Theo Roodvoets, als Arbeitssklave in Farge ermordet

Theo Roodvoets
Grabstein Theo R. Roodvoets
23. Februar 1944
Lagerstraße, Bremen-Farge

Theo Roodvoets wird am 24. März 1917 in Aduard in der niederländischen Provinz Groningen geboren. Bereits im Kindesalter stirbt seine Mutter. Dem verwitweten Vater entzieht das Jugendamt das Sorgerecht. Gemeinsam mit seinem Bruder Adri wird Theo in Pflegefamilien untergebracht. Seine Schwestern bringt man in einer anderen Pflegefamilie unter.

Als Erwachsener ist Theo als Hausmaler tätig. Nach der Besetzung der Niederlande durch die Wehrmacht wird er, wie viele anderen auch, von der niederländischen Arbeitsamtsverwaltung als Zwangsarbeiter nach Deutschland geschickt. Dort wird er gezwungen als Arbeitssklave in Hannover, Berlin und Riga zu arbeiten. 1943 gewährt man ihm Urlaub in der Heimat. Durch die schwere Arbeit in der Ferne ist er körperlich sehr angeschlagen. Aus diesem Grund entscheidet er sich, nicht zurück nach Deutschland zu gehen. Er taucht unter bei seinem Bruder Adri in Leeuwarden. Irgendjemand denunziert ihn und er flüchtet zur Familie Keizer, die eine Windmühle in Spijk betreibt. Dort taucht Theo erneut unter.

Im Januar 1944 wird er verraten und bei einer Razzia von dem deutschen SD (Sicherheitsdienst) gemeinsam mit dem Niederländer Tjark Kremer verhaftet und zum Polizeiamt gebracht. Von dort werden sie von Polizisten aus Groningen und einem Vertreter des Arbeitsamtes in Groningen nach Bremen-Farge gebracht, wo man sie in das Arbeits- und Erziehungslager beim U-Boot-Bunker Valentin einsperrt.
In den nachfolgenden Tagen wird Kremer so schwer misshandelt, dass er stirbt. Auch Theo Roodvoets wird misshandelt und stirbt, physisch erschöpft, in Februar 1944. Er wird in Bremen-Aumund beerdigt. Später wird sein Leichnam von der niederländischen Kriegsgräberfürsorge umgebettet auf den zentralen Ehrenfriedhof für Opfer des Zweiten Weltkrieges im niederländischen Loenen bei Apeldoorn.

Der Bruder von Theo, Adri Roodvoets, der auf Grund seiner Tätigkeit im Widerstand gegen die deutsche Besatzung, körperlich schwer behindert wird, versucht nach dem Krieg herauszufinden, wer seinen Bruder ermordet hat. Er erkundigt sich schriftlich beim niederländischen Roten Kreuz nach einer Möglichkeit den Lagerkommandanten des A. & E. Lagers Farge, Karl Walhorn, bzw. die verantwortlichen Kapos vor Gericht zu bringen. Vergeblich! 1948 wurde Walhorn von einem britischen Militärgericht zu vier Jahren Haft verurteilt, aber nicht wegen des Mordes an Theo.

Ergänzende Literatur:
Band 1: Eva Schöck-Quinteros/Simon Rau  (Hrsg.): „Erziehen Erzwingen Erniedrigen. – Das Arbeitserziehungslager Bremen Farge 1940-1945“, Bremen 2020, (aus den Akten, Bd. 16.1), ISBN 978-3-88722-765-4
Band 2: Eva Schöck-Quinteros/Simon Rau  (Hrsg.): „Verteidigen Verdrängen Vergessen. – Das Arbeitserziehungslager in Bremen Farge  nach 1945“, Bremen 2020,  (aus den Akten, Bd. 16.2), ISBN 978-3-88722-766-1

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