Cayo Pelegay Villoque – Vom Spanischen Bürgerkrieg in ein Bremer KZ

Cayo Pelegay Villoque, ca. 1940; Foto: In Familienbesitz.
Die Armbanduhr von Cayo Pelegay Villoque wurde vor der Rückgabe an seine Familie von den Arolsen Archives verwahrt, Foto : In Familienbesitz.
Ein Kriegsdenkmal in Flesselles zeigt auch die Namen der im Juni 1944 Deportierten, Foto: Anja Hasler.
15. Juli 1944
Lagerstraße, Bremen

Cayo Pelegay Villoque wurde am 22. April 1898 in der spanischen Gemeinde Boquiñeni (Region Aragón) geboren. Er war Farmer und Mitglied der marxistischen Gewerkschaft Unión General de Trabajadores (UGT). Zwei seiner älteren Brüder waren ebenfalls politisch aktiv. Marcial Pelegay Villoque war Gemeinderat der sozialistischen Partei PSOE und Bürgermeister des Dorfes. Miguel Pelegay Villoque engagierte sich in der Partei Izquierda Republicana.

Im Juli 1936 putsche ein Teil des spanischen Militärs gegen die demokratisch gewählte Regierung der Zweiten Spanischen Republik. Es folgte ein dreijähriger Bürgerkrieg, in dem die faschistischen Kräfte, unterstützt durch Monarchist*innen, Großgrundbesitzer*innen und die Kirche gegen die Republik und ihre Unterstützer*innen kämpften. General Francisco Franco avancierte zum Oberbefehlshaber und wenig später zum Chef der im September 1936 ausgerufenen Gegenregierung. Das nationalsozialistische Deutschland unterstütze Franco, weswegen der Spanische Bürgerkrieg auch als Auftakt des Zweiten Weltkrieges bezeichnet wird. Der Krieg endete mit dem Sieg Francos, der bis zu seinem Tod 1975 an der Macht blieb.

Boquiñeni wurde gleich zu Beginn des Bürgerkrieges von den Anhängern Francos besetzt. Cayo Pelegay floh mit anderen Dorfbewohnern in die republikanische Zone. Eine Woche nach seiner Flucht wurde sein Bruder Marcial verhaftet und nach Zaragoza gebracht, wo er am 1. August 1936 erschossen wurde. Am 20. August richteten Franquisten seinen Bruder Miguel und 20 weitere Personen in dem benachbarten Dorf Mallén hin. Die Familie vermutet, dass Cayo Pelegay auf republikanischer Seite gegen Francos Truppen kämpfte und gegen Ende des Krieges nach Frankreich floh. Er arbeitete dort für eine Familie in der Landwirtschaft. Eine Rückkehr nach Spanien war ihm nicht möglich; dort drohte den politischen Gegnern der Franco-Diktatur Folter, Lagerhaft oder Hinrichtung.

Im Mai 1940 überfiel die deutsche Wehrmacht Frankreich und besetzte den Norden des Landes. Cayo Pelegay stellte einen Ausreiseantrag bei der mexikanischen Botschaft, ohne Erfolg. Am 25. Juni 1944 wurde Cayo Pelegay in in der nordfranzösischen Gemeinde Flesselles festgenommen. Zwischen dem 25. und dem 28. Juni 1944 nahm die Gestapo insgesamt 22 Menschen in Flesselles gefangen, als sogenannte Vergeltungsaktion für die Flucht eines zuvor verhaftetem   Widerstandskämpfers.[1] Es ist unklar, ob Cayo Pelegay selbst Mitglied einer Widerstandsgruppe gewesen ist. Es gibt allerdings Hinweise darauf, dass er den Arbeitsdienst für die deutschen Besatzer verweigerte.[2] Die Gefangenen wurden zunächst in die Zitadelle von Amiens gebracht und von dort in das Lager Royallieu bei Compiègne überstellt, zu diesem Zeitpunkt ein Sammellager für Deportationen in deutsche Konzentrations- und Vernichtungslager. Am 15. Juli 1944 wurde Cayo Pelegay nach Neuengamme deportiert, wo er die Häftlingsnummer 37272 bekam. Er wurde an das KZ-Außenlager Bremen-Farge überstellt und musste auf der Baustelle des Bunker „Valentin“ schwerste Zwangsarbeit verrichten. Bereits nach wenigen Monaten, am 15. Februar 1945, starb er im Alter von 46 Jahren an den Folgen der Zwangsarbeit und der unmenschlichen Zustände im Lager.[3] Es gibt jedoch kein Grab und keinen Hinweis darauf, was mit seinen sterblichen Überresten geschah.

Seine Verwandten suchten vergeblich nach Informationen über seinen Verbleib. Erst im Jahr 2016 fand ein Urgroßneffe heraus, dass er nach Neuengamme und Bremen deportiert worden und dort gestorben war. Eine Armbanduhr, die Cayo Pelegay bei der Ankunft im KZ abgenommen wurde, konnte inzwischen an die Familie zurückgegeben werden.

Außer Cayo Pelegay wurden mindestens folgende Personen aus Flesselles nach Bremen-Farge deportiert:

Gaston Linier (gestorben am 21.01.1945 im Hauptlager Neuengamme)
Marcel Vasseur (Schicksal unbekannt)
Ernest Domon (gestorben am 16.03.1945 in Bremen-Farge)
Émile Deflechelle (Schicksal unbekannt)

In Flesselles erinnern heute zwei Denkmäler an die Deportierten.

Text: Anja Hasler

[1]     Vgl. Benoist, Bernard: Histoire de Flesselles, Abbeville 1990, S. 221f.

[2]     Siehe P. Puebla: El reloj del prisionero 37272, in: Heraldo de Aragon, URL: https://www.heraldo.es/noticias/aragon/2019/03/22/reloj-prisionero-37272-campos-concentracion-nazi-1304706.html (22.3.2019).

[3]     Die offizielle Todesursache lautete „Herzschwäche infolge Sepsis bei Phlegmone“, Totenschein Cayo Pelegay Villoque, Arolsen Archives, DE ITS 1.1.30./01013002oS.

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