Außenkommando „Schützenhof“

Bild über Inschrift der Denkmaltafel am Schützenhof
Bild vom Zeitzeugen René Thirion
Schützenhof Gröpelingen
8. April 1944
Bromberger Straße 117, Bremen
Schlagwörter , , , ,

Ursprünglich war der „Schützenhof“ ein Ausflugs- und Vergnügungsort vor den Toren der Stadt. 1907 errichtete die Bremer Schützengilde von 1904 e.V. dort  eine Schießanlage und eine Gaststätte. Nach einer zwangsverfügten Übereignung des Geländes der Bremer Schützengilde wurden dort mit Kriegsbeginn am 1. September 1939 über 238 indische Seeleute der Deutschen Dampfschifffahrtsgesellschaft Hansa interniert. Als Commonwealth-Angehörigen galten sie als Britten. Sie waren im Frühsommer 1939 in Kalkutta und Bombay angeworben wurden und auf deutschen Schiffen eingesetzt. Später wurden sie in die Niederlande abgeschoben.

Im Mai 1940 wurden im Sammellager Sinti und Roma aus dem gesamten Weser-Ems-Gebiet der Kripoleitstelle Bremen interniert, bevor sie über Hamburg nach Polen deportiert wurden. Bis heute ist weder ihre Anzahl, noch die Zahl der Opfer bekannt. Mutmaßlich sind es ca. 1.000 gewesen.
Außerdem diente das Gebäude als Unterbringungsort für ausländische, insbesondere polnische, zivile Zwangsarbeiter der Bremer Stadtwerke.
1943 wurde der Schützenhof bei einem Bombenangriff zerstört. In den Resten, aber auch in neu errichteten Baracken, brachte man dennoch Häftlinge unter. Ab Weihnachten 1944 wurden etwa 600-700 KZ-Häftlinge aus dem Außenlager Bahrs Plate (Blumenthal), die bis dahin täglich mit dem Schiff zu ihrer Arbeit auf der DESCHIMAG (A.G. Weser) befördert wurden, in den vier Baracken untergebracht, 30 Männer auf 5 mal 5 Metern. Auf der AG Weser mussten sie Bleche stanzen, Teile für Schiffsmotoren fertigen oder Granatenrohlinge drehen.

1.054 Neuengamme-Häftlinge aus 17 Nationen durchliefen dieses Außenlager in Blumenthal, darunter 464 Juden aus Ungarn, Polen oder staatenlos, 265 Sowjetbürger, 144 Belgier, 55 Franzosen. 257 von ihnen starben in etwas mehr als drei Monaten am Mangelernährung, Entkräftung oder Misshandlungen bei einem zehnstündigen Arbeitstag.

Am 7. und 8. April 1945 begann für die 582 verbliebenen KZ-Häftlinge der zehntägige Todesmarsch nach Neuengamme, bzw. nach Bergen-Belsen (letzteres betraf die jüdischen Häftlinge). Viele fanden bei der Bombardierung der KZ-Schiffe Kap Arcona oder Thielbeck in der Nacht vom 3. Auf den 4. Mai in der Ostsee den Tod, auf die sie mit tausenden weiterer Neuengamme-Häftlinge getrieben worden waren.

Eine erste Gedenktafel wurde am 29. April 2002 an der Mauer neben dem heutigen Schützenhof eingeweiht (siehe Bild). Eine zweite folgte am 29. August 2004. In drei Sprachen erinnert sie an die Toten aus dem belgischen 900 Seelen-Dorf Meensel-Kiezegem, 40 km von Brüssel. Bei zwei Razzien flämischer SS unter deutschem Kommando wurden 98 Bewohner listenmäßig selektiert und zu Verhören durch den Sicherheitsdienst nach Löwen und Brüssel gebracht. 68 von ihnen wurden Ende August 1944 ins KZ Neuengamme deportiert, fünf überlebten. Zweiundzwanzig Dorfbewohner kamen in die Außenkommandos Blumenthal und Schützenhof.

Mehr über die KZ-Haeftlinge auf der Werft findet man in einem Originaldokument der Geschichtswerkstatt Gröpelingen. Außerdem eine undatierte Rede von René Thirion (siehe Bild), ehem. belgischer Häftling des Lagers „Schützenhof“.

Quelle: u.a. Hans Hesse und Jens Schreiber „Vom Schlachthof nach Auschwitz“, Tectum Verlag Marburg 1999 S. 90/92
Bild: Aktuelles Bild des Schützenhofes aus 2015 freundlicherweise von Claudia Bade zur Verfügung gestellt.

Kommentieren Sie den Beitrag

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*