Außenkommando “Schützenhof”

Bild über Inschrift der Denkmaltafel am Schützenhof
Bild vom Zeitzeugen René Thirion
8. April 1944
Bromberger Straße 117, Bremen
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Nach einer zwangsverfügten Übereignung des Geländes der Bremer Schützengilde an der Brombergerstraße in Gröpelingen wurden dort mit Kriegsbeginn über 200 indische Seeleute der Deutschen Dampfschifffahrtsgesellschaft Hansa interniert. Im Mai 1940 wurden hier für einige Tage Sinti und Roma aus dem Weser-Ems-Gebiet interniert und nach Hamburg transportiert, von wo aus sie nach Polen deportiert wurden. Bis heute ist weder ihre Anzahl, noch die Zahl der Opfer bekannt. Außerdem diente das Gebäude als Unterbringungsort für ausländische (Zwangs?) Arbeiter der Bremer Stadtwerke. 1943 wurde der Schützenhof bei einem Bombenangriff zerstört. In den Resten brachte man trotzdem noch Häftlinge unter. Ab Weihnachten 1944 wurden etwa 600-700 KZ-Häftlinge aus dem Außenlager Bahrs Plate (Blumenthal), die bis dahin täglich mit dem Schiff zu ihrer Arbeit auf der DESCHIMAG (A.G. Weser) befördert wurden, in den vier Baracken untergebracht, 30 Männer auf 5 mal 5 Metern. Auf der AG Weser mussten sie Bleche stanzen, Teile für Schiffsmotoren fertigen oder Granatenrohlinge drehen.

1.054 Neuengamme-Häftlinge aus 17 Nationen durchliefen dieses Außenlager in Blumenthal, darunter 464 Juden aus Ungarn, Polen oder staatenlos, 265 Sowjetbürger, 144 Belgier, 55 Franzosen. 257 von ihnen starben in etwas mehr als drei Monaten am Mangelernährung, Entkräftung oder Misshandlungen bei einem zehnstündigen Arbeitstag.

Am 7. und 8. April 1945 begann für die 582 verbliebenen KZ-Häftlinge der zehntägige Todesmarsch nach Neuengamme, bzw. nach Bergen-Belsen (letzteres betraf die jüdischen Häftlinge). Viele fanden bei der Bombardierung der KZ-Schiffe Kap Arcona oder Thielbeck in der Nacht vom 3. Auf den 4. Mai in der Ostsee den Tod, auf die sie mit tausenden weiterer Neuengamme-Häftlinge getrieben worden waren.

Eine erste Gedenktafel wurde am 29. April 2002 an der Mauer neben dem heutigen Schützenhof eingeweiht (siehe Bild). Eine zweite folgte am 29. August 2004. In drei Sprachen erinnert sie an die Toten aus dem belgischen 900 Seelen-Dorf Meensel-Kiezegem, 40 km von Brüssel. Bei zwei Razzien flämischer SS unter deutschem Kommando wurden 98 Bewohner listenmäßig selektiert und zu Verhören durch den Sicherheitsdienst nach Löwen und Brüssel gebracht. 68 von ihnen wurden Ende August 1944 ins KZ Neuengamme deportiert, fünf überlebten. Zweiundzwanzig Dorfbewohner kamen in die Außenkommandos Blumenthal und Schützenhof.

Mehr über die KZ-Haeftlinge auf der Werft findet man in einem Originaldokument der Geschichtswerkstatt Gröpelingen. Außerdem eine undatierte Rede von René Thirion (siehe Bild), ehem. belgischer Häftling des Lagers “Schützenhof”.

Quelle: u.a. Hans Hesse und Jens Schreiber “Vom Schlachthof nach Auschwitz”, Tectum Verlag Marburg 1999 S. 90/92

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