Zwangsarbeit für Frauen bei der Krupp Dreherei

Hüttenstraße 110, Bremen-Oslebshausen

Am Ende der Hüttenstraße in Oslebshausen stehen Werkshallen, die  heute von der DHL genutzt werden, in denen aber seit 1937 die „Friedrich Krupp AG Oslebshausen“ (auch bekannt unter den Namen „Widia-Fabrik-Bremen“) untergebracht war. Der Betrieb stellte Hartmetalle her, die für die Produktion von panzerbrechender Munition verwendet wurden. In der Dreherei wurden ausserdem Geschosse gedreht. Zur Norddeutschen Hütte, einem anderen Krupp-Betrieb, bestanden enge Verbindungen. Aus den Akten, die sich mit der Norddeutschen Hütte beschäftigen, geht hervor, dass etwa 50 Frauen, die mit Juden verheiratet waren, 1944 zur Arbeit in der besagten Dreherei gezwungen wurden. Zu ihnen gehörten die Frau und Tochter von Adolf Cohn, die im Oktober 1944 zum Arbeitseinsatz in der Dreherei der Firma Krupp abkommandiert wurden. Auch Liesbeth Laband* aus Huchting, Tochter eines zum Christentum konvertierten Juden und einer Christin, wurde 1944 gezwungen, als ungelernte Arbeiterin in der Krupp Dreherei zu arbeiten. Das Werk beschäftigte damals insgesamt 720 Menschen, davon ein Drittel ausländische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene.
Adolf Cohn selbst wurde 1944 im Arbeitserziehungslager Farge interniert und von da ins KZ Neuengamme überstellt. Dort starb er am 25.02.1945.
Bislang war zwar bekannt, dass die Nazis Frauen, die mit jüdischen Bürgern verheiratet waren, zu zwingen versuchten, sich scheiden zu lassen, jedoch nicht, dass sie bei Weigerung offensichtlich auch zu Zwangsarbeit verpflichtet wurden. Das gleiche galt offensichtlich auch für die Töchter, wie die Beispiele von Marga Cohn und Liesbeth Laband beweisen.

* Quelle: „Sup di full und fret di dick … und holl dien Mul vun Politik! – Politik und Alltag in Huchting 1918 – 1945“ von Andreas Fechenhauer, ISDN 978-3-925729-73-7.

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