Margarete Warner, Opfer des Euthanasie-Programms

Stolperstein Margarete Warner
19. Februar 1944
Möckernstraße 55, Bremen-Neustadt

Margarete Leidenfrost wurde am 23. Dezember 1899 als Tochter von Eduard und Elisabeth Leidenfrost in Bremen geboren. Margarete arbeitete seit ihrem 18. Lebensjahr als Hausmädchen. Sie wechselte sehr oft die Stellen, war immer wieder auch ohne Arbeit und dadurch von der Sozialfürsorge abhängig. Seit 1924 hatte sie wegen gesundheitlicher Probleme immer wieder mit dem Pflegeamt zu tun oder war wegen kleinerer Delikte („Erregung öffentlichen Ärgernisses“ u. a.) inhaftiert.

Am 28. Juli 1928 heiratete sie August Warner (geb. 1901) aus Woltmershausen. Die Ehe war besonderen Belastungen ausgesetzt: zum einen geriet August Warner schnell immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt und saß mehrfach für ein bis zwei Wochen in Haft. Zum anderen waren Margarete als auch ihr Ehemann zwischen 1931 und 1933 wiederholt ohne festen Wohnsitz. Schließlich wurde August Warner im Mai 1934 in Frankfurt/Main verhaftet und kehrte nicht nach Bremen zurück.

Margarete Warner wurde zwischen 1929 und 1934 immer wieder in die Bremer Nervenklinik Ellener Dorfstraße aufgenommen, weil sie in anderen Einrichtungen auf Grund ihres Verhaltens nicht gehalten werden konnte. 1931 wurde sie entmündigt. Vom 6. Februar bis zum 5. April 1932 war sie in der Möckernstraße 55 in der Neustadt gemeldet.

Ab 1934 war sie dann bis zu ihrer Verbringung nach Meseritz-Obrawalde im Dezember 1943 Dauerpatientin in der Bremer Nervenklinik. Dort arbeitete sie laut ihrer Krankenakte die ersten Jahre „fleißig“, später dann mit „geringer Arbeitsleistung“.

Im Mai 1943 machte sie den Versuch, entlassen zu werden, indem sie sich per Postkarte an das Arbeitsamt wandte, mit der Bitte um eine Stelle in der Landwirtschaft („da ich früher schon mal auf dem Lande tätig war und ich perfekt melken kann!“). Dies wurde auch von ihrem Vormund befürwortet, von der Klinik aber als nicht sinnvoll abgelehnt.

Am 9. Dezember 1943 wurde Margarete Warner in die Landeskrankenanstalt Meseritz-Obrawalde verlegt, wo sie nach nur zehn Wochen am 19. Februar 1944 im Alter von 43 Jahren Opfer des nationalsozialistischen Euthanasie-Programms wurde und starb.

August Warner war bereits vor der Ermordung von Margarete am 23. September 1943 im Konzentrationslager Natzweiler/Struthof (Frankreich) in „Schutzhaft“ genommen worden und am 3. Dezember 1943 unter der Haftnummer 17930 in das Konzentrationslager Buchenwald überstellt. Den Hintergrund für die Einweisung August Warners in das KZ Natzweiler bildete eine Vereinbarung zwischen dem Reichsführer-SS Himmler und Reichsjustizminister Otto Thierack vom September 1942. Dieser zufolge sollten die Justizvollzugsanstalten des Deutschen Reiches sukzessive von Sicherungsverwahrungshäftlingen „gesäubert“ und der SS übergeben werden. Als Ziel der Maßnahme wurde explizit die Vernichtung der betreffenden Personen durch Arbeit formuliert.

August Warner starb am 20. Januar 1944 im KZ Außenlager Dora bei Nordhausen an den Folgen von KZ-Haft und körperlicher Zwangsarbeit. Als letzte Bremer Wohnanschrift hatte er bei seiner Inhaftierung seine Schwester Elfriede Pilger, Am Brill 16, angegeben.

Seit dem 13. Oktober 2020 macht ein Stolperstein vor dem Haus Möckernstraße 55 auf das Schicksal von Margarete Warner aufmerksam.

Quellen:
„Stolpersteine in Bremen-Neustadt“, Sujet-Verlag, 2020, Beitrag von Michael Berthold
StA Bremen Einwohnermeldekartei
Archiv Klinikum Bremen-Ost, Krankenakte
ITS Digital Archive, Bad Arolsen

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