KZ Mißler eingerichtet

Bild zeigt das Konzentrationslager Mißler
31. März 1933
Walsroderstr. 1, Bremen
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Nach dem Reichtagsbrand vom 27./28. Februar und den Reichstagswahlen vom 05. März 1933 erfolgten auch in Bremen Massenverhaftungen von Kommunisten und Sozialdemokraten. Das Polizeigefängnis am Ostertor und die SA-Verhörstätten wie das so genannte Gosselhaus im Buntentor waren bald überfüllt. Aus dem Grund wurde bereits am 31. März 1933 von der Polizeidirektion in den ehem. Auswanderungshallen auf dem Gelände der Firma Mißler an der Walsroder Straße in Findorff  ein neues Lager errichtet.Das Lager Mißler war das erste, zuerst noch provisorische  Konzentrationslager in Bremen.

Die etwa 170 Häftlinge waren vorwiegend Sozialdemokraten und Kommunisten. Die Insassen, darunter z. B. Alfred Faust wurden durch die Lageraufsicht, eine von der SS gestellte Hilfspolizei unter der Leitung von SS-Sturmbannführer Otto Löblich, der Mörder von Johann Lücke. schwer misshandelt. Die verhafteten Arbeiterfunktionäre sollten im Lager im nationalsozialistischen Sinne „umerzogen“ werden – mit sadistischen Folterungen, Prügeln mit Gummiknüppeln und Schlägen mit Karabinerkolben. 60jährige Männer mussten nachts in Hemd und Hose Freiübungen machen, mit Bürgersteigplatten in den Händen. Dabei mussten sie robben und die tierischen Laute der Stadtmusikanten nachahmen. Dutzende Male wurden Gefangene nachts von ihren Pritschen hochgerissen, blutig geschlagen und vernommen. Sie wurden auf Schemel gestellt und mussten singen. Wurden sie bewusstlos, wurden sie mit Wasser übergossen und erneut verhört. Der ehem. Häftling Johann Onasch erzählte später vor Gericht, am 20. April seien die Gefangenen durch eine Prügelgasse betrunkener SS-Männer gejagt worden. Selbst dem bremischen Polizeisenator Laue war diese Art von „Umerziehung“ zu heftig, waren die Inhaftierten doch schon bei ihrer Verhaftung auf die gleiche Weise „verhört“ worden. Nach einem Hungerstreik der Häftlinge, aber auch nach Protesten innerhalb der Polizei und des Senats übernahmen statt der SS SA-Mitglieder die Bewachung. An die schlimmen Zustände änderte sich jedoch dadurch nicht viel.

Am 18.8.1933 besichtigte der NSDAP-Reichstatthalter Bremen/Oldenburg Carl Röver das KZ Mißler in Findorff. Im September 1933 wurden die Häftlinge in die Laderäume eines Schleppkahns des Norddeutschen Lloyd (Lloyd-Kahn 86, Lager Ochtumsand) verlegt sowie nach Langlütjen überführt, einem alten Fort an der Wesermündung. In Alltagskleidung mussten sie sechs Meter unter dem Meeresspiegel schwere Sand- und Baggerarbeiten ausführen. Diese Verlegung geschah auf Veranlassung der bremischen Polizeidirektion, da das KZ Mißler mitten im Findorffer Wohngebiet lag und den Anwohnern die Misshandlungen der Inhaftierten nicht verborgen blieben.
Beide Lager existierten noch bis Sommer 1934, dann wurden die Häftlinge in andere Lager außerhalb von Bremen überführt.

Video freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom Zentrum für Medien, Bremen:

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In einem Ausschnitt eines Video-Interviews mit dem USC Shoah Foundation Institute schildert der Zeitzeuge Willy Hundertmark seine Eindrücke aus dem KZ Mißler

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Mehr dazu unter “Relikte in Niedersachsen und Bremen” sowie “Die Entnazifizierung und die Gestapo

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