Als verantwortlicher Kommandeur wird Michels am 12. Januar 1949 wegen der Exekution von 16 niederländischen Geiseln, darunter sogar zwei 13- und 17-jährigen Jungen, von einem niederländischen Kriegsgericht zu 20 Jahren Haft verurteilt. Fast zwei Jahre später wird die Strafe nach einem Berufungsverfahren auf 14 Jahre verkürzt.
Erstaunlicherweise wird Mechels nur 5 Jahre später begnadigt und am 22. Dezember 1954 aus der niederländischen Haft in Breda entlassen. Zum damaligen Zeitpunkt waren in Breda noch 52 deutsche Kriegsverbrecher inhaftiert, darunter auch drei Bremer. Einer von ihnen war der ehem. Bremer Kriminalkommissar Hans Stöver, der in den Niederlanden erster Kommandant des Internierungslagers bzw. „Schutzhaftlagers“ Schoorl war. Er wurde von einem niederländischen Gericht sogar zum Tode verurteilt, jedoch später begnadigt.

Nach seiner Entlassung zieht Mechels zurück nach Bremen, wo seit 1952 seine Familie in Schwachhausen lebt. Mechels bemüht sich nach seiner Rückkehr vergeblich in Niedersachsen und Bremen um eine Wiedereinstellung im öffentlichen Dienst. Deutsche Ermittlungsverfahren wegen seiner Verbrechen in den Niederlanden verlaufen im Sande.
Als Rentner übt Mechels in Bremen verschiedene ehrenamtliche Tätigkeiten aus, u.a. im Reichsbund, im Volksbund deutscher Kriegsgräberfürsorge sowie in der evangelischen Kirche.

Johann Mechels verstarb 1978 und wurde in Ihrhove beerdigt.

Quelle: Diese „Spur“ beruht auf den Recherchen von Karl Schneider, im Jahr 2011 veröffentlicht im Buch: „Auswärts eingesetzt – Bremer Polizeibataillone und der Holocaust“ im Klartext-Verlag.

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