Karl Wastl: ein Bayer im Widerstand in Bremen

2. April 1933
Kirchheide 83, Bremen-Vegesack

Karl Wastl wurde am 26. Januar 1889 im bayrischen Dorfen geboren. Beruflich war er gelernter Kupferschmied. Mit 19 Jahren trat er der Sozialdemokratischen Partei und dem Verband der Kupferschmiede bei. Im Ersten Weltkrieg wurde er 1915 schwer verwundet.

Nach dem Krieg verschlug es ihn nach Bremen. Er arbeitete dort in seinem Beruf auf der Bremer Vulkanwerft in Vegesack. Dort wurde er zum Vertrauensmann und zum Betriebsrat gewählt. Ab 1920 war er Vorsitzender des Kupferschmiedeverbandes in Vegesack. Als sich die SPD 1918 in der Frage der Zustimmung zu den Kriegskrediten spaltete, stellte sich Wastl auf die Seite der Kriegsgegner*innen und trat in die USPD ein. 1920 wurde er Mitglied der KPD.

Nach der Besetzung der Vulkanwerft und die Wollkämmerei 1923 musste Wastl untertauchen und wurde im ganzen Reich polizeilich gesucht. Bis 1926 war er auf der Flucht. In dieser Zeit soll er sich in der Sowjetunion aufgehalten haben. Wegen einer Amnestie konnte er nach Bremen zurückkehren. In den Folgejahren übte er innerhalb der KPD verschiedene Funktionen aus. Zusätzlich war er Gemeinderatsmitglied in Aumund und Mitglied des Kreistages Blumenthal. 1932 nominierte ihn die KPD in Oldenburg für die Landtagswahlen als Spitzenkandidaten. Wastl wurde gewählt.

In Oldenburg hatte die NSDAP zu diesem Zeitpunkt die absolute Mehrheit erreicht und somit den ersten Ministerpräsidenten einer nationalsozialistischen Landesregierung gestellt. Als Wastl feststellen musste, dass seine Arbeit wegen der Mehrheitssitze der NSDAP im Landtag keinen Sinn mehr machte, legte er im September 1932 sein Mandat nieder und kehrte nach Aumund zurück.

Karl Wastl wurde nach der Machtübergabe an die Nazis am 2. April 1933 von der Gestapo verhaftet und bis zum 22. Dezember in sog. Schutzhaft zuerst im Untersuchungsgefängnis Bremen-Blumenthal festgehalten. Ab August befand er sich im Konzentrationslager Esterwegen, später jedoch wieder freigelassen.

Wie viele andere KPD-Funktionäre wurde er am 1. September 1939 erneut festgenommen und ins KZ Sachsenhausen verbracht. In diesem KZ war eine große Zahl sowjetischer Kriegsgefangener, die vom Hungertod bedroht waren. Die illegale Lagerleitung der politischen Häftlinge beschloss eine Solidaritätsaktion für diese Häftlinge durchzuführen, genannt die „Rote Kuhle“. Die Aktion flog auf. Wastl wurde zusammen mit 149 weiteren Häftlingen am 11. August 1944 in eine Isolierbaracke verfrachtet. Zwei Monate später wurden 27 der Häftlinge, zumeist Kommunisten, von der SS erschossen. Wastl überlebte, wurde aber mit den anderen ins KZ Mauthausen bei Linz verschleppt. Am 5. Mai 1945 befreiten US-Truppen die überlebenden Häftlinge des Lagers.

Unmittelbar nach seiner Befreiung kehrte er nach Bremen zurück und beteiligte sich am Aufbau der Gewerkschaften. In Bremen-Nord wurde er am 1. November 1945 Sekretär der IG Metall. Er trat auch wieder der KPD bei, geriet aber bald in Widerspruch zur Führungsebene der Partei. Entnervt trat Wastl 1948 aus der KPD aus.

Im November 1954 gab er die Funktion des Gewerkschaftssekretärs der IG Metall auf und ging in Rente. Karl Wastl starb am 7. März 1963 in Löhnhorst. In Dorfen erinnert eine nach ihm benannte Straße an Karl Wastl, während in Bremen-Vegesack ihm zu Ehren eine Tafel am ehem. Gewerkschaftshaus in der Lindenstraße montiert wurde.

Quelle: Hans Elias von der Geschichtswerkstatt Dorfen, siehe auch www.geschichtswerkstatt-dorfen.de/personen/wastl-karl

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